Urabstimmung über Heizers Kirchenkurs

Richtungsstreit in der Reformplattform „Wir sind Kirche“: Donnerstag wird eine Urabstimmung über den Kurs von Martha Heizer fixiert.

Martha Heizer mit ihrem Mann Gert.
© Thomas Böhm / TT

Innsbruck –1995 aus dem in Innsbruck initiierten Kirchenvolksbegehren entstanden steht der Verein zur Förderung von Reformen in der römisch-katholischen Kirche vor einer Zerreißprobe und möglicherweise vor einer Spaltung. Obwohl es nach wie vor beinahe tagtäglich „Unterstützungs-Mails“ gibt, wie „Wir-sind-Kirche“-Vorsitzende Martha Heizer betont, hat ihre Exkommunikation einen Richtungsstreit ausgelöst. Der Vorstand sprach ihr zwar am 10. Juni das Vertrauen aus, doch ihr Vorgänger Hans-Peter Hurka bangt um die Dialogfähigkeit der Reform­plattform. Er fordert offen den Rückzug Heizers.

Im Vorfeld der Vollversammlung am 27. September in Salzburg tobt jetzt ein interner Richtungsstreit. Hurka wollte den Vorstandsbeschluss so nicht hinnehmen. „Es stimmt einfach nicht, dass die Mitglieder klar hinter Heizer stehen.“ Er unterstützte deshalb eine interne Befragung, an der 400 Mitglieder und Nicht-Mitglieder teilgenommen haben. „Die Vorgangsweise von Heizer wird klar abgelehnt und ein Wechsel im Vorstand gewünscht“, sagt Hurka. Er befürchtet, dass „Wir sind Kirche“ im 19. Jahr seines Bestehens untergehen könnte. „Vor allem, weil schon Abstimmungen benötigt und Kompromisse nicht mehr möglich sind.“

Heizer kann ihre Enttäuschung über Hurka nicht verhehlen. „Ich weiß, dass die Situation nicht einfach ist, aber es geht darum, den Reformnotstand in der Kirche aufzuzeigen.“ Wenn ihre Kritiker erklärten, dass „Wir sind Kirche“ für die Bischöfe trotzdem immer willkommen sein müsste, so sei dies zu relativieren. „Die Bischöfe zeigten uns schon bisher vielfach die kalte Schulter“, betont Heizer, die die Eucharistiefeiern ohne Priester keinesfalls bereut.

Trotzdem: Am Donnerstag wird bei einer Vorstandssitzung in Innsbruck eine Urabstimmung unter den 1400 Mitgliedern fixiert. Diese ist als basisdemokratische Vorbereitung für die Vollversammlung in Salzburg gedacht. Möglicherweise steht die nächste Konfrontation bevor. Denn Hurka und Co. wollen die Mitglieder direkt über Heizer abstimmen lassen, der Vorsitzenden geht es hingegen um den inhaltlichen Kurs. So oder so wird die Urabstimmung eine Weichenstellung sein. Und beide Lager hoffen auf ein klares Ergebnis. (pn)


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