Frequency - Heilende Umarmungen neben rockigem Familienausflug

St. Pölten (APA) - Für Josh Homme ist das diesjährige Frequency in St. Pölten auch Familienausflug: Bevor der charismatische Frontmann der H...

St. Pölten (APA) - Für Josh Homme ist das diesjährige Frequency in St. Pölten auch Familienausflug: Bevor der charismatische Frontmann der Headliner Queens Of The Stone Age Donnerstagnacht die Hauptbühne rocken sollte, heizte seine Ehefrau Brody Dalle den topmotivierten Festivalbesuchern am frühen Abend in geradezu intimem Rahmen auf der Weekender Stage ein - und stand Homme dabei in nichts nach.

Mit dreiköpfiger Band, einer durch Mark und Bein gehenden, tiefen Power-Stimme und einnehmender Attitüde legte Dalle, gebürtige Australierin und ehemalige Frontfrau und Gitarristin der Distillers, einen rotzigen, energiegeladenen Punkrock-Auftritt hin. „How are you“, schrie die 35-Jährige mit blonder Mähne, nur um ihre Frage, enttäuscht von der gar leisen Zuschauerreaktion, gleich zu wiederholen. Einmal ermahnt, lag ihr das Publikum bis zum Schluss zu Füßen.

Es war nach den Auftritten der Schottenrocker Biffy Clyro am Mittwoch und des Hardrock-Gitarristen und -Sängers Dave Hause der wohl bisher lauteste und härteste Gig des Festivals, das am ersten regulären Nachmittag von größtenteils ruhigeren Töne bestimmt war. So schenkte der englische Singer-Songwriter Tom Odell vom Vortag geschlauchten Festivalbesuchern am Klavier beschaulichen Indie-Pop zum Runterkommen und spielte das deutsche Erfolgsduo Milky Chance eine brave Show, deren Songs sich allesamt kaum hörbar vom Chart-Erfolg „Stolen Dance“ unterschieden. Bei der nostalgischen Zeitreise der Emo-Indie-Väter Jimmy Eat World in düstere Teenager-Gefühlswelten der frühen Nullerjahre ging das Publikum aber noch deutlich mehr mit - nicht zuletzt dank Klassikern mit Mitgröhl-Charakter wie „The Middle“ oder „Sweetness“.

Abseits vom bereits um 14 Uhr beginnenden Konzertreigen erfreute sich die schon früh gut gelaunte Masse an ungewöhnlichen Vergnügungsprogrammen. Vor der „Wir machen dich stark“-Hütte einer heimischen Bank standen reihenweise junge Männer Schlange, um sich ein Sixpack auf den Oberkörper sprühen zu lassen. Anderswo wurden Körper mit Henna-Tattoos und Piercings verschönert, versteckte Gesangstalente beim Karaoke-Stand eines Bierherstellers zur Schau gestellt und Wasserpfeifen in der riesigen „Chill out area“ geraucht. Humor bewiesen sieben gut aussehende Sanitäter des Roten Kreuzes: Sonst nur fürsorgliche Beobachter spontan Leidenschaft entfachender Festivalpärchen und glückseliger Biertrinker, warben sie in einer Reihe aufgestellt mit „Auch Sänis brauchen Liebe“- und „free hugs“-Schildern um den Hals um Zuneigung und durften sich an zahlreichen Umarmungen erfreuen.

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Bei derart friedlicher Stimmung ist die Befürchtung von maschek, bei ihrem Kabarettprogramm auf der erstmaligen LOL Stage von allzu gut gelaunten Jugendlichen mit Bierflaschen beworfen zu werden, unbegründet. Das Comedy-Duo steht inmitten des wohl spannendsten Parallelprogramms der drei Festivaltage am späten Abend aber auch starker Konkurrenz gegenüber: Da matchen sich die Chartstürmer Imagine Dragons mit dem französischen Multitalent und Freund großer Gesten, Woodkid, tritt das kalifornische Trio Blink 182 gegen den neuerdings Reggae zugeneigten Snoop Dogg aka Snoop Lion an, steigt Neo-Rocker Jan Delay gegen die Rock-Königinnen rund um Josh Homme in den Ring und lockt der Night Park u.a. mit Moonbootica live und einem Pendulum DJ-Set.

(S E R V I C E - www.frequency.at)

(A V I S O - Die APA sendet morgen, Freitag, Vormittag eine Headliner-Kritik.)


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