Frequency - Viel Party und einige politische Untertöne am dritten Tag

St. Pölten (APA) - Das Publikum wollte am Freitag beim Frequency Festival in St. Pölten großteils nur eines: Party feiern. Marteria, Crystal...

St. Pölten (APA) - Das Publikum wollte am Freitag beim Frequency Festival in St. Pölten großteils nur eines: Party feiern. Marteria, Crystal Fighters und Lilly Allen steuerten den Soundtrack bei. Letztere lieferte ein etwas glattes Österreich-Debüt ab, die Hits kamen aber an. In den Nachtstunden sollte noch Skrillex, Mainstream-Wunderkind der elektronischen Tanzmusik, die Menge endgültige in Trance schicken.

Allen tänzelte zwischen riesigen, leuchtenden Babyflaschen herum und sang ihr Programm herunter, bei dem man nie wusste, was da tatsächlich dem Begriff „live“ gerecht wurde. Die 28-Jährige, die sich 2009 aus dem Geschäft zurückgezogen und zwei Mädchen geboren hat, sang gegen Sexismus, rauchte (Achtung: Provokation!) auf der Space Stage, wetterte gegen Online-Trolle („URL Badman“) und setzte auf Upbeat-Pop, der bisweilen dahinplätscherte. „Fuck You“, als Reaktion auf den damaligen US-Präsidenten George W. Bush komponiert, brachte doch noch Biss ein.

Eine sehr stylische Show mit Visuals und irren Dance-Moves zog Stromae ab. Der belgisch-ruandische Rapper fuhr in der Dämmerung dominante Lichteffekte auf und verzauberte mit der richtigen Mischung aus Professionalität und Leidenschaft. Bei Hits wie „Alors On Danse“ und „Formidable“ ging die buchstäbliche Post ab. Als Kontrast bot sich da das Duo Royal Blood an, das auf der Weekender Stage dem ekstatischen Publikum in der Halle mit kräftigen Schweinerock einheizte. Auf der LOL-Bühne drängte es sich auch dicht, da saß man allerdings am Boden und lauschte den Ausführungen von Roland Düringer. Die Wuchteln stießen auf die gewünschten Resonanzen.

Dass politisch-soziale Botschaften und erdige Klänge trotz aller Happy-Stimmung am Frequency Berechtigung haben, bewies die Reaktion auf die mitreißende, fast makellose Show der Broilers auf der zweiten großen Musikbühne. Die Düsseldorfer Punker mit Pop-Einschlag und Trompeten zündeten Bengalische Feuer, waren allerdings auch musikalisch feurig. Der Schlusssong „Meine Sache“ sprach wohl vielen Kids aus der Seele: „Meine Sache, mein Problem, ich werd‘ nicht untergehen, statt der weißen Fahne werdet ihr meinen Mittelfinger sehen“, heißt es da. Bela B., ebenfalls am dritten Festivaltag aktiv, stampfte als Beobachter des Auftritts mit.

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Einen der größten Zuströme vor die Space Stage beim heurigen Festival bisher hatte Marteria bereits in den Nachmittagsstunden ausgelöst. Der Rapper aus Rostock machte das, was der Großteil des Publikums erwartete: Er unterhielt! Zum Hit „Lila Wolken und weiterem eigenen Material interpretierte der Deutsche - begleitet von einem Bassisten, Drummer, DJ, zwei Sängerinnen (darunter Miss Platnum) und einem Rapper - Madonnas „Material Girl“ und „Firestarter“ (The Prodigy) auf Deutsch. Und das war nicht nur witzig, sondern auch tanzbar. Gleiches galt für die Songs von Crystal Fighters, die am richtigen Ort vor dem richtigen Publikum antraten: Der Etno-Dance mit Hippie-Feeling war ansteckend. Die Band wirkte in höheren Sphären und trug Federschmuck, packte die Ukulele aus und brachte mit dem Hit „You And I“ die Stimmung zum Brodeln.

Obwohl dunkle Wolken aufzogen, ließen es sich ein paar Damen und Herren unterschiedlichen Alters und Statur nicht nehmen, im Rahmen des Kunstprojektes „Naked Heart“ nackt auf der Bühne herumzuspringen. Schließlich feiert man ja „Liebe und Freiheit“, wie es Sebastian Pringle, Sänger der Crystal Fighter vorgab. Jö schau!

Ähnlich ausgelassen ging es auf der Green Stage zu, als Skindred Reggae, Metal, Hip-Hop und ein wenig Punk fusionierten. Benji Webbe, Sänger der Waliser Formation, kam mit Stachel-Sonnenbrille, Union-Jack-Fahne und Achterl Rotwein auf die Bühne. Letzteres kippte er in die Menge. Dem Publikum gefiel das alles so gut, dass später ein Schuh in die Gegenrichtung segelte. Millencollin setzen dann auf traditionelleren Punk und konnte damit ebenfalls abräumen. Ska-P, die anti-religiösen Anti-Kapitalisten aus Madrid, ließen ebenso nichts anbrennen.

Schwer hatte es Bela B. Der Ärzte-Mann war mit der Rockabilly-Band Smokestack Lightnin‘ und Sängerin Peta Devin nach Niederösterreich gereist, um sein Country-Album „Bye“ vorzustellen. Twangige Gitarren schienen den Kids weniger zu geben als Beats, der Raum vor der Space-Bühne lichtete sich. Vielleicht lag es auch am einsetzenden Regen. Bela-Fans kamen trotzdem auf ihre Kosten: Im goldenen Anzug sang sich der 51-Jährige durch Stücke wie „Sentimental“ und „Abserviert“, vermischte mit seinen Mitstreitern Country, Folk, ein bisschen Soul und auch ein wenig Ärzte-Humor und war genau genommen ein weiterer Farbtupfer im Programm.

(Sie erhalten am Sonntag einen Bericht über den Auftritt von Skrillex)


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