Von Hunden und ihren seltsamen Herrchen

Von Friederike Gösweiner...

Nach ihrer vielgelobten Beziehungsgeschichte „Kassiopeia“ legt Bettina Balàka mit „Unter Menschen“ einen völlig verunglückten Tierroman vor.
© Westermann

Von Friederike Gösweiner

Innsbruck –Bettina Balàka ist auf den Hund gekommen. „Unter Menschen“ heißt ihr neuer Roman, in dem sich alles um einen Hund dreht. Allerdings nur vordergründig, denn im Grunde liefert der drollige, kleine, schwarze Mischlingswelpe Balàka nur den Vorwand, um ausführlich über die Spezies der Hundehalter zu erzählen, die im Roman eine überaus seltsame, ziemlich egomanische ist und mehrheitlich mit schweren psychischen Problemen kämpft.

Da wäre zunächst einmal die ungarische Familie, die Fekete – da nicht reinrassig – aussetzt, dann die zwölfjährige Greta, die sich unsterblich in den Welpen, den sie in Robert Pattinson umtauft, verliebt, was ihre Mutter, eine „Hobby-Hunderetterin“, aber nicht davon abhält, den Hund an das rührige Pensionistenehepaar Michalek weiterzuvermitteln. Diese geben den Hund, er heißt jetzt Ricky, weiter an den schwer adipösen Physiker Marcel Lilienfeld, der nach einem völlig lächerlichen Liebesfiasko in Brasilien so depressiv wird, dass man ihn in Frühpension schickt. Lange bleibt der Hund, aus dem nun Zorro geworden ist, aber auch dort nicht: Lilienfeld stirbt an diabetischem Schock. Auch das nächste Frauchen, Finanzbuchhalterin Lydia Prinz, die aus ihm Bagheera macht, hat eine riesengroße private Tragödie hinter sich (ihr Ex-Mann entführte den gemeinsamen Sohn nach Sri Lanka). Sie tröstet sich mit mehr Haustieren, als sie im Stande ist zu versorgen, bis sie ihr neuer Mann irgendwann zwingt, alle Tiere wegzugeben. Der Hund wird also abermals ausgesetzt, aber das ist sein großes Glück: So findet ihn Greta endlich wieder, die ihren kleinen Liebling – inzwischen heißt er übrigens Berti – schon lang verzweifelt gesucht hat.

Angelegt dürfte der Roman als Persiflage sein, doch irritiert die eingewebte „Liebesgeschichte“ zwischen Mädchen und Hund, der jede Ironie fehlt. Zudem strotzt der Text vor Selbstverliebtheit, bedient jede Menge Klischees und klingt insgesamt zu gewollt originell, als dass man wirklich lachen könnte. Zurück bleibt am Ende nicht viel – nur die Frage, ob Hundehalter wirklich so durchgeknallt sind wie in diesem Roman.

Roman Bettina Balàka: „Unter Menschen“. Haymon, 330 Seiten, 19.90 Euro.


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