Almleben abseits der Romantik

Ob Milchabrechnung oder Tierpflege: Auf der Gepatschalm im Kaunertal sorgt ein Computer für korrekte Verhältnisse. Bis zu 65.000 Liter Milch werden zu Käse verarbeitet.

Von Helmut Wenzel

Kaunertal, Prutz –Der Hirt­e liegt meistens in einer Almwiese und lässt die Seele baumeln. Die Kühe grasen stressfrei die saftigen Kräuter rund um die Almhütte ab. Die Kuhglocken bimmeln, damit der Hirte weiß, wo seine Herd­e umgeht. Das Melken wird von einer Maschine erledigt. „Leider gibt es noch immer Leute, die glauben, das Almleben ist romantisch und wir haben fast nichts zu tun. Das Gegenteil ist der Fall“, schildert Christoph Eiterer, Hirte auf der in 1967 Meter Höhe gelegenen Gepatschalm.

Draußen war es noch dunkel, als Eiterer kürzlich um 4.34 Uhr die erste Kuh gemolken hat. Wie ein Computerausdruck zeigt, war es die Kuh Nummer 47 mit der Ohrmarke 947160845. Sie ließ sich an diesem Morgen 6,1 Liter Milch abzapfen, abends um 20.22 Uhr waren es nochmals 8,9 Liter. Im Laufstall können sich die Tiere frei bewegen, sie werden nicht angekettet. Jede Kuh weiß ihren Platz, den sie auch verteidigt. Auf dem Betonboden sind Matratzen aus Sägemehl und Kuhmist aufgelegt. Dieser Belag trägt zum Wohlbefinden der Tiere bei.

„Früher hat es wiederholt Unstimmigkeiten bei der Milchabrechnung gegeben“, weiß der Nebenerwerbsbaue­r Armin Kofler. „Das ist jetzt nicht mehr der Fall, alle Daten werden im Computer erfasst. Das muss so sein, weil wir auch die Biosennerei in Prutz betreiben, die mit hohen Auflagen verknüpft ist.“

Gegen 8.30 Uhr trifft der Hirte mit 900 Liter Almmilch in Prutz ein. Sofort wird sie in den auf vier Grad Celsius temperierten Kühltank gepumpt. „Laufende Kontrollen bestätigen, dass wir Milch in Superqualität haben und die erlaubte Keimzahl weit unterschritten wird“, freut sich Kofler. Senner Christopher Walzthöni produziert würzigen Butter und Almkäse, der sechs bis sieben Wochen Reifezeit benötigt. „Mein Lehrmeister ist Markus Oberacher aus Serfaus, dem ich vieles zu verdanken habe“, schildert der Prutzer Senner. In dieser Almsaison wird Walzthöni voraussichtlich 65.000 Liter Almmilch verarbeiten.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Aus steuertechnischen Gründen ist die Biosennerei ein so genannter Rücknahmebetrieb. Je nach Milchanteil bekommen die Almbauern die reifen Käselaibe und Butter zugeteilt. Grundsätzlich vermarktet jeder seine Produkte selbst, zum Beispiel im Ab-Hof-Verkauf.

Gepatschalm und Sennerei gehören der Prutzer Gemeindegutsagrargemeinschaft. Zum Substanzverwalter ist kürzlich BM Walter Gaim gekürt worden. Rechtliche und finanzielle Angelegenheiten sind in Prutz längst geklärt.

„Die Gemeinde hat großes Interesse, dass der Wald und die Almen ordentlich bewirtschaftet werden“, sagte Gaim. „Das wird auch im Gemeinde­rat so gesehen.“ Er bedauert, dass der Viehbestand seit den 50er-Jahren um die Hälfte geschrumpft sei. „Jetzt haben wir wieder konstante Zahlen“, weiß der Bürgermeister, der die Zukunft der Prutzer Almen gesichert sieht.


Kommentieren


Schlagworte