Irak-Kämpfe - Jihadistischer IS-Terror: Der Weg zur EU-Waffenhilfe

Bagdad (APA/dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat bei ihrem Vormarsch im Nordirak Siedlungen der Minderheiten der Yeziden (Jesid...

Bagdad (APA/dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat bei ihrem Vormarsch im Nordirak Siedlungen der Minderheiten der Yeziden (Jesiden) und Christen überfallen und auch zahlreiche Bewohner getötet. Hunderttausende flohen in die Sinjar-Berge oder die kurdischen Autonomiegebiete. Das löste im Westen Debatten über humanitäre Hilfen und die Bekämpfung der IS aus.

Im Folgenden eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse:

6. Jänner 2014: IS-Rebellen besetzen Falluja in der Provinz Anbar.

21. März: IS liefert sich in der Provinz Diyala Kämpfe mit der Armee.

11. April: Vor Gefechten in Anbar fliehen mehr als 400.000 Menschen.

10. Juni: IS-Kämpfer nehmen Mossul ein. Im türkischen Konsulat werden fast 50 Geiseln genommen. Dazu kommen über 30 entführte türkische Lastwagenfahrer. Rund 500.000 Einwohner der Millionenstadt fliehen.

11. Juni: IS kontrolliert weite Teile des Iraks. Dazu gehören Ninive, Anbar und Salaheddin mit den wichtigen Städten Baiji und Tikrit.

12. Juni: IS rückt weiter Richtung Bagdad vor. Regierungschef Nuri al-Maliki scheitert im Parlament mit dem Versuch, den Notstand ausrufen zu lassen.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

13. Juni: US-Präsident Barack Obama schließt ein Eingreifen von US-Bodentruppen aus, Washington bereite „andere Optionen“ vor. Auch Irans Präsident Hassan Rohani sichert der schiitischen Regierung des Iraks Solidarität im Kampf gegen sunnitische Terroristen zu.

15. Juni: Nachdem irakische Armee und kurdische Peshmerga-Kämpfer den Vormarsch der Jihadisten gebietsweise stoppen konnten, führt IS den Kampf mit Videos und Fotos grausamer Exekutionen auch im Internet.

20. Juni: Zweieinhalb Jahre nach Ende des Irak-Kriegs bereiten sich die USA auf neue Militärschläge im Land vor. Luftangriffe gegen IS-Rebellen sind nicht mehr ausgeschlossen. Außerdem seien die USA bereit, bis zu 300 Militärberater ins Land zu schicken.

24. Juni: Angesichts des IS-Vormarsches wollen verfeindete Schiiten, Sunniten und Kurden im Irak rasch eine gemeinsame Regierung bilden. Al-Maliki lehnt diese ab und verschärft damit die Krise.

30. Juni: Nach ihrem Vormarsch in Syrien und im Irak ruft IS ein grenzübergreifendes Kalifat aus, Kalif wird ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi. Die USA schicken 200 weitere Soldaten nach Bagdad.

18. Juli: Die Vereinten Nationen werfen IS, aber auch der irakischen Armee schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Laut einem Bericht der UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wurden allein 2014 fast 5600 Zivilisten getötet. Rund 1,2 Millionen Menschen seien auf der Flucht.

24. Juli: Nach wochenlangem Machtvakuum wählt das Parlament in Bagdad den Kurden Fuad Masoum zum Präsidenten. Einen neuen Regierungschef gibt es nicht, Al-Maliki besteht auf einer weiteren Amtszeit.

25. Juli: Nach Terror gegen Christen und Schiiten geht IS nun auch gegen andere sunnitische Kämpfer vor. In Ninive zerstört die Miliz weitere wichtige Kulturstätten und Heiligtümer.

3. August: Die Terrorgruppe vertreibt kurdische Kämpfer aus großen Gebieten nahe Mossul. Beim Überfall auf das Hauptsiedlungsgebiet der kurdischen Minderheit der Yeziden werden viele von ihnen getötet. Der Vormarsch löst eine panische Massenflucht aus.

7. August: IS erobert weitere christliche Ortschaften im Nordirak. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. In Bagdad dauert der Streit um das Amt des Regierungschefs an. US-Präsident Barack Obama kündigt einen Hilfseinsatz für Flüchtlinge im Nordirak an. Die UN bereiteten einen humanitären Korridor vor.

8. August: Die USA fliegen erste Luftangriffe gegen die IS. Laut Pentagon werden Artilleriegeschütze der Terrormiliz bombardiert. Zuvor hatten US-Flugzeuge Fertigmahlzeiten und Wasser für Flüchtlinge über dem Sinjar-Gebirge abgeworfen. Auch Großbritannien schickt Transportmaschinen mit Lebensmitteln. Frankreich begrüßt das Eingreifen der USA. Die Bundesregierung stellt 2,9 Millionen Euro zur Bewältigung des Flüchtlingsdramas zur Verfügung.

11. August: Washington räumt ein, seit Tagen Waffen an die Kurden im Nordirak zu liefern. Frankreich setzt sich auf EU-Ebene für Waffenlieferungen ein. Deutschland will sich dagegen weiterhin auf humanitäre Hilfe beschränken.

12. August: Die EU-Staaten finden weiter keine gemeinsame Linie. Bei einem Treffen der EU-Botschafter für Sicherheits- und Verteidigungspolitik plädieren Frankreich, Italien und Tschechien für Lieferungen von Militärausrüstung an die Kurden. Viele Staaten habe noch keine klare Haltung. Berlin will die irakische Armee mit gepanzerten Fahrzeugen und Sprengfallen-Detektoren unterstützen. Auch Waffenlieferungen schließt die Regierung nicht mehr völlig aus.

13. August: Im Kampf gegen IS erwägen die USA einen Militäreinsatz zur Rettung Zehntausender Flüchtlinge. Im Gespräch seien ein Lufteinsatz und ein Rettungseinsatz von Bodentruppen, sagt Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes.

14. August: Ein US-Militäreinsatz zur Rettung von Flüchtlingen ist laut Pentagon unwahrscheinlicher geworden. Spezialeinheiten hätten im Sinjar-Gebirge erkundet, dass sich dort wesentlich weniger Flüchtlinge aufhielten, als angenommen. Als erstes EU-Land kündigt Frankreich Waffenlieferungen an die irakischen Kurden an.

15. August: Die EU-Außenminister unterstützen Waffenlieferungen einzelner EU-Staaten an die Kurden im Kampf gegen die jihadistische Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Irak. „Ganz konkret sind dies Großbritannien und Frankreich, die hier wahrscheinlich Waffen liefern werden.

Österreich wird sich stark im humanitären Bereich engagieren“, sagte Außenminister Sebastian Kurz am Freitag nach einem EU-Sonderrat in Brüssel. Österreich sei aber nicht bereit, sich auch an Waffenlieferungen zu beteiligen.

IS-Kämpfer sollen in einem yezidischen Dorf im Nordirak ein Massaker angerichtet haben. Die Extremisten hätten in dem Ort Tel Kujo in der Sinjar-Region über 80 Männer getötet, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Basnews. Andere yezidische Quellen sprachen von etwa 100 Toten.


Kommentieren