Schwimmen: Nach Absenz bei Berlin-EM nimmt Jukic WM-Finale ins Visier

Wien/Berlin (APA) - Nach der Teilnahme an vier Langbahn-Europameisterschaften mit einer Silber- und zwei Bronze-Medaillen in Eindhoven 2008 ...

Wien/Berlin (APA) - Nach der Teilnahme an vier Langbahn-Europameisterschaften mit einer Silber- und zwei Bronze-Medaillen in Eindhoven 2008 als Höhepunkt erlebt Dinko Jukic die aktuellen Schwimm-Titelkämpfe in Berlin nur als Zuschauer. Knapp vor Limitschluss unternommene Qualifikationsversuche gingen schief, seine seit Olympia 2012 andauernde internationale Auszeit bei Großereignissen hält damit an.

Jukic räumte im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur ein, dass ein Berlin-Antreten auch im Fall einer knapp erbrachten Norm für ihn keinen Sinn gemacht hätte. „Wenn ich zu einer EM fahre, möchte ich dort in der Lage sein, um eine Medaille zu schwimmen“, sagte er. Mit seinen am letzten Limit-Wochenende in Slowenien über 100 m Delfin geschwommenen 54,42 Sekunden sei er da aber zu weit weg gewesen.

Vor Olympia sei er zum vergleichbaren Zeitpunkt nur 0,8 Sekunden schneller gewesen, danach bei den Spielen in 51,99 Neunter geworden. Jukic: „Ich hätte mich bis zur EM so auf 52,9 gesteigert, damit wäre ich aber von den Medaillen weg gewesen.“ Der 25-Jährige hatte den Weg zurück im übrigen nicht so steinig erwartet. „Ich habe mir gedacht, dass es einfacher geht“, gab er zu. Vor den Limitversuchen habe er bis zuletzt hart trainiert. „Vom ersten zum zweiten habe ich mich auch gesteigert.“

Nicht ganz so intensiv hatte es der zweifache Ex-Kurzbahn-Europameister in der nach-olympischen Saison betrieben. Da war Jukic verstärkt mit seiner Freundin Karolina Pliskova auf der WTA-Tour unterwegs gewesen, er ist für das Konditionstraining der Tschechin zuständig. Heuer sei sich seine Anwesenheit bei einem Tennis-Turnier der derzeitigen Weltranglisten-41. aber nur in Bad Gastein ausgegangen. Das eigene Training sei da wieder viel mehr im Vordergrund gestanden.

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Der Gewinner von neun Medaillen bei internationalen Großereignissen der allgemeinen Klasse nimmt nun die Kurzbahn-Saison ins Visier und da die WM vom 3. bis 7. Dezember in Doha. In der erstklassigen Anlage in Katar hatte er im Frühjahr mit dem australischen Team trainiert. Von seiner Qualifikation für die Welt-Titelkämpfe geht Jukic aus, Ziel soll dann dort eine Final-Teilnahme sein. „Mit einem Endlauf bei einer WM ist man bei einer EM Medaillenkandidat“, meinte er.

Dass Jukic bis jetzt noch nicht wieder auf seine Paradedisziplin 200 m Delfin gesetzt hat, liegt für ihn auf der Hand. „Das ist der schwierigste Bewerb im Schwimmen“, erläuterte er. „Dafür fehlen mir noch die Kilometer. Nicht umsonst ist Michael Phelps seit seinem Comeback auch noch keine 200 m Delfin geschwommen.“ Nach den rund dreieinhalb Monaten bis zur Doha-WM will Jukic aber so weit sein. „Auf der Kurzbahn ist der 200er auch einfacher.“

Grundsätzlich sieht sich der OSV-Athlet auf einem guten Weg, ein Comeback-Jahr bringe eben auch Schwierigkeiten mit sich. Ein künftiges Problem könnte jedoch eine Forderung des österreichischen Verbandes (OSV) darstellen, dass Jukic das Langbahn-EM-Limit über 200 m Delfin bis Ende Oktober nachbringen muss. Nicht zuletzt aufgrund seines vierten Platzes bei Olympia 2012 in London erhält Jukic für diese Strecke über das „Projekt Rio“ Unterstützung.

„Dinko Jukic muss da aber auch eine Leistung erbringen“, sprach OSV-Präsident Stefan Miklauz gegenüber der APA die regelmäßigen Evaluierungen des Rio-Kaders an. „Er ist seit eineinhalb Jahren bei keinem namhaften Bewerb gestartet und hat sich im Gegensatz zu einigen 17-jährigen österreichischen Nachwuchsschwimmern auch nicht für die EM qualifiziert. Daher hat Dinko Jukic bis Ende Oktober eine Nachfrist erhalten, das Limit nachzuliefern.“

Jukic hat daraufhin beim OSV nicht zu Unrecht nachgefragt, wo er diese Langbahn-Leistung denn erbringen könne, denn unmittelbar nach der Berlin-EM stehen bis ins nächste Jahr hinein hauptsächlich Kurzbahn-Meetings auf dem Programm. Jukic: „Sie haben mir ein Meeting in Korea genannt, das ist aber erst im November. Und eines am letzten Oktober-Wochenende in Ungarn.“ Da seien aber offene Klassen ab Jahrgang 1999 und da warte man den ganzen Tag. „Es gibt da auch nur einen Versuch.“

Miklauz bzw. der OSV hat Jukic darüber hinaus das Sonderstartrecht gestrichen, erst müsse er die OSV-Wettkampfbedingungen unterschreiben. Auch dass Jukic bei seinen Limitversuchen für seinen gesperrten Verein SC Austria Wien geschwommen sei, bekrittelte Miklauz. Jukic sieht das anders: „Austria Wien ist nach wie vor bei der Vereinspolizei angemeldet und den kann ein Monopolverband wie der OSV nicht ausschließen.“ Der OSV hat vor Gericht auch verloren, ging in die Berufung.

Auch das dritte nach-olympische Jahr bzw. das vorletzte vor den Rio-Spielen dürfte zwischen Jukic und dem OSV also einiges an Konfliktpotenzial bringen. Jukic: „Ich bin mir sicher, dass sie mir noch 150 Steine in den Weg legen.“ Mit einem FINA-A-Limit für die Langbahn-WM 2015 in Kasan werde er aber die passende Antwort geben. „Ich schaue jetzt von Tag zu Tag und versuche, in Rio eine Medaille zu holen. Eine Olympia-Medaille ist mein Traum von Kindheit an. Ich werde alles daransetzen, das zu erreichen.“


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