RWE fürchtet neue Millionenlasten für Braunkohletagebau

Essen (APA/dpa/Reuters/AFP) - Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE fürchtet neue Millionenlasten für seinen Braunkohletagebau im r...

Essen (APA/dpa/Reuters/AFP) - Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE fürchtet neue Millionenlasten für seinen Braunkohletagebau im rheinischen Revier. Grund ist die Auflage des Ende Juni verabschiedeten EEG-Gesetzes, die EEG-Umlagebefreiung der Industrie für eigenen Stromverbrauch bis 2017 noch einmal zu überprüfen.

Wenn der von RWE selbst erzeugte Strom für seinen Braunkohle-Tagebau umlagepflichtig würde, könnten dreistellige zusätzliche Millionenlasten auf RWE zukommen, sagte Konzernchef Peter Terium am Donnerstag in Essen bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Das sei nicht zu verkraften. Die Situation des Unternehmens sei ohnehin prekär genug, sagte Terium.

Braunkohle zählt angesichts der stark gesunkenen Strom-Großhandelspreise zu den wenigen verbliebenen gewinnträchtigen Feldern des Unternehmens. „Wer Kartoffeln aus dem eigenen Garten isst, muss dafür auch keine Mehrwertsteuer zahlen“, sagte Terium. Die Überprüfung der Eigenstrom-Befreiung für die Industrie war auf Drängen der EU-Kommission zustande gekommen.

RWE ist in Österreich mit 38 Prozent an der Kärntner Kelag beteiligt. Im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt der frühere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP).

Der deutsche Energiekonzern leidet weiter unter dem Einbruch in seinem Stammgeschäft Stromerzeugung. Sinkende Preise im Stromgroßhandel und der milde Winter schmälerten auch im ersten Halbjahr die Erträge in der einst wichtigsten Sparte. Das um Sondereffekte bereinigte sogenannte nachhaltige Nettoergebnis sank um mehr als die Hälfte (62 Prozent) auf 749 Mio. Euro - im zweiten Quartal gab es somit einen Verlust. Analysten hatten mit einem etwas geringeren Rückgang gerechnet. Der Umsatz sank um 10 Prozent auf 25,1 Mrd. Euro.

Grund für den neuerlichen Gewinneinbruch ist neben dem operativen Geschäft ein positiver Sondereffekt aus dem vergangenen Jahr, der sich nicht wiederholt hat. Damals hatte RWE eine Kompensationszahlung des russischen Gasriesen Gazprom über etwa eine Milliarde Euro erhalten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ging um 32 Prozent auf 3,4 Mrd. Euro zurück.

Terium bekräftigte die Prognose: Ohne die an ein Konsortium verkaufte Tochter Dea soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei 6,4 bis 6,8 Mrd. Euro liegen. Das nachhaltige Nettoergebnis soll 1,2 bis 1,4 Mrd.ine Gruppe um den russischen Milliardär Michail an eum den russischen Milliardär Michail uppe um den russischen Milliardär Michail Fridman wird unter anderem noch von der Bundesregierung geprüft. Terium erwartet trotz der Ukraine-Krise keinen Einspruch gegen den Deal. „Wir sind zuversichtlich, Ihnen noch im laufenden Jahr den Abschluss des Verkaufs vermelden zu können“, schrieb er den Aktionären im heute veröffentlichten Halbjahresbericht. RWE drücken Schulden von über 31 Mrd. Euro.

Das Unternehmen will weitere Kraftwerke schließen. Geplant sei, bis 2017 Standorte mit einer Leistung von insgesamt rund 1.000 Megawatt (MW) stillzulegen und zusätzlich Bezugsverträge über rund 500 MW zu beenden, teilte RWE am Donnerstag weiter mit. Bereits zuvor verkündete Streichungen eingeschlossen, wird RWE damit künftig in Europa seine konventionelle Stromerzeugung um rund 9.000 MW stutzen.

Die neuen Einschnitte plant RWE für drei Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen. Betroffen sei zunächst das Braunkohlekraftwerk in Hürth, bei dem 110 MW Leistung herausgenommen werden, dann folge ein Block des Steinkohlekraftwerks in Hamm, der stillgelegt werde. Sollten sich die Marktbedingungen nicht ändern, werde auch der mit Steinkohle befeuerte Teil eines Kraftwerkblocks in Werne den Betrieb einstellen. An den drei Standorten sind Unternehmensangaben zufolge heute rund 640 Mitarbeiter beschäftigt. Durch die Stilllegungen würden davon rund 180 Arbeitsplätze wegfallen. RWE versprach, diesen Personalabbau „sozialverträglich“ umzusetzen.

~ ISIN DE0007037129 WEB http://www.rwe.com ~ APA208 2014-08-14/11:48


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