Frequency - Zuhören oder Umfallen: „Du hast die Wahl“

St. Pölten (APA) - Das Frequency Festival, das am Freitagnachmittag in St. Pölten fortgesetzt wurde, bietet neben Musik auch Kabarett und vi...

St. Pölten (APA) - Das Frequency Festival, das am Freitagnachmittag in St. Pölten fortgesetzt wurde, bietet neben Musik auch Kabarett und viel Party - was im Vorfeld zu einigen kritischen Äußerungen führte. „Du hast die Wahl: Du kannst Dir Musik anhören und neue Bands kennenlernen. Oder mit einem Bier in der Hand umfallen“, analysierte Sammy Amara, Sänger der Broilers, im APA-Gespräch. Beides sei legitim.

Seine Gruppe ist durch den Ausfall der Babyshambles auf einen Abend-Slot auf der „Green Stage“ vorgerückt. „So müssen wir nicht zeitgleich mit Bela B. auftreten, den wir uns selbst anschauen wollen“, freuten sich Sammy und Gitarrist Ron Hübner. Ihr Punk-Kollege aus Berlin wiederum fand es durchaus positiv, unter eigenem Namen - nicht wie mit seiner Stammband Die Ärzte - nicht als Headliner vor die Fans zu treten. „Super, ich spiele meine 70 Minuten, gehe von der Bühne, mach mir eine Flasche auf und sehe mir noch die eine oder andere Band an. Das ist ja auch der Sinn eines Festivals.“ Kritik an solchen Großveranstaltungen kann der Musiker nachvollziehen, aber: „Es geht immer noch um die Musik, ohne der gebe es solche Festivals nicht. Ich bin ja auch nicht da, um mir schnell das Geld zu greifen, sondern weil ich meine Lieder vorstellen will.“

Bela B. tourt derzeit mit Smokestack Lightnin‘ und Petra Devlin mit seinem Album „Bye“ und hat dabei viel Spaß. „Wir hatten nach der ersten Konzertreise acht Wochen Pause. Das hat mich richtig wehmütig gemacht, weil wir gerade so sehr zusammengeschweißt waren. Ich hatte noch nie einen so langen Tourblues. Ich bin daher froh, dass wir jetzt weitermachen.“ Und Pläne für danach stehen bereits fest: „Ich hoffe, nächstes Jahr ein Filmprojekt mit dem Grazer Regisseur Thomas Roth verwirklichen zu können. Außerdem habe ich neue Songs geschrieben und bringe neue Platten von anderen Acts auf meinen Label raus.“

Die Broilers kommen wie die Toten Hosen aus Düsseldorf und sind ebenfalls im Punk fest verwurzelt, wenn auch mit vielen Ausflügen in andere Stile. Auf der aktuellen Platte „Noir“ klingen sie weniger hart als zu Anfangstagen. Dazu Sammy: „Ich bin noch immer happy damit. Es freut mich auch, dass viele Fans ihren Frieden damit geschlossen haben und die neuen Stücke mittlerweile Höhepunkte im Live-Programm sind.“ In Deutschland haben die Deutschen eine große Anhängerschar, in Österreich müsse man „sich noch ein bisschen anstrengen“, so der Frontman. „Das ist kein Selbstläufer, aber wir arbeiten gerne hart“, lächelte Sammy. Da kommt der Auftritt beim Frequency gerade recht, es folgen Gigs in Linz (11. Dezember, Posthof) und Graz (12. Dezember, Orpheum).

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Der dritte Frequency-Tag begann trocken u.a. mit gut angenommenen Beats des Wiener Electronic-Duos HVOB, anschließend rappte Materia aus Rostock u.a. eine deutsche Versionen von Madonnas „Material Girl“ und „Firestarter“ von The Prodigy. Spaßig! Am Freitag stand hauptsächlich Punk (u.a. Ska-P und NOFX am Abend auf der „Green Stage“) und viel Dance (Stromea, Lily Allen und Skrillex auf der „Space Stage“) am Programm.

Am Gelände herrschte am Nachmittag vor den Bühnen bereits gute Stimmung. Abseits davon gab es die eine oder andere Panne zu beheben. Seit Mittwoch verzeichnete der ÖTC rund 100 Einsätze. Schwerpunkte waren Starthilfen und Aufsperren von Autos“, erzählte Romana Schuster vom Club. Abschleppungen würden aufgrund des „bereits sehr aufgeweichten Bodens“ zunehmen. Ein Happy-End am Rande: Bei einem Diebstahl in einem Zelt wurden einem jungen Mädchen u.a. die Kontaktlinsen entwendet. Ohne diesen sieht sie fast nichts, passenden Ersatz am Feiertag zu besorgen, erwies sich schwierig. Ein ÖAMTC-Einsatzleiter konnte dem Mädchen aber Tageslinsen von seiner Frau mit einer ähnlichen Dioptrie vorbeibringen, so Schuster.


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