Tiroltag“ gab endgültigen Startschuss für Europäisches Forum Alpbach

Alpbach (APA) - Mit dem traditionellen „Tiroltag“ ist am Sonntag der endgültige Startschuss für das 70. Europäische Forum im Tiroler Bergdor...

Alpbach (APA) - Mit dem traditionellen „Tiroltag“ ist am Sonntag der endgültige Startschuss für das 70. Europäische Forum im Tiroler Bergdorf Alpbach gefallen. Bei Kaiserwetter dominierte das Rühren der Werbetrommel für die Europaregion Tirol“ - bestehend aus Nord-, Osttirol, Südtirol und dem Trentino. Bei dem Forum, das bereits am vergangenen Mittwoch startete, werden 4.000 Teilnehmer aus 64 Ländern erwartet.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und sein Südtiroler Amtskollege Arno Kompatscher (SVP) präsentierten neue Schwerpunkte, mithilfe derer die Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern vertieft werden soll. Es gehe darum, endgültig die „PS auf den Boden zu bringen“, erklärte Platter in seiner Rede auf dem Platz vor der Alpbacher Kirche. Denn die „Euregio“ sei in der Bevölkerung „noch nicht überall angekommen“, räumte der Landeschef ein.

Im Gespräch mit der APA skizzierte Platter dann die Vorhaben, die Experten in einem Strategiepapier erarbeitet hatten. So plane man etwa im Bereich Naturgefahrenmanagement verstärkt zu kooperieren - mit einem gemeinsamen Wetter- sowie Lawinenwarndienst. Eine „große Chance“ sah der Landeshauptmann in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Es sei vorgesehen, dass duale Ausbildungssystem Nordtirols und Südtirols auch auf das Trentino zu übertragen. Auch im Bereich Verwaltung strebt man „mehr Europaregion“ an. Die jeweiligen Abteilungen der Länder würden künftig enger kooperieren. Dass es bisher kein Durchgriffsrecht bei Beschlüssen der Organe des Europäischen Verbunds territorialer Zusammenarbeit (EVTZ) „Euregio Tirol-Südtirol-Trentino“ auf die Landesverwaltungen gegeben habe, sei ein „Mangel“ gewesen, meinte Platter.

Die politisch Verantwortlichen würden indes die Landeshauptleute bleiben. Die Installierung von zusätzlichen Behörden sowie eine Art Direktors für die Europaregion lehnt Platter ab. Einmal mehr sprach sich der Landeschef für die sogenannte „Korridormaut“ zwischen München und Verona aus. Das Interesse Südtirols daran sei groß, bisher scheitere es aber an Rom. Mittlerweile ortete Platter jedoch auch dort eine vermehrte Hellhörigkeit für dieses Thema. Der Unterschied der heutigen „Europaregion“-Politik zu der früherer Zeiten sah Platter unter anderem darin, dass man früher „kleine Maßnahmen gesetzt“ habe, jetzt aber „Dynamik“ rein bringe. Zudem sei mit dem EVTZ inzwischen eine von der EU anerkannte Organisation geschaffen worden.

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Kompatscher meinte in seiner Ansprache, es gehe nun darum, Tirol „erlebbar“ zu machen und „Fakten und Tatsachen“ zu schaffen. Man wolle „im Rahmen eines europäischen Weges, dass das zusammenwächst, was zusammengehört“. Der Trentiner Landeshauptmann Ugo Rossi war in Alpbach nicht anwesend. Er ließ sich von einem Landesrat vertreten. Unterdessen wurde am Sonntag auch der Grundstein für die 10,5 Millionen teure Erweiterung des Congress Centrums gelegt.

Der Sonntag begann im Blumendorf wie immer mit einer Heiligen Messe. Anschließend versammelten sich die Festgäste sowie interessierte Beobachter - die meisten in traditionelle Tracht gewandet - auf dem Kirchplatz. Musikalische Darbietungen durch die örtliche Musikkapelle sowie eine ordentliche Salve durch die Schützen durften natürlich nicht fehlen. Auch die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“, die Österreichische Bundeshymne sowie die Europahymne erklangen.

Von der Bundesregierung war nur „Lokalmatador“ Andre Rupprechter (ÖVP) anwesend. Weiters nahmen etwa der frühere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg, Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) oder der ehemalige ORF-Generaldirektor Gerd Bacher den Weg ins Tiroler Unterland auf sich.

Das unter dem Generalthema „At the Crossroads“ stehende Forum dauert bis zum 29. August. Als sogenannte „Weggabelungen“ Europas hatte der Forum-Präsident und EX-EU-Agrarkommissar Fischler unter anderem die Fragen der Energie, des sozialen Gleichgewichts und der Sicherheitspolitik ausgemacht. Unter anderem haben sich EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, der ehemalige WTO-Chef Pascal Lamy oder der Verhüllungskünstler Christo angekündigt.

Den Anfang der zentralen Gesprächsreihen machen Anfang kommender Woche die Gesundheitsgespräche (18. bis 19.8.), gefolgt von den Hochschul-(19. bis 21.8.) und Technologiegesprächen (21. bis 23.8.) sowie den Rechtsgesprächen (20. bis 21.8.). Von 24. bis 26. August stehen die Politischen Gespräche am Programm, danach die Wirtschafts- (26. bis 28.8.) und Finanzgespräche (28. bis 29.8.). Von der Bundesregierung haben unter anderem Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ihr Kommen zugesagt. Bundespräsident Heinz Fischer wird zur Eröffnungsveranstaltung der Politischen Gespräche am 24. August in Alpbach erwartet.


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