Bregenzer Festspiele: Schwalbe und Nachtigall begeistern Jung und Alt

Bregenz (APA) - Wer von der Familienoper der Bregenzer Festspiele eine klassische Kindervorstellung erwartet hatte, wurde Sonntagvormittag e...

Bregenz (APA) - Wer von der Familienoper der Bregenzer Festspiele eine klassische Kindervorstellung erwartet hatte, wurde Sonntagvormittag eines Besseren belehrt. Sowohl die szenische Uraufführung des Einakters „L‘Hirondelle inattendue“ des polnisch-jüdischen Komponisten Simon Laks als auch die Märchenoper „Le Rossignol“ von Igor Strawinsky musste einen Vergleich mit dem Abendprogramm des Festivals nicht scheuen.

Beide Stücke, die vom Zurechtfinden in einer fremden Welt und von Rivalität erzählen, bezauberten die großen und kleinen Besucher. Tosenden Applaus erntete vor allem Strawinskys Oper „Le Rossignol“, die als kubistisches Puppenspiel in der Inszenierung von Mark Down gezeigt wurde.

Die Geschichte ist die Vertonung des gleichnamigen Märchens von H.C. Andersen, das die reine Natur in Gestalt einer Nachtigall als Siegerin über ihr künstlich geschaffenes Pendant in den Mittelpunkt stellt. Der chinesische Kaiser ist der unscheinbaren Nachtigall mit ihrem lieblichen Gesang verfallen. Als sie in Wettstreit mit einer mechanischen Nachtigall des japanischen Gesandten treten soll, versteckt sie sich und wird des Hofes verwiesen. Vor Sehnsucht wird der Kaiser sterbenskrank und nur die „echte“ Nachtigall kann den Tod besiegen, ein „unscheinbares, graues Vögelchen.“

Kathryn Lewek singt das den sterbenskranken Kaiser (präsent mit warmer Fülle intoniert: Markus Brück) wiedererweckende Vöglein hinreißend. Ihre Höhen sind zart und weich ohne jegliche Schärfe, mit Leichtigkeit und Bravour meisterte sie sowohl die anspruchsvollen Koloraturen ihrer Rolle als auch die wiederkehrenden Partien ohne Orchesterbegleitung. Eine ausgezeichnete Leistung lieferten auch ihre Mitstreiterinnen Magdalena Hofmann (Köchin) und Katrin Wundsam (Der Tod). Der Prager Philharmonische Chor glänzte perfekt präpariert als zarte, gekonnt bescheidene Umrahmung der Handlung.

Einen großen Beitrag zum Erfolg des Stückes leisteten die von Mark Down und Ruth Paton designten ausdrucksstarken Puppen sowie deren ausgezeichnete Spieler. Comicartige Sprechblasen regten mitunter zum Lachen an und erleichterten nicht nur den kleinen Besuchern, der Handlung zu folgen.

Im Gegensatz zur „Nachtigall“ forderte die „Schwalbe“ einiges an Geduld von den jungen Opernbesuchern und zahlreiche Erklärungen von den begleitenden Erwachsenen, was sich auch in der etwas größeren Unruhe während des zweiten Teils der Familienoper widerspiegelte. Laks 1965 entstandener Einakter, der als skurril-witziges Musiktheater beschrieben wird, kommt in der Inszenierung von Gerald Stollwitzer stellenweise wuchtig und dramatisch daher, bleibt aber durchwegs kraftvoll und beeindruckend.

Auch die geniale Geschichte der Opera bouffe nach einem Radio-Hörspiel von Claude Aveline dürfte für Kinder nicht leicht verständlich sein. Im Mittelpunkt steht eine unscheinbare Vorstadt-Schwalbe, eine Prostituierte, die neu im Himmel der berühmten Tiere ankommt, zu denen etwa die Taube der Arche Noah, die Schlange aus dem Paradies Eden oder der Hund von Baskerville gehören. Weder die Tiere noch die Stimme des Himmels geben der Schwalbe ein Asyl, woraufhin sie sich auflöst in das, was sie eigentlich war: in ein Lied.

Tatsächlich hat Laks die Handlung rund um das berühmte Chanson „L‘Hirondelle du Faubourg“ aus dem Jahre 1912 aufgebaut, ein reizendes Stück im Walzertakt, von der Sopranistin Denise Beck berührend klar und hell gesungen. Der Inhalt des Chansons ist ebenso wie jener der Oper aber eigentlich ein trauriger und scheint das Schicksal des Auschwitz-Überlebenden Laks als Metapher in all seinen Facetten zu erzählen. Zum Schluss bleibt die Musik in ihrer Unsterblichkeit und siegt über Hochmut, Ausgrenzung und Verachtung.

Das Ensemble wirkte ausgewogen. Hervorzuheben sind etwa Hanna Herfurtner als Prokne sowie Kathryn Lewek als Taube (letztere glänzte auch in ihrer schauspielerischen Leistung) sowie erneut der Bariton Markus Brück als Pilot. Rainer Trost als Journalist rückte im vollen Klang der Vorarlberger Symphoniker stellenweise in den Hintergrund, bei der Begleitung der Sänger war das Orchester aber manchmal auch etwas zu präsent.

(S E R V I C E - 69. Bregenzer Festspiele bis 24. August 2014. Familienoper: Szenische UA „L‘Hirondelle inattendue“, Märchen-Oper von Simon Laks, sowie Premiere „Le Rossignol“ von Igor Strawinsky, Vertonung eines chinesischen Volksmärchens - Weitere Aufführung am 18. August, 19.30 Uhr, www.bregenzerfestspiele.com)


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