Laut UNO nur noch 1.000 Yeziden im irakischen Sinjar-Gebirge

Erbil/Ankara/Bagdad (APA/dpa/Reuters/AFP) - Tagelang bewegte das Schicksal der aus dem Nordirak vertriebenen religiösen Minderheit der Yezid...

Erbil/Ankara/Bagdad (APA/dpa/Reuters/AFP) - Tagelang bewegte das Schicksal der aus dem Nordirak vertriebenen religiösen Minderheit der Yeziden (Jesiden) die internationale Gemeinschaft, am Donnerstag dann die gute Nachricht: Lediglich 1.000 von ihnen sind noch im Sinjar-Gebirge eingeschlossen. In Bagdad verlor Premier Nuri al-Maliki unterdessen zunehmend an Unterstützung - selbst seine Partei hat sich nun von ihm abgewandt.

Rund 80.000 Menschen konnten sich nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR in den vergangenen Tagen aus dem Sinjar-Gebirge im Irak retten. Eine UNHCR-Sprecherin sagte, die von dem Höhenzug entkommenen Menschen seien extrem erschöpft und litten unter Flüssigkeitsmangel.

Bei den Flüchtlingen handelt es sich vor allem um Angehörige der religiösen Minderheit der Yeziden die von der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) geflohen sind. Viele hatten über Tage bei hohen Temperaturen mit wenig Wasser und Nahrung in dem Gebirgszug ausgeharrt. Weitere 1.000 Menschen befinden sich laut einer Sprecherin der UN-Mission im Irak (UNI) weiterhin dort.

Bereits in der Nacht auf Donnerstag hatten die USA mitgeteilt, die Lage der Yeziden im Sinjar-Gebirge sei besser als erwartet, eine geplante US-Hilfsmission werde daher mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden. Spezialeinheiten seien nach Erkundungen zu dem Schluss gekommen, dass sich dort wesentlich weniger Menschen befänden als bisher angenommen. Nach US-Luftschlägen sei es vielen gelungen, der Belagerung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu entkommen, erklärte das US-Verteidigungsministerium.

Die Luftangriffe der US-Streitkräfte auf islamische Milizen in der Region gingen auch am Donnerstag weiter. Wie aus irakischen Sicherheitskreisen verlautete, plant die IS offenbar die Eröffnung einer weiteren Front bei der Stadt Kara Tappa rund 122 Kilometer nördlich von Bagdad. Dort würden IS-Kämpfer zusammengezogen, heiß es am Donnerstag.

Insgesamt fanden laut UNAMI in den vergangenen Tagen 200.000 Menschen Zuflucht in der kurdischen Autonomieregion im Nordirak. Rund 50.000 seien ins benachbarte Syrien geflohen, sagte die UNAMI-Sprecherin. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan gab bekannt, sein Land habe bereits 2.000 Yeziden aufgenommen, laut Medienberichten ist zudem ein Flüchtlingslager für bis zu 16.000 Angehörige der Minderheiten geplant.

Wegen der dramatischen Flüchtlingsentwicklung in den vergangenen Tagen rief die UNO für den Irak die höchste Notstandsstufe aus. Es gelte der Notstand der Stufe 3, teilte die UNAMI mit. Die dritte Stufe ermöglicht es, zusätzliche Hilfsgüter und Gelder zu mobilisieren. Der Irak ist nach Syrien, dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik aktuell das vierte Land, in dem die UNO einen Notstand der Stufe 3 erklärt hat.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad erklärte unterdessen Malikis Dawa-Partei, dem noch amtierenden Premier die Unterstützung zu entziehen. In einer am Mittwochabend veröffentlichten Stellungnahme forderte die Partei alle politischen Blöcke des irakischen Parlaments auf, den designierten Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi zu unterstützen, berichtete die unabhängige Nachrichtenseite Al-Sumaria News am Donnerstag.

Haidar al-Abadi, ebenfalls ein Mitglied von Malikis Dawa-Partei, ist von Staatspräsident Fouad Masoum mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Es sei wichtig, alle Kräfte zu bündeln und politische Differenzen im Parlament beizulegen, heißt es in der Stellungnahme der Dawa-Partei. Die „Einheit des Irak“ könne nur durch eine rasche Regierungsbildung erhalten bleiben.

Maliki hält dennoch an seinem Ziel, eine dritte Amtszeit zu übernehmen, fest. Am Sonntag hatte der Noch-Ministerpräsident Truppen nach Bagdad beordert, als deutlich wurde, dass viele seiner bisherigen Verbündeten ihn fallen lassen.

~ WEB http://www.unhcr.org ~ APA393 2014-08-14/15:00


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