Trotz Ausgangssperre wieder heftige Proteste in US-Stadt Ferguson

Die US-Kleinstadt Ferguson kommt nach dem Tod des schwarzen Teenagers nicht zur Ruhe. Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre gehen viele weiter auf die Straße. Sie rufen: „Wir sind Mike Brown!“

200 Menschen setzten sich über die Ausgangssperre hinweg und gingen erneut auf die Straße.
© REUTERS/Lucas Jackson

St. Louis – Die seit der Tötung eines schwarzen Jugendlichen durch einen Polizisten von Protesten erschütterte US-Kleinstadt Ferguson kommt nicht zur Ruhe. In der Nacht zum Sonntag ignorierten rund 200 Demonstranten eine Ausgangssperre und harrten bei strömendem Regen in dem Viertel aus, wo eine Woche zuvor Michael Brown von einem Polizisten erschossen worden war.

Polizisten in Kampfmontur gingen gegen die Menge vor, es gab sieben Festnahmen. Schwerbewaffnete Beamte setzten Rauchbomben und Tränengas ein und näherten sich langsam der Menge, um sie auseinanderzutreiben. Unterstützt wurden sie von Einheiten in gepanzerten Fahrzeugen. Viele Demonstranten reckten die Hände in die Höhe - in Erinnerung an den unbewaffneten 18-jährigen Brown.

Stolen lives - "Gestohlene Leben" steht auf dem Transparent der Demonstranten in Ferguson.
© REUTERS/Lucas Jackson

Laut Einsatzleiter Ron Ferguson schritt die Polizei ein, nachdem sie die Meldung erhalten habe, dass eine nicht an den Protesten beteiligte Person angeschossen wurde und Bewaffnete in ein Restaurant eingedrungen waren. Zudem sei ein Polizeiauto beschossen worden. Ferguson sprach von einer „angemessenen Reaktion“ auf die nächtlichen Tumulte. Dem Einsatzleiter zufolge schwebte die angeschossene Person in Lebensgefahr.

Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, hatte am Samstag den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre zum „Schutz von Menschen und Eigentum in Ferguson“ angeordnet. In der Nacht zuvor war es zu schweren Randalen und Plünderungen in der Stadt gekommen, nachdem die Polizei Brown des Ladendiebstahls bezichtigt hatte. Der 18-Jährige soll eine Packung Zigarren im Wert von umgerechnet rund 37 Euro gestohlen haben, kurz bevor er getötet wurde.

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„Sie müssen diesen Polizisten wegen Mordes anklagen!“

Nixons Pressekonferenz in einer örtlichen Kirche, bei der er den Ausnahmezustand und die Ausgangssperre für Ferguson verkündete, wurde immer wieder durch wütende Zwischenrufen gestört. „Sie müssen diesen Polizisten wegen Mordes anklagen!“, rief ein Bürger mit Verweis auf den Schützen und erntete ein „Ja!“ der Menge. Andere forderten lautstark eine Untersuchung des Vorfalls.

Browns Eltern reagierten empört auf die Diebstahlvorwürfe. Sie warfen der Polizei vor, ihren Sohn, der keine kriminelle Vergangenheit habe, in ein schlechtes Licht zu rücken. Keine der vorgelegten Fakten könne „die hinrichtungsartige Tötung ihres Kindes durch einen Polizisten rechtfertigen, während er die Hände hoch hielt, was weltweit das Zeichen des Sich-Ergebens ist“, erklärten die Anwälte der Familie.

Die Polizei gab unterdessen den Namen des Polizisten bekannt, der die tödlichen Schüsse abgegeben hatte. Es handelt sich um einen 28-jährigen Weißen, der rund 30 Kilometer von Ferguson entfernt wohnt. Nachbarn sagten der Zeitung „Washington Post“, der Polizist habe Angst bekommen und sei kurz vor der Veröffentlichung seines Namens geflohen.

Schon kurz nach dem Tod von Brown hatte es in Ferguson, einem Vorort von St. Louis, tagelange Zusammenstöße zwischen Demonstranten und schwer bewaffneten Polizisten gegeben. Nach fünf Tagen wurden die örtlichen Polizeikräfte abgezogen und die Polizei des Bundesstaates Missouri übernahm die Verantwortung für die Sicherheit. Die Bundespolizei FBI, die in dem Fall ermittelt, begann unterdessen mit der Befragung von Zeugen. (APA/AFP)


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