84-Jähriger wegen Mordversuchs 2 - Gutachter am Wort

Korneuburg (APA) - Die 52-Jährige hat an beiden Oberschenkeln Schrotschussverletzungen mit Durchschüssen erlitten, sagte Gerichtsmediziner W...

Korneuburg (APA) - Die 52-Jährige hat an beiden Oberschenkeln Schrotschussverletzungen mit Durchschüssen erlitten, sagte Gerichtsmediziner Wolfgang Denk. Die Frau habe sich bei der Einlieferung ins Spital in einem sogenannten Verblutungsschock befunden, der lebensgefährlich war. Aus psychiatrischer Sicht war der Angeklagte zurechnungsfähig.

Durch die schweren Verletzungen ist laut Gerichtsmediziner insgesamt ein grobe Verunstaltung an beiden Beinen mit Dauerfolgen entstanden. Funktionseinschränkungen beim Gehen seien aufgrund der großen Muskeldefekte im Sinne eines Kraftverlustes und der Belastbarkeit zu erwarten, so Denk. Der Schießsachverständige schloss in seinem Gutachten eine Fehlfunktion der Waffe aus, da sich das Gewehr in gutem Zustand befunden habe. Dass dieses während des Gerangels zwischen dem Ehepaar unabsichtlich entsichert worden sei, hielt der Gutachter für unwahrscheinlich.

Verlesen bzw. per Video gezeigt wurden auch die Aussagen der Ehefrau und des gemeinsamen Sohnes des Paars, der seiner Mutter zur Hilfe gekommen war und letztlich dem Vater die Waffe entrissen hatte. „Ich hätte nie geglaubt, dass er durch die Türe schießt“, gab die 52-Jährige an. Dies sei für sie eine Überraschung gewesen.

Für Staatsanwältin Bischof war es versuchter Mord. Der Angeklagte habe bewusst und absichtlich durch die Türe geschossen. Er handelte mit dem Vorsatz seine Gattin zu töten, sagte Bischof in ihrem Schlussvortrag. Sämtliche Beweise würden dies untermauern. Die Angaben des 84-Jährigen, wonach er die Schüsse liegend oder unabsichtlich nach einem Sturz abgegeben habe, hätten sich nicht bestätigt.

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Verteidiger Mayer beschrieb in seinem Schlussplädoyer den Angeklagten als „geraden Michel“, räumte aber ein, dass er kein besonderer Sympathieträger sei. Er bestritt die Tötungsabsicht seines Mandanten. Daher stellte er in den Raum, ob es sich um eine absichtliche oder fahrlässige schwere Körperverletzung handelte.

Am Nachmittag zogen sich die Geschworenen kurz vor 16.00 Uhr zur Urteilsberatung zurück. Eine Entscheidung wurde bis zum Abend erwartet.


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