Ehemaliger AvW-Aufsichtsratschef steuert auf Diversion zu

Klagenfurt/Krumpendorf/Wien (APA) - Der frühere Aufsichtsratschef der AvW-Gruppe, Rudolf Rheindt, musste sich am Donnerstag am Landesgericht...

Klagenfurt/Krumpendorf/Wien (APA) - Der frühere Aufsichtsratschef der AvW-Gruppe, Rudolf Rheindt, musste sich am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt wegen grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen in Zusammenhang mit Entscheidungen des Aufsichtsrats verantworten. Richter Oliver Kriz entschied sich für eine Diversion. Der 73-jährige Beschuldigte muss 42.000 Euro Geldbuße zahlen.

Rheindt sagte, er befinde sich in Privatkonkurs. 70.000 Euro an Forderungen seien bereits eingetragen, die Frist laufe aber noch. Außerdem ist er in Wien Beklagter in einem derzeit unterbrochenen Zivilverfahren mit einem Streitwert von 300.000 Euro. Verteidiger Cosmin Dan Popa: „Aus der damaligen Sicht hatte mein Mandant keinerlei Kenntnis von den Malversationen des Vorstandsvorsitzenden. Heute ist er der Ansicht, dass viele Sachen anders beschlossen hätten werden können.“ Der Anwalt schlug die Diversion vor.

Staatsanwalt Helmut Jamnig sprach sich dagegen aus. Eine Übernahme von Verantwortung durch den Angeklagten sehe er nicht. Außerdem sprechen generalpräventive Überlegungen gegen eine Diverson, so Jamnig.

Der Richter versuchte daraufhin, Rheindt zu einem deutlichen Schuldeingeständnis zu bringen: „Was Ihnen vorgeworfen wird, ist der wirtschaftliche Verkehrsunfall. Das ist die unterste Stufe.“ Dem Angeklagten werde weder Schädigungsvorsatz noch Bereicherungsabsicht vorgeworfen. Kriz: „Auch Sie haben alles verloren, auch Sie hatten Aktien von dem Unternehmen und die sind ja nichts wert.“ Jamnig warf ein, dass Rheindt den Großteil seiner Genussscheine noch rechtzeitig verkauft habe.

Rheindt sagte: „Damals haben wir alle Fehler gemacht, die Wirtschaftsprüfer, die Anwälte, die FMA (Finanzmarktaufsicht, Anm.). Wir haben die kriminellen Handlungen nicht gesehen. Die Wirtschaftsprüfer haben in jeder Aufsichtsratssitzung bestätigt, wie gut alles läuft. Aber wir haben diese kriminellen Handlungen nicht gesehen. Sogar mein Sohn, der ein Haus bauen wollte, hat sein Geld verloren.“ Das reichte dem Richter offenbar.

Rheindt muss nun die 42.000 Euro in zwei Raten zahlen, das Geld dafür muss er sich ausleihen. Bis dahin gilt das Verfahren als vertagt. Danach kann das Gericht den Beschluss zur diversionellen Erledigung fassen. Erst dann hat die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, ein Rechtsmittel zu ergreifen. Die anderen beiden Aufsichtsratsmitglieder der AvW-Gruppe waren ebenfalls belangt worden, beide kamen mit einer Diversion davon.

Das Unternehmen AvW des Finanzjongleurs Wolfgang Auer-Welsbach war 2008 zusammengebrochen. Rund 12.500 Anleger waren von der Pleite betroffen. Die Geschädigten meldeten 940 Mio. Euro an Forderungen an. Auer-Welsbach erstattete im April 2010 Selbstanzeige, weil er Einkommen von liechtensteinischen Stiftungen in Österreich nicht versteuert hatte, und kam in U-Haft. Er wurde am 31. November 2011 von einem Schöffensenat am Klagenfurter Landesgericht wegen schweren Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung zu acht Jahren Haft und Schadenersatzzahlungen verurteilt. Er sitzt seine Strafe in Graz-Karlau ab.

~ WEB http://www.avw.at ~ APA197 2014-08-14/11:30


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