Experte - Deutsche Vollbeschäftigung bei einer Million Arbeitslosen

Berlin (APA/Reuters) - Vollbeschäftigung ist in Deutschland nach einer Studie des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit nur auf l...

Berlin (APA/Reuters) - Vollbeschäftigung ist in Deutschland nach einer Studie des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit nur auf lange Sicht möglich. Dafür seien vor allem größere Anstrengungen im Bildungssystem und in der Arbeitsmarktpolitik nötig, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Prognosechefs des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Enzo Weber.

„Das Ziel Vollbeschäftigung ist bei knapp drei Millionen Arbeitslosen derzeit nicht greifbar“, räumte der Wissenschaftler ein. Vollbeschäftigung sei aber nicht erst dann erreicht, wenn es gar keine Erwerbslosen mehr gebe. Vielmehr sei sie vereinbar mit einer Arbeitslosenquote von zwei bis drei Prozent und einer Zahl von etwa einer Million Arbeitslosen.

Bei der Vollbeschäftigung handle es sich um ein Fernziel, schrieb Weber: „Könnte beispielsweise jeden Monat ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um 10.000 Personen realisiert werden, wäre Vollbeschäftigung erst um das Jahr 2030 erreicht.“ Dies müsse aber keine Utopie bleiben. In den vergangenen zehn Jahren sei die Arbeitslosenzahl um rund zwei Millionen verringert worden. Zudem biete der demografische Wandel mit dem Bevölkerungsrückgang und dem sinkenden Angebot an Arbeitskräften die Chance, dass die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt auch für die Arbeitslosen stärker werde.

Wichtigste Voraussetzung sei eine hohe Qualität des Bildungssystems. Vor allem müsse es gelingen, bildungsbenachteiligte Jugendliche besser zu integrieren und zu qualifizieren. „Eine erfolgreiche Politik in diesem Feld könnte die Lage auf dem Arbeitsmarkt mit den nachrückenden Jahrgängen schrittweise verbessern“, schrieb Weber. In der Arbeitsmarktpolitik habe die Qualifizierung Arbeitsloser eine entscheidende Bedeutung. Es gelte, vor allem Arbeitslose mit schlechteren Marktchancen zu erreichen. Für den „härtesten Kern der Arbeitslosigkeit“ sei auch an die Einrichtung eines eng begrenzten staatlichen Arbeitsmarkts zu denken.


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