USA erwägen militärischen Rettungseinsatz im Nordirak

Washington/Erbil (APA/dpa/AFP) - Die USA erwägen einen Militäreinsatz, um Tausende yezidische Flüchtlinge im Irak vor der Terrormiliz Islami...

Washington/Erbil (APA/dpa/AFP) - Die USA erwägen einen Militäreinsatz, um Tausende yezidische Flüchtlinge im Irak vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu retten. Im Gespräch seien ein Lufteinsatz und eine Rettungsaktion mit Bodentruppen, sagte Präsident Barack Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes dem Sender Fox News.

Letzteres würde bedeuten, dass US-Soldaten in direkte Kampfhandlungen mit Extremisten verwickelt werden könnten. „Wir müssen herausfinden, wie wir diese Bevölkerung an einen sicheren Ort bewegen und ihnen humanitäre Hilfe bringen können“, sagte Rhodes.

Der riskante Vorschlag werde aber noch entwickelt und sei noch nicht von Obama genehmigt worden, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch online. Das Blatt berief sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung.

Am Dienstag waren bereits 130 weitere US-Soldaten in Erbil im Norden des Landes eingetroffen. Sie sollen feststellen, welche weiteren Schritte beim humanitären Einsatz zum Schutz der Yeziden unternommen werden können. Mit der Entsendung stieg die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten auf fast 1000.

Pentagonsprecher John Kirby bestätigte die Pläne zunächst nicht. „Es ist kein Rettungseinsatz in Arbeit“, sagte Kirby gegenüber CNN. Die Lage im Sinjar-Gebirge, wohin sich Zehntausende Yeziden und Christen vor IS-Extremisten geflüchtet haben, sei aber sehr komplex. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ suche man in Washington nach anderen Möglichkeiten, um den Menschen zu helfen. Die vor knapp einer Woche begonnenen Hilfslieferungen von Wasser und Lebensmitteln seien auf Dauer keine Lösung, hieß es.

Deutschland stellt unterdessen weitere 40 Millionen Euro zur Unterstützung der Flüchtlinge aus dem Nordirak und im Gazastreifen zur Verfügung. Das Geld solle den Betroffenen „schnell, ohne Umwege und unbürokratisch“ helfen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Mittwoch in Berlin. Die Mittel - jeweils 20 Millionen Euro für Flüchtlinge in Gaza und aus dem Nordirak - würden über internationale Hilfsorganisationen vor Ort eingesetzt.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wolle auf europäischer Ebene darauf drängen, Gelder aus vorhandenen Fördertöpfen für Flüchtlinge im Gazastreifen und aus dem Nordirak umzuschichten, sagte die Sprecherin weiter. Die EU müsse hier „Flagge zeigen“.


Kommentieren