Davon wird die Welt nicht munter

Beim Liederabend „Hint’n heacha wia vorn“ wird lustvoll mit Gassenhauern gespielt. Aber leider viel zu tief in die Klischeekiste gegriffen.

Bei „Hint’n heacha wie vorn“ bekommt auch „Gangnam Style“ einen neuen Anstrich. Leider keinen besonders originellen.
© Hammerle

Von Christiane Fasching

Telfs –Eigentlich wollten die Tiroler Volksschauspiele Telfs schon im Vorjahr den Liederabend „Hint’n heacha wie vorn“ ins Programm nehmen, doch die missliche Finanzlage machte dem Nachfolgeprojekt der „Mannsbilder“ einen Strich durch die Rechnung: Im letzten Moment musste der von Markus Völlenklee und Barbara Aschenwald konzipierte Abend um ein Jahr verschoben werden: Am Dienstag ging nun die verspätete Premiere über die Bühne des Eduard-Wallnöfer-Platzes. Und beinahe sah es danach aus, als würde wieder nichts aus der G’stanzl-Session, für die sich auch der Männergesangsverein Telfs, die Telfer Musikschule und das Stimmquadrat Miemieng/Obsteig unter der musikalischen Leitung von Stefan Neuner ins Zeug gelegt hatten. Mit „Das Projekt ist gescheitert, der Abend fällt aus, das Eintrittsgeld wird nicht erstattet“, eröffnete Volksschauspiel-Obmann Völlenklee die Soirée, um dann doch gleich loszulegen – und den 50er-Jahre-Gassenhauer „Ansonsten Herr Lutter“ anzustimmen. Mit stimmkräftiger Unterstützung wurde also Alles-in-Butter-Stimmung verbreitet – am schwachen Eröffnungs-Gag änderte das nichts.

Überhaupt wollte der Abend nicht so recht in Fahrt kommen, stattdessen wurde tief in die Klischeekiste gegriffen, durfte eine angeschickerte Männerrunde übers Saufen schwärmen und eine ebenfalls nicht ganz nüchterne Damengesellschaft über Kerle mit Beziehungsängsten meckern, um später vollbeladen mit Einkaufssackerln der Shoppinglust zu frönen oder – im BH und mit Bunny-Ohren – dem „Gangnam Style“ einen neuen, vernachlässigbaren Anstrich zu verleihen.

Weitaus erhellender waren dagegen die Momente, in denen die Klassiker aus dem Hut gezaubert wurden: Im Stil von Cissy Kraner ließ Aschenwald da nichts über den Nowak kommen, während Völlenklee irrsinnig stimmig auf Otto Reutters Spuren wandelte, um zu bekennen: „Mir ham se als geheilt entlassen.“ Mit „Bei mir seid’s alle im Oasch daham“ gab’s aber auch eine Hommage an Parade-Zwiderwurzen Helmut Qualtinger, der wohl nie aus der Mode kommt. Das Highlight des Abends, der vor allem in den Sketch-Momenten schwächelte, summte man dann noch beim Nachhausegehen. Warum? Weil’s finster war.

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