Borealis erzielte trotz schwierigem Markt mehr Erlös und Gewinn

Wien (APA) - Der Kunststoffhersteller Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält, hat heuer im 2. Quartal und im Halbjahr mehr Umsatz und Gewi...

Wien (APA) - Der Kunststoffhersteller Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält, hat heuer im 2. Quartal und im Halbjahr mehr Umsatz und Gewinn erzielt als voriges Jahr, als Anlagen wegen technischer Überholungen stillstanden. Der Markt sei schwierig, verwies CEO Mark Garrett am Donnerstag auf die Konjunkturschwäche Europas. In Asien, wohin Borealis stark aus Abu Dhabi liefert, sei die Nachfrage bis jetzt gut.

Der Kunststoffbereich sei stärker konjunkturabhängig als etwa der Pflanzennährstoffsektor, der sich im Halbjahr relativ stark präsentiert habe. Wetterbedingt sei der Bedarf des Agrarsektors gut gewesen, begünstigt worden sei man hier auch durch gesunkene Gas- und Rohstoffpreise und relativ gute Endmarktpreise, sagte Garrett.

Bei Polyolefinen habe Borealis ein ganz leichtes Wachstum verzeichnet, das aber „nicht berauschend“ gewesen sei. Geholfen hätten aber bessere Margen. Insbesondere die Borouge-Anlagen in Abu Dhabi (VAE) sei gut gelaufen - voriges Jahr gab es dort ja Turnarounds, also technische Überholungen; aufgrund dieser vorjährigen Stillstände sehe das heurige Halbjahr besser aus als es eigentlich gewesen sei.

Aus Asien, das vornehmlich von Abu Dhabi aus beliefert wird, sei „die Nachfrage bis jetzt gut geblieben“. Natürlich lese man auch bei Borealis in der Zeitung, dass sich Chinas Wirtschaftswachstum etwas abschwäche - für die Produkte von Borouge spiele das keine so große Rolle; diese könne man absetzen, wenn auch vielleicht nicht immer zu den gewünschten Preisen, gab Garrett zu verstehen.

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„Europa wird wie Japan ein verlorenes Jahrzehnt bekommen“, erinnert sich der Borealis-Chef an seine eigene Einschätzung von vor einigen Jahren. „Und das stimmt noch immer“, so Garrett zur aktuellen Konjunkturentwicklung. Die Wirtschaft der Eurozone stagnierte im 2. Quartal überraschend, und das deutsche BIP schrumpfte sogar leicht, wie ganz aktuelle Daten von heute zeigen.

Um sich günstig mit Ethan einzudecken, hat Borealis vor einer Woche einen 10-Jahres-Vertrag mit dem US-Unternehmen Antero Resources über die Lieferung von jährlich 240.000 t des Rohstoffs abgeschlossen. Eingesetzt wird das Ethan beim flexiblen Cracker von Borealis in Stenungsund (Schweden). Der Stoff falle bei der Schiefergas-Produktion an, man könne es nur verbrennen oder verkaufen; für Borealis sei das trotz des Schiffstransports „eine günstige Sache“. Das nach Stenungsund gelieferte Ethan wird in einem extra dafür errichteten voll gekühlten Tank gelagert, die Investition von 120 Mio. Euro umfasst auch die Erneuerung des Crackers.

Mit der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH in Deutschland wurde der Kooperationsvertrag für den Melamin-Produktionsstandort von Borealis dort verlängert, er wäre Ende 2014 ausgelaufen. Dabei geht es u.a. um die Lieferung von Harnstoff, laut Garrett handelt es sich um die größte und modernste Anlage der Welt; Borealis selbst beschäftigt dort 90 Mitarbeiter, SKW deutlich mehr. Der Verkauf eines Harnstoffproduktions-Anteils in Frankreich (Le Havre) sei kein Widerspruch; den dortigen Anteil habe man im Zuge der Total-Akquisition erhalten, der Vertrag sei aber sehr ungünstig gewesen; die alle fünf Jahre gegebene Option nutze man jetzt zum Ausstieg.

Der Borealis-Nettogewinn legte im 2. Quartal im Jahresabstand von 83 auf 143 Mio. Euro zu, im Halbjahr von 144 auf 245 Mio. Euro. Die Umsatzerlöse wuchsen im 2. Vierteljahr von 1,98 auf 2,09 Mrd. Euro und im Halbjahr von 3,96 auf 4,35 Mrd. Euro. Dabei stieg die Nettoverschuldung jeweils geringer als im Vergleichszeitraum an, sodass die Verschuldungsquote auf 48 (50) Prozent sank; mit diesem Gearing sei man „finanziell weiterhin stark aufgestellt“.

Zur großen Borouge-3-Expansion in Abu Dhabi (VAE) - ein Joint Venture von Borealis mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) - sei man auf gutem Weg, diese bis Jahresende vollständig in Betrieb zu nehmen. Die Inbetriebnahme des dritten Ethan-Crackers im Juni, der seither produziert, sei ein erster wichtiger Schritt; der Cracker kann im Jahr 1,5 Mio. t Ethylen erzeugen. In der nächsten Phase sollen nacheinander weitere Anlagen anlaufen: zwei für Borstar-Polyethylen, eine für Polyethylen sowie zwei für Borstar-Polypropylen. Die Investitionen für Borouge 3 belaufen sich nach früheren Angaben auf über 4,5 Mrd. Dollar (aktuell (3,37 Mrd. Euro)

~ WEB http://www.borealisgroup.com ~ APA217 2014-08-14/11:56


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