Karstadt - Stammhaus in norddeutschem Wismar hütet die Hoffnung

Wien/Essen (APA/dpa) - Während sich in Altstadt der norddeutschen Stadt Wismars die Menschen beim traditionellen Schwedenfest drängeln, herr...

Wien/Essen (APA/dpa) - Während sich in Altstadt der norddeutschen Stadt Wismars die Menschen beim traditionellen Schwedenfest drängeln, herrscht am Freitag im Karstadt- Stammhaus Shoppingatmosphäre. Zwei Frauen probieren Sonnenbrillen aus. Ihnen ist bewusst, wo sie das tun: „Ja, das ist das erste und älteste Haus von Karstadt“, sagt eine Dame aus Hannover.

Sie und ihre Freundin machen regelmäßig Ferien auf der Ostsee-Insel Poel. „Einmal im Urlaub sind wir auf jeden Fall hier, das gehört dazu.“ Die Nachricht vom erneuten Verkauf der Karstadt-Kette an den Tiroler Rene Benko und einer möglicherweise wieder unsicheren Zukunft bewegt sie: „Das wäre schade um das Haus“, sagt die Touristin.

Verkäuferinnen zeigen sich abweisend, spricht man sie auf den Verkauf von Karstadt an den Österreich an. „Wir sagen dazu nichts“, heißt es unisono. Ein Maulkorb sei aber nicht verhängt worden, versichern sie. Nur Betriebsrätin Viola Hopp ist gesprächsbereit. In der Früh seien die Betriebsräte aller Filialen von Geschäftsführer Kai-Uwe Weitz in Essen per Telefonkonferenz informiert worden. Die Betriebsräte hätten die Informationen an die Belegschaft weitergegeben. „Wir hoffen, dass es weitergeht und dass endlich einmal Ruhe einkehrt“, sagt sie.

Wismar als das älteste und kleinste der Karstadt-Warenhäuser hat 46 Mitarbeiter, überwiegend sind es Frauen. Viele von ihnen arbeiteten schon 40 bis 45 Jahre in dem Kaufhaus, berichtet Hopp. Sie selbst ist seit 41 Jahren dabei. „Wir sind hart erprobt“, meint sie. „Und wir sind ein tolles Kollektiv.“

2010 war in Wismar die Freude groß, als Nicolas Berggruen das kleine Warenhaus nach der Insolvenz des Arcandor-Konzerns weiterführte - eben weil es das Stammhaus war. Man glaubte, der Investor setze auf Tradition und Werte. Zwei Jahre später herrschte wieder Unsicherheit: Der Konzern kündigte an, im Zuge der Sanierung Stellen zu streichen. Im vergangenen Herbst schließlich gingen in Hamburg Karstadt-Mitarbeiter aus ganz Norddeutschland auf die Straße. Sie kämpften für ihre Arbeitsplätze und eine faire Bezahlung.

Die Anfänge des Karstadt-Konzerns sind im Souterrain des Wismarer Kaufhauses dokumentiert. Im „Kontor“ stehen der originale Tresor von Firmengründer Rudolph Karstadt (1856-1944) und sein Schreibpult. Fotos zeigen das „Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft“, das er 1881 in Wismar einrichtete. Nach drei Jahren eröffnete Karstadt eine Filiale in Lübeck, 1908 in Wismar das Warenhaus. Das Gebäude war Mecklenburgs erster Stahlskelettbau. Nach der Enteignung 1948 kam das Haus zur staatlichen DDR-Handelsorganisation HO und 1991 zurück zur Karstadt AG. 2001 wurde es saniert, sein Standort in Rudolph-Karstadt-Platz umbenannt.

~ WEB http://www.signa.at

http://www.karstadt.de ~ APA290 2014-08-15/16:43


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