Salzburger Festspiele: Gar keine schlechte Opernbilanz 2014

Salzburg (APA) - Auch wenn es manche Alexander Pereira nach der vorzeitigen Vertragsauflösung mit den Festspielen vergönnt hätten, mit seine...

Salzburg (APA) - Auch wenn es manche Alexander Pereira nach der vorzeitigen Vertragsauflösung mit den Festspielen vergönnt hätten, mit seinem letzten Opernprogramm für Salzburg auf die Nase zu fallen: Der Intendant hat seinen Kritikern diesen Gefallen nicht getan. Die Bilanz des Opernsommers 2014 ist zwar nicht brillant. Aber unter dem Strich verglichen mit vielen vergangenen Jahren gar nicht so schlecht.

Der Start aber ging daneben: Der „Don Giovanni“ mit den Wiener Philharmonikern unter Dirigent Christoph Eschenbach in der Inszenierung von Schauspielchef (zugleich Interims-Kointendant 2015 und 2016) Sven-Eric Bechtolf veranlasste das Feuilleton völlig zu Recht zu Formulierungen wie „Lustkiller“ („Wiener Zeitung“), „kein verheißungsvoller Beginn des Sommers“ („Kleine Zeitung“) oder „Viele Problemzonen“ („Kurier“). „Die Presse“ warf dem Regisseur vor, „die Charakterzeichnung bis an die Klamaukgrenze zu steigern“, und auch die internationalen Medien fanden wenig Gutes an dieser Mozart-Inszenierung. So wünschte sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen „differenzierteren Sound der Philharmoniker“ und kritisierte, dass „dieser neue Salzburger ‚Don Juan‘ einfach nur ein blöder, grober, geiler Bock und Bösewicht“ sei, während die „Süddeutsche Zeitung konstatierte: „Von Bechtolfs hehrem Konzept bleibt in der praktischen Umsetzung nur eine brave, mit lauer Komik und schwachen Effekten angereicherte Nacherzählung des Librettos übrig.“

Im Blätterwald wesentlich besser weggekommen ist „Charlotte Salomon“ von Marc Andre Dalbavie in der Inszenierung von Luc Bondy. Die Uraufführung wurde mit „Starkes Profil für die Festspiele („Vorarlberger Nachrichten“) und „atmosphärisch starkes, aber musikalisch etwas statisches Werk“ („Der Standard“) beschrieben. Auch die „Oberösterreichischen Nachrichten“ konstatierten ein „Regie-Gesamtkunstwerk trotzt flacher Musik“, während in der „Kronen Zeitung“ zu lesen stand, dass „Dalbavies Musik den Text brillant kontrapunktiert, sodass Sprache und Klang ideal verschmelzen.“ Die „FAZ“ schrieb gar von einem „funkelnden Juwel der diesjährigen Festspiele“, und der Kollege von der „Süddeutschen“ schrieb von einem „Sog“, an dem „das exzellente, virtuos agierende und sängerisch großartig engagierte Ensemble seinen Anteil“ hatte.

Als triumphal kann der neue „Rosenkavalier“ gewertet werden. Die APA-Vorhersage, wonach diese Oper allen gefällt, bewahrheitete sich vollinhaltlich. Regisseur Harry Kupfer, Dirigent Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker bekamen in so gut wie allen relevanten Medien volle Punkte. „Die Presse“ verteilte „eine Rose für die Regie“, während die „Oberösterreichischen Nachrichten“ prophezeiten, dass „dieser ‚Rosenkavalier‘ Geschichte schreiben“ werde. In der „Wiener Zeitung“ stand von „Sternstunde“ und „herrlichem Spiel“ der Musiker zu lesen. Die „FAZ“ lobte das „gut verständliche Personal“ und das „transparente Orchester“ und jubelte: „Herrlich und betörend“.

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Derartig einhellige Begeisterung löste in Verdis „Trovatore“ nur Anna Netrebko aus. „Annas Sternstunde, Fest für Netrebko“ titelte die „Krone“, und die „Süddeutsche“ hielt Netrebko für „besser als Maria Callas“. Die „Wiener Zeitung“ konstatierte: „Der gehypte Salzburger ‚Trovatore‘ hält nur in einem Punkt Wort: Anna Netrebko singt grandios.“ Auch die „FAZ“ hielt fest: „Netrebko und Domingo triumphieren, aber das ist zu wenig“. Das Konzept von Regisseur Alvis Hermanis, die verworrene Handlung in ein kunsthistorisches Museum zu verlegen, hat durchaus funktioniert, aber nicht eindeutig überzeugt. Unter dem Strich ist die an der Kartenkasse vielfach überbuchte Oper für die Festspiele dennoch auf der Habenseite zu verbuchen.

Und „Fierrabras“ von Franz Schubert? Kritiken für die Premiere der fünften und letzten Opern-Neuproduktion dieses Sommers am gestrigen Mittwochabend liegen zur Stunde noch nicht vor. Aber alles andere als vernichtende Kritiker-Urteile wären überraschend. Ingo Metzmacher hat die Wiener Philharmoniker eher unspektakulär dirigiert, und auch die durchaus prominente Sängerbesetzung lieferte nichts Herausragendes. Und Peter Stein hat derart extrem statisch und altbacken inszeniert, dass es schon wieder amüsant wirkte. Die Oper wurde trotz des versteinerten und unbeweglichen Regiekonzepts ausgiebig beklatscht. Schubert hat gesiegt.

Die noch fehlende „La Cenerentola“ von Rossini ist eine Übernahme von der Pfingstfestspielen, und Donizettis „La Favorite“ sowie das „Projekt Tristan und Isolde“ von Wagner werden konzertant gegeben. Somit ist Pereiras Operprogramm für Salzburg durch und braucht einen Vergleich weder mit seinen eigenen Opern-Jahren 2013 und 2012 noch mit Markus Hinterhäusers Projekten 2011 sowie sämtlichen Programmen der Jahre von Jürgen Flimm zu scheuen. Den Geschmack des Publikums und die gefragtesten Interpreten kennt eben jeder professionelle Kulturmanager.


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