Westen plant Rettung Tausender Yeziden und Waffenlieferungen

Die USA schließen einen Einsatz von Bodentruppen zur Rettung verfolgter yezidischer Flüchtlinge nicht mehr aus. Großbritanniens Premier Cameron kündigte eine „internationalen Mission“ im Nordirak an.

Bilder wie dieses gingen im vergangenen Sommer um die Welt: Tausende yezidische Familien fliehen aus der irakischen Stadt Sinjar. Die Yeziden werden von den IS-Extremisten als „Teufelsanbeter“ verfolgt.
© Reuters

London - Großbritanniens Premierminister David Cameron hat eine „internationale Mission“ zur Rettung Tausender Yeziden im Irak angekündigt. Großbritannien werde seinen Teil dazu beitragen, dass diese Mission ausgeführt werden kann, kündigte der Regierungschef nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London an.

Für Freitag wurde ein Sondertreffen der 28 EU-Außenminister zur Irak-Krise anberaumt. Neben einem möglichen Einsatz werden auch die Waffenlieferungen an Kurden zur Sprache kommen. Frankreich schickte am Freitag als erstes EU-Land Waffen in den Irak. Präsident Francois Hollande kündigte an, „jede nötige Unterstützung“ angesichts der „katastophalen Lage“ für die Bevölkerung im irakischen Kurdistan leisten zu wollen.

Auch Großbritannien kündigte die Lieferung von Militärgerät an, Deutschland will nicht-tödliche Geräte wie gepanzerte Fahrzeuge, Nachtsichtgeräte oder Schutzwesten zur Verfügung stellen. Die USA haben bereits Waffen an Kurden die Kurden geliefert.

Österreich konzentriert sich auf humanitäre Hilfe, Waffenlieferungen sind Regierungskreisen zufolge „unwahrscheinlich“.

USA erwägt jetzt doch Einsatz von Bodentruppen

Die US-Regierung hatte am Mittwoch zudem erklärt, einen Militäreinsatz zur Rettung yezidischer Flüchtlinge zu erwägen. Im Gespräch seien ein Lufteinsatz und eine Rettungsaktion mit Bodentruppen, sagte Präsident Barack Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes dem Sender Fox News.

Letzteres würde bedeuten, dass US-Soldaten in direkte Kampfhandlungen mit Extremisten verwickelt werden könnten. Bisher hatte die US-Regierung eine Entsendung von Bodentruppen ausgeschlossen. „Wir müssen herausfinden, wie wir diese Bevölkerung an einen sicheren Ort bewegen und ihnen humanitäre Hilfe bringen können“, sagte Rhodes.

Der riskante Vorschlag werde aber noch entwickelt und sei noch nicht von Obama genehmigt worden, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch online. Das Blatt berief sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung.

Weitere 130 US-Soldaten im Nordirak eingetroffen

Am Dienstag waren bereits 130 weitere US-Soldaten in Erbil im Norden des Landes eingetroffen. Sie sollen feststellen, welche weiteren Schritte beim humanitären Einsatz zum Schutz der Yeziden unternommen werden können. Mit der Entsendung stieg die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten auf fast 1000.

Pentagonsprecher John Kirby bestätigte die Pläne zunächst nicht. „Es ist kein Rettungseinsatz in Arbeit“, sagte Kirby gegenüber CNN. Die Lage im Sinjar-Gebirge, wohin sich Zehntausende Yeziden und Christen vor IS-Extremisten geflüchtet haben, sei aber sehr komplex. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ suche man in Washington nach anderen Möglichkeiten, um den Menschen zu helfen. Die vor knapp einer Woche begonnenen Hilfslieferungen von Wasser und Lebensmitteln seien auf Dauer keine Lösung, hieß es.

Soforthilfe aus Deutschland

Deutschland stellt unterdessen weitere 40 Millionen Euro zur Unterstützung der Flüchtlinge aus dem Nordirak und im Gazastreifen zur Verfügung. Das Geld solle den Betroffenen „schnell, ohne Umwege und unbürokratisch“ helfen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Mittwoch in Berlin. Die Mittel - jeweils 20 Millionen Euro für Flüchtlinge in Gaza und aus dem Nordirak - würden über internationale Hilfsorganisationen vor Ort eingesetzt.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wolle auf europäischer Ebene darauf drängen, Gelder aus vorhandenen Fördertöpfen für Flüchtlinge im Gazastreifen und aus dem Nordirak umzuschichten, sagte die Sprecherin weiter. Die EU müsse hier „Flagge zeigen“. (tt.com, APA/dpa)


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