Einsitziges Nutzfahrzeug mit hohem Spaßfaktor

Wer mobil auffallen will und sich keinen Supersportwagen leisten kann, trifft mit dem Renault Twizy Cargo eine gute Wahl.

Die Kunststoff-Scherentüren des einsitzigen Renault Twizy Cargo schwingen ausladend nach oben.
© Höscheler

Von Markus Höscheler

Götzens –Die Reaktionen auf den Renault Twizy Cargo sind unterschiedlich, aber sie sind zahlreich. Nahezu jeder Passant und Verkehrsteilnehmer bleibt mit seinem Blick am unkonventionellen Fahrzeug hängen, sämtliche Generationen zeigen sich erstaunt angesichts des einsitzigen, 2,34 Meter langen Fahrzeugs. Rasch folgt die Zensur der Beobachter, erkennbar an den offenen Mündern, am von Kindern ausgerufenen „Wow“, am nach oben gestreckten Daumen eines Audi-Quattro-Fahrers und am „Schrecklich!“ einer spazierenden Redaktionskollegin.

Möglicherweise wäre ihr Urteil ein wenig milder ausgefallen, hätte sie sich Zeit genommen für die technischen Spezifika des Modells. Der Twizy Cargo ist wie sein zweisitziges Pendant ein reines Elektrofahrzeug, das im Bestfall auf einen 18 PS starken Elektromotor und einen 6,1 Kilowattstunden fassenden Lithium-Ionen-Akku baut. Damit, so die optimistische Vorgabe des Herstellers, ist eine Normreichweite von gut 100 Kilometern möglich. Das Testfahrzeug begnügte sich mit 75, wobei es unter anderem einige Tiroler Mittelgebirgsgemeinden ansteuern, Landstraßen befahren und ein kurzes Autobahnstück bewältigen musste. Dort, aber nur dort, möchte ein Twizy-Pilot sich nicht allzu lange aufhalten, da die ausgewiesenen 80 km/h (und angezeigten 85 km/h) Maximalgeschwindigkeit sich dazu eignen, riesig erscheinende Lkw bedrohlich nahe kommen zu lassen.

Ein umso erfreulicheres Bild ergibt sich in der Stadt, in den umliegenden Ortschaften und in den mautfreien Verbindungen dazwischen – zügig geht es dank 57 Newtonmetern Drehmoment ab Leerlauf von der Kreuzung weg, spaßig schlägt der Stromer die Haken, wenn Richtungswechsel anstehen. Dem puren Fahrvergnügen kommen Frischluftzufuhr (die Kunststofftüren haben keine Fenster), eine direkte Lenkung und ein robust ausgefallenes Fahrwerk zugute.

Die Armaturen sind aufs Notwendigste reduziert, die Feststellbremse versteckt sich unterhalb des Lenkrads. Immer im Blick sind der Ladezustand des Akkus und die ständig neu berechnete Reichweite. Keine Rücksicht muss der Fahrer beim Twizy Cargo auf einen Beifahrer nehmen, da anstelle eines zweiten Sitzes ein 156 Liter fassender Gepäckraum den Beinamen Cargo verständlich macht. Das Ladeabteil ist einfach verschließbar, gleichermaßen unkompliziert läuft das Lade-Prozedere. Ein Fach unterhalb des frontseitigen Renault-Rhombus-Logos bietet Platz für ein fix installiertes Ladekabel, das für den Anschluss an eine gewöhnliche 230-Volt-Haushaltssteckdose geeignet ist. Gut 3,5 Stunden sind erforderlich, um den Twizy-Cargo-Stromspeicher zu füllen. Zudem braucht es 8860 Euro, um die hier getestete Cargo-80-Version zu kaufen, Scherentüren nicht inbegriffen. Und aufgepasst: Die Batteriemiete kostet extra, abhängig von der Vertragsdauer und der jährlichen Fahrleistung.

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