Enttäuschende Zahlen: Heimische Wirtschaft tritt auf der Stelle

Österreichs Wirtschaft ist im ersten Halbjahr kaum gewachsen. Im 2. Quartal gab es ein BIP-Plus von nur 0,2 Prozent. Laut einem Wifo-Experten wird das zweite Halbjahr nicht besser.

Wien - Österreichs Wirtschaft wächst heuer womöglich weniger als ein Prozent. Dies vermutet Wifo-Konjunkturexperte Marcus Scheiblecker nach dem enttäuschenden 1. Halbjahr mit nur 0,1 und 0,2 Prozent realem Plus in den ersten beiden Quartalen. „Wir rechnen mit keiner Beschleunigung des Wachstums“, sagte Scheiblecker am Donnerstag zur APA. Die Konjunkturindikatoren würden keine Wende zum Besseren anzeigen.

Hauptursache sei die schwache internationale Konjunktur - das habe sich bereits von Jänner bis Juni gezeigt, als die Ukraine/Russland-Krise noch gar nicht durchgeschlagen habe. Eigentlich habe man eine stetige Verbesserung erwartet, die sei aber überraschend nicht mehr weitergegangen: „Die normale Konjunkturdynamik, wie es sie sonst nach Krisen gegeben hat, funktioniert nicht mehr.“

Gehe man - „optimistisch“ - von ebenfalls je 0,2 Prozent Quartalswachstum in Österreich für das 3. und 4. Vierteljahr aus, dann werde man beim Gesamtjahres-Plus wohl nur auf rund ein Prozent kommen, „eventuell sogar darunter“, so Scheiblecker.

Russland-Sanktionen kommen noch dazu

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Auch von der APA befragte Bank-Ökonomen gingen Mitte dieser Woche von kaum mehr als ein Prozent Realwachstum für 2014 aus. Ende Juni hatten Wifo und IHS in ihrer Sommer-Prognose noch 1,4 bzw. 1,5 Prozent BIP-Plus für heuer erwartet; die nächste Vorschau der Institute ist für 18. September geplant.

Jetzt komme noch das Sanktionen-Thema dazu, meinte Scheiblecker, das die Stimmung auch nicht gerade hebe. Dabei würden sich die Effekte auf die Bauern im Bruttoinlandsprodukt (BIP) gar nicht niederschlagen, denn „produzieren müssen sie es, auch wenn sie es dann verschleudern müssen“. Dennoch falle die Russen-Nachfrage zunächst einmal weg.

„Bei den Indikatoren sehen wir keine Wende zum Besseren, eher im Gegenteil“, verweist der Wifo-Experte etwa auf den viel beachteten deutschen ifo-Index, der bereits drei Mal hintereinander gesunken ist - die letzten beide Male (Juli und August) schon im 3. Quartal. „Da kann man sich vorstellen, was auf die deutsche Wirtschaft zukommt“, so Scheiblecker.

Eurozone stagnierte im 2. Quartal

Im 2. Quartal ist die deutsche Wirtschaft nach neuen Daten von Donnerstag um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft, und das Plus des 1. Quartals wurde von 0,8 auf 0,7 Prozent nach unten revidiert; der starke Zuwachs zu Jahresbeginn sei aber auch nur der Bauwirtschaft zu verdanken gewesen, relativiert der Wifo-Experte. Die gesamte Eurozone stagnierte im 2. Quartal, wies also ein Nullwachstum auf. Hoffnung bleibe jetzt, dass Asien und die Emerging Markets wieder anziehen, so Scheiblecker.

In Österreich war das Wirtschaftswachstum im 1. Halbjahr nach Einschätzung des Wifo „enttäuschend“. Die Investitionszurückhaltung der heimischen Betriebe hielt an, und der private Konsum entwickelte sich „weiterhin träge“. Der Außenhandel lieferte im 2. Quartal nur einen schwach positiven Wachstumsbeitrag.

Im Jahresabstand hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) - die gesamtwirtschaftliche Produktion - im 2. Quartal real um 0,6 Prozent zugelegt, nach 0,1 Prozent Zuwachs im 1. Quartal. (APA)


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