Wein will nicht hoch hinaus

Südtiroler Weinbauern laden zur Vinea Tirolensis und zur Autochtona im Oktober in Bozen ein. Vergleichsverkostung auf der Seegrube und im Tal sorgte für Staunen.

© Weirather

Von Peter Weirather

Innsbruck –Längst sind es nicht mehr internationale Sorten wie Cabernet und Chardonnay, die das Interesse von Weinfreaks wecken, sondern regionale, autochthone Sorten. Bestes Beispiel ist Österreichs Grüner Veltliner, der inzwischen weltweit Freunde gefunden hat.

Italien ist reich an einheimischen Rebsorten, es sind rund 600. Den Weinen dieser Sorten ist die Messe „Autochtona“ am 20. und 21. Oktober in Bozen gewidmet. Bereits im Vorfeld werden die besten Weine ermittelt. Einige dieser Siegerweine gab es vorige Woche in Innsbruck zu verkosten.

Messedirektor Reinhold Marsoner und der Tiroler Sommelierverein hatten zu einer speziellen Verkostung ins Restaurant Alpenlounge auf der Seegrube geladen. Schmecken die Weine auf fast 2000 Metern Höhe anders als im Tal? Diese Frage stellte Christine Mayr, Präsidentin der Südtiroler Sommeliervereinigung, ließ sie aber vorerst unbeantwortet. Sie präsentierte den Gästen acht Weine, vom weißen Petite Arvine über einen eleganten Lagrein von Manincor bis hin zum süßen Ucelut. Ja einige Rebsorten waren selbst für die fachkundigen Teilnehmer neu.

Anschließend stellten die Südtiroler ihr hohes kulinarisches Niveau mit Gastkoch Gregor Wenter von Bad Schörgau im Sarntal mit einem feinen Mittagsmenü unter Beweis.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Etwas später wurden die gleichen Weine, gleich temperiert und in den gleichen Gläsern, im Tal im Restaurant Lichtblick, verkostet. Das Ergebnis war ziemlich eindeutig. Mit Ausnahme eines Schaumweines, der in der Höhe eleganter wirkte, präsentierten sich herunten alle Weine viel offener, fruchtiger und harmonischer.

Der unterschiedliche Luftdruck hat also offensichtlich größere Auswirkungen auf den Wein als mancher glauben mag. Die Food-Manager der Airlines berücksichtigen das übrigens bei der Auswahl der Weine. Weil der Kabinendruck trotz Ausgleichs während des Fluges etwas geringer als am Boden ist, werden Weine ausgewählt, die mit diesem Problem besser zurechtkommen. „Die Fehler eines Weines treten in der Höhe stärker hervor und die Frucht kommt im Tal besser zum Ausdruck“, lautete das Resümee von Sommelierpräsidentin Mayr.

Auf der „Autochtona“ in Bozen können Weininteressierte also nicht nur die Siegerweine, sondern alle anderen in perfekter Verfassung verkosten. Messedirektor Marsoner hofft jedenfalls auch auf Besucher aus Nordtirol: „Vor zehn Jahren wurde die Idee verwirklicht, beim Wein zurück zu den Wurzeln zu gehen und sich an unsere einheimischen Sorten zu erinnern. Es war die Geburtsstunde der Autochtona in Bozen. Jetzt ist es an der Zeit, diese Veranstaltung auch nördlich des Brenners bekannter zu machen.“ Im Anschluss an die „Autochtona“ präsentieren übrigens die Freien Weinbauern Südtirol im Rahmen der „Vinea Tirolensis“ am 22. Oktober die Weine ihrer 70 Mitglieder.

Weine aus Südtirol gehörten einst zum Standard auf unseren Weinkarten. Heute sind sie fast völlig verschwunden und viele Tiroler, die gerne zu einem Glas Wein greifen, wären überrascht von der tollen Qualität der Südtiroler Weine, die einstmals wegen ihres Vernatsch in Verruf geraten waren. „Wir spüren, dass unter Gastronomen und Sommeliers in Österreich wieder ein Interesse für Südtiroler Wein vorhanden ist, aber bis zum Kunden, der diese Weine bestellt, ist es noch ein langer Weg“, räumt Michael Graf Goëss-Enzenberg, Präsident der Freien Weinbauern Südtirol, ein, betont aber: „Peislich sind unsere Weine interessant, vor allem nicht teurer. Außerdem sollte Südtirol den Österreichern eigentlich näher liegen als viele andere Weingebiete.“


Kommentieren


Schlagworte