LA: Pannen-Spiele gehen weiter -EM-Geher zu früh, aber mit Weltrekord

Zürich (APA) - Die Geher sind am Freitag bei der Leichtathletik-EM in Zürich zehn Minuten vor angeführter Startzeit auf ihren Stadtrundgang ...

Zürich (APA) - Die Geher sind am Freitag bei der Leichtathletik-EM in Zürich zehn Minuten vor angeführter Startzeit auf ihren Stadtrundgang geschickt worden, Yohann Diniz konnte es aber ohnehin nicht schnell genug gehen. Der Franzose siegte nach 50 Kilometern in neuer Weltrekordzeit von 3:32:33 Stunden vor dem Slowaken Matej Toth (3:36:21) und dem Russen Iwan Noskow (3:37:41).

Diniz entriss bei kühlen Temperaturen dem Russen Denis Nischegorodow, der seit 2008 mit 3:34:14 als Rekordhalter angeführt war, die Bestmarke und sprach nach seinem dritten EM-Erfolg nach Göteborg 2006 und Barcelona 2010 „vom besten Tag meines Lebens“. Er widmete den Sieg seiner Großmutter, die heuer verstorben ist. „Sie war Portugiesin, deshalb bin ich mit der portugiesischen und der französischen Flagge durch Ziel gegangen“, erklärte er.

Wenn man einen 50-Kilometer-Fußmarsch vor sich hat, kommt es auf ein paar Minuten nicht an. Könnte man denken. Die Startliste sah 9.10 Uhr als Startzeit vor, um 9.00 ging es aber bereits los. Alle Athleten seien bereit gewesen, teilte der Organisator mit. „Im Vorfeld hat es Diskussionen wegen der Startzeit gegeben, man einigte sich auf 9.00 Uhr. Unglücklicherweise gab es dann ein Missverständnis in der Kommunikation“, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Man werde sich aber bemühen, dass so etwas nicht wieder vorkomme.

Bemühungen kann man dem Organisator nicht absprechen, aber die EM schrieb damit ein weiteres Pannen-Kapitel. Bereits Donnerstagfrüh musste nach diversen Organisationsfehlern, falschen Messungen und einem Zeitplan-Wirrwarr Organisationschef Patrick K. Magyar eingestehen: „Der hohe Druck, bedingt durch die besondere Situation und die kurzfristig beschlossenen Zeitplanänderungen, hat in einzelnen Fällen leider zu menschlichem Fehlverhalten geführt.“

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Die Organisatoren würden sich in aller Form für diese Vorkommnisse entschuldigen und baten in Anbetracht der außerordentlichen Umstände um Verständnis.

Am Mittwochnachmittag und -abend hatten Windböen immer wieder zu Unterbrechungen geführt. Besonders litten die Zehnkämpfer, die in Wartestellung ausharren mussten. „Du richtest dich zusammen, dann wird wieder verschoben, es war ein Hin und Her. Dass es so lang gedauert hat, war echt hart“, hatte der Österreicher Dominik Distelberger geklagt. Obwohl schon auf der Tafel angezeigt, musste er übrigens bereits am Dienstag seinen Hochsprung unterbrechen, weil Europas Verbandspräsident Hansjörg Wirz und andere honorige Persönlichkeiten das Siegespodest offiziell enthüllten und ein Musiker auftrat.

Auf ihren Bahnen warten mussten am Mittwoch auch die 400-m-Läufer, weil der jamaikanische Sprint-Superstar Usain Bolt das Letzigrund-Stadion beehrt hatte und ein Interview für das Publikum gab. Und Werbung für das Diamond-League-Meeting „Weltklasse Zürich“ Ende August machte, das den Ruf, bestens organisiert zu sein, genießt. Deshalb war auch die Erwartungshaltung an die Zürich-EM so hoch gewesen. Aktuell gibt es allerdings mehr Klagen als Lob.

Hart traf es beispielsweise das deutsche Team. Beim deutschen Zehnkämpfer Kai Kazmirek und bei Weitspringerin Melanie Bauschke gab es in der Sandgrube Messfehler. Bauschkes erster Sprung war 24 Zentimeter zu weit angezeigt worden, sie erfuhr das erst vor dem letzten Versuch und hatte sich eigentlich schon der Bronzemedaille sicher gefühlt. Wegen eines Computer-Softwarefehlers musste Hammerwerferin Betty Heidler einmal öfters antreten.

Auch Platz- und Transportprobleme gibt es. Dass die Aufwärmstadien nicht direkt am Letzigrund sind, bringt die Athleten in die ungewohnte Lage, dass sie zwischen den zwei Aufrufen zur Vorbereitung eine Busfahrt auf sich nehmen müssen. Österreichs Hürdensprinterin Beate Schrott hatte das zu Hause sogar trainiert. „Da habe ich gesehen, was ich brauchen werde, wenn ich aus dem Auto aussteige. Da ist man dann schon ein bisschen steifer, als wenn man nur ein paar Meter zum Gehen hat.“


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