Neue BIP-Berechnung ab September auch in Österreich

Wien (APA) - Die Wifo-Schätzung für das österreichische Wirtschaftswachstum ist heute zum letzten Mal nach dem alten Europäischen System Vol...

Wien (APA) - Die Wifo-Schätzung für das österreichische Wirtschaftswachstum ist heute zum letzten Mal nach dem alten Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (ESVG 95) durchgeführt worden. Bei der nächsten Schnellschätzung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im September wird bereits das neue ESVG 2010 zur Anwendung kommen. Das BIP wird sich dadurch um rund 10 Mrd. Euro bzw. 3 Prozent erhöhen.

Für rund drei Viertel dieser Erhöhung wird die Neubehandlung der Forschung & Entwicklung als Investition und nicht mehr als laufender Aufwand verantwortlich sein, schätzt die Statistik Austria. 2013 wurden in Österreich laut Finanzministerium für Forschung und Entwicklung 8,95 Mrd. Euro ausgegeben. Ebenfalls das BIP in die Höhe treiben werden künftig u.a. BIP-wirksame Investitionen im Militärbereich. Insgesamt werde das BIP um etwa 10 Mrd. Euro angehoben werden, schätzt die Statistik Austria zuletzt.

Schattenwirtschaft ist in Österreich seit Jahren BIP-wirksam: Die Statistik Austria rechnet bereits seit 2009 zugeschätzte Daten zur „Schattenwirtschaft“ bzw. illegalen Produktion ins BIP ein. Für das Jahr 2012 betrug die Zuschätzung zum BIP für illegale Produktion rund 890 Mio. Euro, das waren rund 0,3 Prozent des BIP. Die endgültigen Zahlen für 2013 inklusive der illegalen Produktion werden Ende September 2014 publiziert.

In absoluten Zahlen erreichte die Wirtschaftsleistung Österreichs im Vorjahr einen Wert von 313,1 Mrd. Euro. Im Juni prognostizierte das Wifo für 2014 einen Anstieg auf 322,9 Mrd. Euro und für 2015 auf 334,5 Mrd. Euro.

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Verbindlich sind die neuen Rechenregeln ab 1. September für alle EU-Länder. Mit der neuen Methode steigt die absolute BIP-Höhe - und zwar nach Eurostat-Schätzung um zwei Prozent auf EU-Ebene. Die Zuwachsraten etwa im Quartalsvergleich ändern sich nicht, weil die Statistiker alle Daten bis in die 60er Jahre zurück überarbeiten und an die neuen Kriterien angleichen. Auch das Haushaltsdefizit von Staaten kann sich verändern.

Kritiker bemängeln, dass dies die Schuldenquote der EU-Staaten sinken lassen könnte. Eurostat hält dem entgegen, das Defizit sinke keineswegs automatisch, weil sich auch dessen Berechnung verändere.

Ab September wird sich also nicht nur das heimische BIP, sondern auch die Staatsschuld und die Schuldenquote erhöhen, denn künftig werden alle ausgegliederten Unternehmen, die sich nicht zumindest zur Hälfte aus eigener Kraft selbst erhalten können, wieder dem Staat zugerechnet.

Dazu zählen vor allem die ÖBB Infrastruktur-AG, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die Asfinag, die Wiener Verkehrsbetriebe und die Krankenanstalten der Länder sowie kleinere Betriebe auf kommunaler Ebene. Allein die ÖBB-Infrastruktur AG wird den Schuldenstand um 10 Mrd. Euro erhöhen. In Summe dürfte der Schuldenstand um 19 Mrd. Euro steigen. Offen ist noch, ob auch die Schulden der verstaatlichten KA Finanz dazugezählt werden müssen. Schuldentreibend ist in Österreich jedenfalls der Abbau der Krisenbank Hypo Alpe Adria.


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