Locarno erzählt „Von dem, was war“: Goldener Leopard an Lav Diaz

Locarno (APA/dpa) - Der philippinische Regisseur Lav Diaz ist für sein Epos „Von dem, was war“ mit dem Goldenen Leoparden des 67. Internatio...

Locarno (APA/dpa) - Der philippinische Regisseur Lav Diaz ist für sein Epos „Von dem, was war“ mit dem Goldenen Leoparden des 67. Internationalen Filmfestivals in Locarno ausgezeichnet worden. Diaz ließ sich am Samstagabend bei der Preisverleihung auf der Piazza Grande der Stadt am schweizer Ufer des Lago Maggiore vom Publikum feiern. Das Festival endete am Sonntag nach elf Tagen mit einer Besucherzahl von 166.800.

Der fünfeinhalb Stunden dauernde Spielfilm „Von dem, was war“ beeindruckt mit suggestiven Bildern. Sie erzählen packend von den Schrecken der Diktatur in Diaz‘ Heimat vor etwa vier Jahrzehnten. Doch der Blick zurück gilt der Gegenwart. Künstlerisch kraftvoll reflektiert der Film allgemeingültig die Gefährlichkeit übersteigerter Ansprüche politischer Machthaber.

„Von dem, was war“ („Mula Sa Kung Ano Ang Noon“/“From What Is Before“) gehörte zu den Favoriten von Publikum und Kritikern. Auch mit anderen Entscheidungen haben die Juroren, zu denen der deutsche Regisseur Thomas Arslan („Gold“) gehörte, den Erwartungen der Festivalbesucher entsprochen. Viel Beifall gab es am Samstagabend deshalb für die Auszeichnungen der besten Schauspieler: Die Französin Ariane Labed bekam die Ehrung für ihre Interpretation einer Schiffsmechanikerin in dem Gesellschaftspanorama „Fidelio, die Odyssee von Alice“ und Artem Bystrow (Russland) für seine Darstellung des Titelhelden in dem Polit-Thriller „Der Narr“.

Die Konkurrenz war insgesamt auffallend stark - und dennoch gab es bei den Auszeichnungen auch Überraschungen. „Pferdegeld“ etwa wurde von niemandem zu den Favoriten gezählt, dennoch bekam Pedro Costa (Portugal) für den sperrigen Spielfilm die Ehrung als Bester Regisseur. Der Film zeigt die Auswirkungen schwerer gesellschaftlicher Umbrüche auf die Psyche einfacher Menschen. Vielleicht war es gerade die theatralisch anmutenden Szenenfolge, die den Juroren gefiel. Erstaunen rief daneben auch der Spezialpreis der Jury an „Halt die Klappe, Philip“ von Alex Ross Perry (USA) hervor, die schwatzhafte Charakterstudie eines egozentrischen jungen Schriftstellers.

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Das 67. Internationale Filmfestival Locarno hatte knapp dreihundert Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme in verschiedenen Sektionen gezeigt. Der Publikumszuspruch war trotz viel Regens selbst bei den Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande enorm. Dort fand die Abschlussgala am Samstagabend aber bei schönstem Wetter unter viel Jubel der Zuschauer statt. Zum Abschluss zeigte das Festival „Geronimo“, den neuen Spielfilm des französischen Star-Regisseurs Tony Gatlif. Mit kluger Balance von Sozialkritik und großen Emotionen rundete das mitreißende Drama das Festival geradezu perfekt ab.


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