Ebola in Tirol? Rätselhafter Tod unter der Lupe

Landeskriminalamt und Landessanitätsdirektion untersuchen den Tod einer in ihrer Unterländer Wohnung aufgefundenen Britin. Die Tote wird auch auf Ebola untersucht.

Die Gerichtsmedizin nahm Proben und sandte sie an das Tropeninstitut nach Hamburg. (Symbolfoto)
© Grunert/Corbis

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Seit März grassiert in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria der tödliche Ebola-Virus. Auch dort aufhältige Europäer wurden bereits angesteckt.

Weit von den betroffenen Ländern entfernt, fand die Polizei in der Nacht von Freitag auf Samstag in einer Unterländer Wohnung eine Tote. Es handelte sich um die dort ordnungsgemäß gemeldete 48-jährige Britin, die von einer Bekannten vermisst worden war. Die Todesursache blieb bislang jedoch im Dunkeln. Wies die Leiche oder die Wohnung doch weder Gewaltspuren auf noch konnte der Sprengelarzt gewöhnliche natürliche Todesursachen feststellen. Nachdem Ermittlungen ergeben hatten, dass sich die Frau – wie schon öfters zuvor – noch bis 12. August in Nigeria aufgehalten hatte, handelte die Tiroler Landessanitätsdirektion umgehend: „Der Sprengelarzt, der die Totenbeschau durchgeführt hat, hat eine virale Infektion als Todesursache in Betracht gezogen. Die entsprechenden Abklärungen laufen“, erklärte Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Unter anderem wurden am Samstag eine Blut- und eine Harnprobe entnommen und an das Tropeninstitut in Hamburg geschickt. Die Proben werden dort auf Ebola getestet. Das Ergebnis wird für Montagnachmittag erwartet. „Wir haben uns entschieden, eine Ausschlussdiagnose für Ebola einzuholen, da die 48-Jährige erst vor Kurzem über Deutschland aus Nigeria eingereist ist, und wir die Krankengeschichte der Verstorbenen nicht eruieren konnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ebola-Virus für den Tod der Frau verantwortlich ist, ist jedoch äußerst gering. Wir wollen aber jeden Verdacht ausschließen“, so der Landessanitätsdirektor zum außergewöhnlichen Fall.

Schließlich wurde nach Angaben des Landes in Tirol noch nie eine Kontrolanalyse zu einem Ebola-Verdachtsfall eingeholt.

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Die Wohnung der Verstorbenen wurde auf Geheiß der Staatsanwaltschaft vorbeugend versiegelt. Zu ihren Nachbarn im Mehrparteienhaus hatte die Verstorbene in letzter Zeit übrigens keinerlei Kontakt gehabt.

„Wie gesagt, wir gehen davon aus, dass wir es nicht mit Ebola zu tun haben. Doch selbst wenn, wäre die Ansteckungsgefahr äußerst gering“, klärt Landessanitätsdirektor Katzgraber gegenüber der TT auf.

Das durch den Ebolavirus hervorgerufene Ebolafieber verläuft nach bisherigem Wissensstand in 50 bis 90 Prozent aller Fälle tödlich. Als Therapie stehen lediglich Maßnahmen zur Bekämpfung einzelner Krankheitssymptome zur Verfügung.

In Deutschland, Österreich, Schweiz und vielen anderen Ländern besteht eine Meldepflicht bei Verdacht auf Ebolafieber, direktem und indirektem Erregernachweis, Ausbruch der Erkrankung, hämorrhagischem Krankheitsverlauf oder Tod.

Ebola wird nicht durch Tröpfcheninfektion über Menschen übertragen, sondern nur durch direkten Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten einer infizierten Person.

Todesrisiko Ebola

Infektionsrisiko. Das Virus wird nicht wie etwa die Grippe durch die Luft übertragen. Das Risiko einer Ebola-Infektion ist somit gering, selbst wenn man für längere Zeit in betroffenen Gebieten lebt oder dorthin gereist ist. Auch bei flüchtigem Kontakt in der Öffentlichkeit mit Menschen, die nicht krank wirken, wird Ebola nicht übertragen, ebenso wenig bei der Berührung von Geld, Lebensmitteln oder beim Baden im Schwimmbad. Auch Mücken übertragen das Ebola-Virus nicht.

Desinfektion. Das Ebola-Virus lässt sich leicht durch Seife, Bleichmittel, Sonnenlicht oder Trocknen abtöten. Wird Kleidung, die mit Körperflüssigkeiten in Berührung gekommen ist, in der Waschmaschine gewaschen, wird das Ebola-Virus vernichtet. Auf Oberflächen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, überlebt das Virus nur kurz.

Schutzmaßnahmen. Direkter Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten von Infizierten oder Leichen und mit kontaminierten Gegenständen (Kleidung und Gegenstände von Erkrankten) muss vermieden werden. Eine Übertragung durch Geschlechtsverkehr mit Infizierten ist zudem bis zu sieben Wochen nach deren Genesung möglich.

Symptome wie Fieber, unerklärliche Müdigkeit oder Durchfall können auch durch Infektionen wie Malaria, Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber oder andere Erkrankungen ausgelöst werden. Die müssen aber ebenfalls behandelt werden. (Quelle: AGES)


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