Ukraine-Krise: Tauziehen um russischen Konvoi, Rotes Kreuz vermittelt

New York (APA/AFP/Reuters) - Dringende Hilfe für die Ostukraine oder ein trojanisches Pferd aus Moskau - aus Angst vor einer verdeckten russ...

New York (APA/AFP/Reuters) - Dringende Hilfe für die Ostukraine oder ein trojanisches Pferd aus Moskau - aus Angst vor einer verdeckten russischen Intervention hat Kiew am Mittwoch angekündigt, die über 260 aus Russland anrollenden Fahrzeuge mit Hilfsgütern nicht über die Grenze zu lassen. Das Rote Kreuz verhandelte mit den Konfliktparteien über eine Lösung.

Rein verbal steckte der Konvoi bereits vor seiner für den Mittwochabend erwarteten Ankunft an der Grenze in einer Sackgasse: Es sei „ausgeschlossen“, dass der Konvoi „des Aggressors“ das Gebiet von Charkiw passiere, erklärte Innenminister Arsen Awakow im sozialen Netzwerk Facebook. Die nach unterschiedlichen offiziellen russischen Angaben 262 bis 287 weiß gestrichenen Lastwagen waren am Dienstag mit fast 2.000 Tonnen Lebensmitteln, Decken, Medizin und Stromgeneratoren von Moskau in Richtung Ostukraine aufgebrochen. Der drei Kilometer lange Konvoi war am Mittwochmittag laut russischen Medienberichten noch mehrere hundert Kilometer vor dem Grenzübergang Schebekino-Pletnewka und könnte frühestens am frühen Abend dort eintreffen.

Während russische Medien wie die amtliche Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ den Konvoi als „Drei Kilometer Hilfe“ für die notleidende Bevölkerung feierten, reagierte Kiew empört auf den Alleingang von Präsident Wladimir Putin. „Der russische Zynismus ist grenzenlos“, erklärte der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Mittwoch. „Erst liefern sie uns Panzer und Grads (Mehrfachraketenwerfer, Anm.), Banditen und Terroristen, die Ukrainer töten, und dann schicken sie Wasser und Salz.“

Die Ukraine und westliche Staaten befürchten, die humanitäre Hilfe Russlands solle eine Operation zur weiteren Destabilisierung der Region bemänteln und vor allem den prorussischen Rebellen helfen. Über die Modalitäten, wie dennoch die dringend benötigten Hilfsgüter zu den Menschen gebracht werden können, wird seit Tagen gerungen.

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Die ukrainische Regierung hatte zunächst gefordert, die gesamte Fracht müsse auf Lastwagen unter Aufsicht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) umgeladen und dann nach Lugansk gebracht werden, wo die Menschen seit Wochen keinen Strom und kein Wasser mehr haben. Nach Darstellung Russlands würde dadurch zu viel Zeit verloren.

Moskau schlug deswegen vor, dass die Lkw nach Inspektion an der Grenze unter Kontrolle des IKRK sowie mit Vertretern der ukrainischen Regierung sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) an Bord die Grenze passieren. „Viele Punkte müssen noch entschieden werden“, sagte ein IKRK-Sprecher zur AFP. Zwar sei der Konvoi längst auf dem Weg, doch habe das Rote Kreuz noch keine Möglichkeit gehabt, die tatsächliche Fracht in Augenschein zu nehmen.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bei dem Kämpfen im Osten des Landes seit Mitte April mehr als 2.000 Menschen getötet worden. Allein in den vergangenen zwei Wochen habe sich die Zahl der Toten fast verdoppelt, sagte eine UN-Sprecherin am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters in Genf. Im Durchschnitt seien mehr als 60 Menschen pro Tag getötet oder verletzt worden. Bisher werde von rund 5.000 Verletzten ausgegangen. Die Zahlen beinhalteten zivile Opfer sowie Tote und Verletzte der ukrainischen Regierungstruppen sowie der bewaffneten Gruppen.

Bei Gefechten ukrainischer Regierungstruppen mit prorussischen Separatisten sind im Donbass Behörden zufolge erneut mindestens fünf Zivilisten getötet worden. Die ganze Nacht auf Mittwoch seien Explosionen zu hören gewesen, teilte der Stadtrat in Donezk mit. Damit sei die Zahl der Toten seit Wochenbeginn auf etwa 60 gestiegen, sagte ein Sprecher der Aufständischen der Agentur Interfax. Die militante Bewegung Rechter Sektor teilte zudem in Kiew mit, dass zwölf ihrer Anhänger bei Kämpfen im Krisengebiet getötet worden seien. Die Männer seien in einem Bus in einen Hinterhalt geraten, sagte Parteisprecher Artjom Skoropadski dem Fernsehsender 112.ua.


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