Krawalle in USA: Polizei gesteht Fehler ein

Der Gouverneur von Missouri zog außerdem die örtliche Polizei von dem Geschehen ab. Zuständig sind ist nun die Polizei des US-Staates. Der Name des Polizisten, der den unbewaffneten Jugendlichen erschossen haben soll, könnte heute bekannt gegeben werden.

St. Louis – Nach anhaltenden Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anrainern in der Kleinstadt Ferguson hat der Gouverneur von Missouri die örtliche Polizei abgezogen. Für die Sicherheit sei dort ab sofort die Polizei des US-Staates zuständig, sagte Gouverneur Jay Nixon am Donnerstag. Der Wechsel solle ein milderes Vorgehen der Sicherheitskräfte einleiten und zur Deeskalation beitragen.

Luft zum Atmen

„Dieser operative Wechsel wird allen Luft zum Atmen verschaffen.“ Die sogenannte „Highway Patrol“ überwacht vor allem den Verkehr, ermittelt aber auch bei anderen Straftaten wie Mord und Diebstahl. Die Polizei der Stadt mit 21.000 Einwohnern war in den vergangenen Tagen mehrfach für ihr hartes Vorgehen kritisiert worden.

Nachdem ein weißer Polizist am Samstag einen schwarzen Teenager erschossen hatte, kam es in den darauffolgenden Nächten zu Protesten, Plünderungen und Festnahmen. Zunächst hatten die Polizisten sich zurückgehalten, dann gingen sie aber schwer bewaffnet sowie mit Tränengas und Rauchbomben vor, um etwa eine Demonstration aufzulösen. Auch Gummigeschosse waren im Einsatz. Journalisten wurden teils schikaniert oder von der Berichterstattung abgehalten. Mindestens zwei Reporter wurden gewaltsam festgenommen, mehrfach war von Verstößen gegen die Pressefreiheit die Rede.

Polizeichef gesteht Fehler ein

Polizeichef Tom Jackson gestand später ein, dass die Polizei kein gutes Verhalten gezeigt habe. US-Justizminister Eric Holder teilte mit, Plünderungen seien nicht hinnehmbar. Zugleich müsse die Polizei darauf hinwirken, die Lage zu entspannen und nicht anzuheizen. Der Einsatz militärischer Ausrüstung und Fahrzeuge sende eine widersprüchliche Botschaft, die ihn zutiefst besorge. Friedliche Protestler müssten demonstrieren und Journalisten ungestört arbeiten können, teilte Holder mit. Zuvor hatte bereits Präsident Barack Obama alle Beteiligten zur Ruhe aufgerufen.

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Die ungewöhnlich schwer bewaffnete örtliche Polizei in Ferguson ist kein Einzelfall. Polizeistationen in den USA können sich dank eines Programms des Verteidigungsministeriums kostenlos schwere militärische Ausrüstung zulegen. Das sogenannte 1033-Programm ermöglicht den kostenfreien Transfer überschüssigen Materials vom Pentagon an die Polizei in Gemeinden und Staaten. Darunter sind schwere Waffen wie Granatwerfer und gepanzerte, gegen Landminen geschützte Fahrzeuge, die auch in Ferguson zum Einsatz kamen. Seit Beginn des Programms im Jahr 1997 war laut Pentagon Ausrüstung im Wert von mehr als 4,3 Milliarden Dollar (3,2 Mrd. Euro) abgegeben worden.

Donnerstagabend friedliche Proteste

In Ferguson versammelten sich am Donnerstagabend (Ortszeit) erneut mehrere hundert Menschen zu einem Protestmarsch. Dabei blieb es zunächst friedlich. In den vergangenen Nächten hatte sich die Lage erst nach Einbruch der Dunkelheit zugespitzt. Die Anrainer fordern, dass der Name des Todesschützen vom Samstag und Details, wie es zum Tod des 18 Jahre alten Michael Brown kam, veröffentlicht werden. Augenzeugen zufolge soll der verantwortliche Polizist den Teenager ermordet haben, da dieser sich rechtzeitig ergeben habe. Der Sender CNN meldete, Informationen aus Ermittlerkreisen zu haben, wonach die Polizei von Ferguson am Freitag den Namen des Beamten, der Brown erschoss, öffentlich bekannt geben werde. (APA/dpa)


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