Papstbesuch in Seoul von nordkoreanischen Raketentests überschattet

Seoul (APA/AFP/dpa) - Während des Papstbesuchs in Südkorea hat der verfeindete Nachbar Nordkorea erneut mehrere Kurzstreckenraketen ins Meer...

Seoul (APA/AFP/dpa) - Während des Papstbesuchs in Südkorea hat der verfeindete Nachbar Nordkorea erneut mehrere Kurzstreckenraketen ins Meer gefeuert. Die fünf Projektile wurden am Donnerstag abgeschossen, wie das Verteidigungsministerium in Seoul mitteilte. Papst Franziskus wurde indes auf dem 50 Kilometer westlich der südkoreanischen Hauptstadt gelegenen Flughafen Incheon von Präsidentin Park Geun Hye empfangen.

Nordkorea hatte den Süden in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Raketentests provoziert. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Abschüsse und warf der kommunistischen Führung des Landes Mitte Juli vor, damit gegen die Resolutionen des mächtigsten UN-Gremiums verstoßen zu haben. Nach den erneuten Raketenabschüssen am Donnerstag ordnete das südkoreanische Verteidigungsministerium verschärfte Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zwischen beiden Ländern an.

Papst Franziskus will fünf Tage in Südkorea bleiben, einer seiner geplanten Gottesdienste in Seoul ist der Aussöhnung zwischen Süd- und Nordkorea gewidmet. Diesen Wunsch nach Frieden trage er „tief in meinem Herzen“, sagte Franziskus nach seiner Ankunft laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Die Anreise von Katholiken aus dem kommunistischen Norden wurde von der Regierung in Pjöngjang aber untersagt.

Als Grund dafür wurde eine geplante Militärübung Südkoreas mit den US-Streitkräften angeführt. Das gemeinsame Manöver soll am Montag beginnen und wird größtenteils am Computer simuliert, allerdings sind trotzdem mehrere zehntausend Soldaten aus beiden Ländern beteiligt.

Für das Oberhaupt der katholischen Kirche ist es die erste Asienreise überhaupt. Papst Franziskus will in Südkorea auch an das Schicksal der ersten Katholiken in dem Land erinnern und 124 von ihnen seligsprechen, die im 18. und 19. Jahrhundert wegen ihres Glaubens getötet wurden. Bis zu eine Million Besucher werden zu der Freiluftmesse am Samstag in Seoul erwartet.

Offizieller Anlass der ersten Asienreise eines Papstes seit dem Indien-Besuch von Johannes Paul II. im Jahr 1999 sind die Jugendtage der asiatischen Katholiken. Südkorea wurde wegen seiner rasant wachsenden katholischen Gemeinde ausgewählt, die als besonders einflussreich gilt. Obwohl kaum mehr als jeder Zehnte der 50 Millionen Südkoreaner katholisch ist, befindet sich das Land wegen Franziskus‘ Visite seit Tagen im Ausnahmezustand: Willkommensbotschaften für ihn säumen die Straßen von Seoul. Der Souvenirhandel mit Papstfiguren, Gedenkmünzen und anderen Memorabilia blüht.

Auf dem Weg nach Südkorea überflog mit Franziskus auch erstmals ein Papst chinesisches Territorium, bisher hatte der kommunistische Staat dies stets untersagt. Franziskus schickte dabei auch ein Telegramm an Chinas Staatschef Xi Jinping. . „Ich rufe den göttlichen Segen für Frieden und das Wohl für die Nation.“

Derweil ist zwei Nordkoreanern die Flucht über die Seegrenze nach Südkorea gelungen. Beide Männer schwammen durch das Gelbe Meer und wurden am frühen Donnerstagmorgen vor der schwer gesicherten Insel Gyodongdo von Marinesoldaten aufgegriffen, wie das Wiedervereinigungsministerium in Seoul mitteilte. Die Flüchtlinge, bei denen es sich offenbar um Vater und Sohn handle, hätten die Anerkennung als Überläufer beantragt. Gyodongdo liegt etwa 2,5 Kilometer von der nächstgelegenen Küste im kommunistischen Norden entfernt. Es ist sehr selten, dass Nordkoreaner durch das Meer nach Südkorea gelangen.

(NEU: Details zu Papst-Besuch, Zitat von Franziskus, Nordkorea feuert weitere Raketen ab)


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