Conor Oberst mit Dawes in Wien: Großer Rock und doch intim

Wien (APA) - Bei seinem vorangegangenen Wien-Besuch hatte sich Conor Oberst vom Folk-Duo First Aid Kit begleiten lassen und ein überwiegend ...

Wien (APA) - Bei seinem vorangegangenen Wien-Besuch hatte sich Conor Oberst vom Folk-Duo First Aid Kit begleiten lassen und ein überwiegend akustisches, intimes Konzert geboten. Am Donnerstag war in der Wiener Arena über weite Strecken Rock angesagt: Das 34-jährige Ausnahmetalent (immer noch!) kleidete zusammen mit der US-Folk-Rock-Band Dawes Solo- und Bright-Eyes-Material in fantastische Arrangements.

Auch wenn es zuweilen ordentlich krachte, etwa wenn Oberst bei der letzten Zugabe das Feld der zwischenmenschlichen und innerseelischen Betrachtungen verließ und mit „Roosevelt Room“ den „beschissenen Reichen“ und Faschisten dieser Welt („es gibt nicht wenige von denen“) einen furiosen Polit-Protestsong um die Ohren knallte, war die Intimität trotzdem vorhanden. Botschaften und Leidenschaften der Lieder verloren sich nie im Gitarrensound, egal wie dicht gewoben.

Bei „Artefact #1“, dem besten Stück auf dem aktuellen Album „Upside Down Mountain“, oder dem Bright-Eyes-Klassiker „Lua“, einer flirrenden Ballade über eine lange Nacht eines von Depression und Drogenabhängigkeit gebeutelten Paares, konnte man im Saal sogar die buchstäbliche Stecknadel fallen hören - in Österreich, wo bei ruhigeren Nummern leider gerne getratscht wird, eine Seltenheit. Bei letzterem Song erwies sich wie so oft bei dem Konzert die Stimme von Dawes-Frontman Taylor Goldsmith, der auch wunderbar Gitarre spielte, als bereichernde Ergänzung zu Obersts gewohnt charismatischem, ausdrucksstarkem Gesang.

Der neuen LP wurde viel Raum gegeben: „Time Forgot“ (ein Musterbeispiel für Dramatik), „Zigzagging Toward The Light“, „Enola Gay“, „Desert Island Questionnaire“ (mit seinem aufbrausenden Finale ein Höhepunkt im Set) und der aktuelle Mitschunkel-Hit „Hundreds Of Ways“ (in dessen Fröhlichkeit sich eine dunkle Seite verbirgt) bewiesen, dass Oberst nun auch ohne Bright Eyes on top ist. Wer die alte Zeit zurücksehnte, bekam etwa „We Are Nowhere And It‘s Now“, „Danny Callahan“ oder „Ladder Song“ (Oberst an den Tasten) geboten, im Zusammenwirken mit Dawes frisch aufbereitet, aber trotzdem nicht zu weit weg von den Originalen. „If The Brakeman Turns My Way“ brachte Genie und Wahnsinn des Liedermachers auf den Punkt.

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Als „the tightest rock-and-roll-band in the world“ lobte Oberst seine Tourbegleitung. Dawes (die ihre eigenen, vom Kalifornien-Gefühl von 1970 durchfluteten Lieder im Vorprogramm vorgestellt hatten) dankten und betteten den „Travelin‘ Song“ in Boom-Chaka-Boom-R‘n‘B mit kreischenden Gitarren. Das waren an diesem Abend keine „secondhand feelings“, wie es in einer Oberst-Textzeile heißt, sondern pure Emotionen aus erster Hand, große Klasse.


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