Auch auf dem Boden der Schwerkraft enthoben

Ein hintersinniger Chansonnier, atemberaubende Akrobatik und Artistik sowie schräge Vögel mit Flöten: Das Festival der Träume zeigt „Kult“.

Innsbruck –Gleich doppelt konnte man an diesem Abend doppelt sehen: Ein Zwillingspaar steppte, eines wirbelt­e durch die Luft. Das Duo Elj­a, Trapezkünstlerinnen aus Deutschland, die u. a. bereits mit dem Cirque de Soleil durch die Welt tourten, ließ das Publikum mit gereckten Hälsen und offenen Mündern staunen, die synchron steptanzenden ukrainischen Zwillinge Roman und Slava Zhonvik klapperten von Schwanensee bis Gangnam Style das Publikum wieder auf den Boden der Dogana zurück – im Verhältnis aber ein klein wenig zu ausgiebig. Ebenso wie die illustre Gefolgschaft in diesem mit „Kult“ betitelten Varieté zählen sie zu den Großen der Kleinkunstszene. Ein großer Wortakrobat auch der Conférencier der Show: Sebastian Krämer, Liedermacher, Kabarettist und Poetry-Slammer, führte singend und swingend durch das Programm, erzählte Schnurren und Schwänke und lieferte so nebenbei die wohl charmanteste Pausenansage in vielen Jahren „Festival der Träume“. Freilich wurde auch diese an sich recht derbe Aufforderung zum Toilettengang mit der rechten Dosis Bosheit garniert, die Krämers Lieder im Allgemeinen auszeichnen.

Der virtuose Klavierspieler und Sänger, dessen Stimme sich in fast schon schmerzhafte Höhen schrauben kann, um sich andernorts bedrohlich zu verdichten – z. B. als fieser Sandmann in dem Song „Wovon träumst du?“ – lieferte mit seinen lakonisch-melancholisch-ironischen Chansons eine stimmige Untermalung bzw. Überleitung für Clownerie, Akrobatik und Artistik. Die kleinen Gesten saßen – perfekt bei „Flötenflizzer“ Gabor Vosteen und bei „Wall Clown“ Tobias Wegner – ebenso wie die abenteuerlichen Wendungen in Krämers Texten. Zum Abschluss gab es verdient stampfenden Applaus, einzig an Rhythmus und Abfolge der Show könnte noch ein klein wenig gefeilt werden. (sire)

© Julia Hammerle
© Julia Hammerle
Im Zweierpack: Das Festival der Träume 2014.
© Julia Hammerle

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