Gaza-Gespräche in Kairo gehen am Wochenende weiter

Gaza/Wien (APA/dpa) - Nach Vereinbarung einer neuen fünftägigen Waffenruhe wollen Israel und die Palästinenser ihre Verhandlungen über eine ...

Gaza/Wien (APA/dpa) - Nach Vereinbarung einer neuen fünftägigen Waffenruhe wollen Israel und die Palästinenser ihre Verhandlungen über eine dauerhafte Eindämmung der Gewalt am Wochenende fortsetzen. Die Unterhändler beider Seiten sollen dann in Kairo erneut über Vermittler miteinander reden. Nach palästinensischen Raketenangriffen in der Nacht auf Donnerstag und einem Gegenangriff blieb es bis zum Vormittag ruhig.

Die Verlängerung der Feuerpause um weitere fünf Tage hatte der palästinensische Delegationsleiter Assam al-Ahmed am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz in Kairo mitgeteilt. Auch Ägypten und die im Gazastreifen herrschende Hamas bestätigten die Einigung. Hamas-Führer Izzat al-Rishek erklärte, die Frist solle weiteren Beratungen über eine dauerhafte Waffenruhe dienen.

Nach Medienberichten hatten die ägyptischen Vermittler intensiven Druck auf die Palästinenser ausgeübt, damit diese den Verhandlungen noch eine Chance geben. Das israelische Sicherheitskabinett wollte am Nachmittag über die Inhalte der Verhandlungen beraten.

Eine Sprecherin des israelischen Militärs sagte, der letzte Angriff der israelischen Armee sei um 3.00 Uhr Ortszeit (2.00 Uhr MESZ) erfolgt. Danach seien auch keine Raketen mehr aus dem Gazastreifen abgefeuert worden. Am Vormittag habe es einen Fehlalarm gegeben.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas erklärte, sie sei für die auf Israel abgefeuerten Raketen nicht verantwortlich. Die radikalislamische Organisation erklärte ihrerseits, Israel habe die Waffenruhe verletzt.

Die israelische Armee will untersuchen, ob ihre Soldaten während des Gaza-Krieges das humanitäre Völkerrecht gebrochen haben. Dutzende Fälle, in denen palästinensische Zivilisten getötet und der Armee Verbrechen vorgeworfen wurden, würden geprüft, berichtete die Nachrichtenseite „Haaretz“ am Donnerstag. Darunter seien auch Angriffe auf UNO-Einrichtungen und Kämpfe in der südlichen Stadt Rafah nach der Entführung eines israelischen Soldaten vor zwei Wochen.

Israel wird vorgeworfen, im jüngsten Gaza-Konflikt Kriegsverbrechen begangen zu haben. Eine UN-Kommission, die den Sachverhalt klären soll, wird von Israel als voreingenommen betrachtet. Das Gremium sei „in Sünde geboren“, sagte die israelische Justizministerin Tzipi Livni am Donnerstag.

US-Präsident Barack Obama forderte in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu eine dauerhafte Waffenruhe. Er bekräftigte zudem die Unterstützung der USA für die ägyptischen Vermittlungsversuche, wie das Weiße Haus am Mittwoch mitteilte. Eine Einigung müsse die Sicherheit Israels gewähren und die humanitäre Krise im Gazastreifen berücksichtigen.

Auch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) bezeichnete eine Waffenruhe als „entscheidend“. In einem zweiten Schritt müssten Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung geführt werden, so der Minister am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal. Generell sei die Situation im Nahost-Konflikt aber eine „sehr verfahrene“.

Israel hatte seine Offensive im Gazastreifen am 8. Juli als Reaktion auf fortwährenden Raketenbeschuss seiner Grenzorte begonnen. Vor gut einer Woche zog es seine Bodentruppen wieder ab, setzte seine Luftangriffe aber fort - mit Unterbrechungen während zweier Feuerpausen.

Seit Beginn der Offensive starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 1.950 Menschen, mehr als 10.000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Mehrere Hundert Menschen erlitten Verletzungen.


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