Krebskongress: Diskussionen über Mammografie-Programme schaden eher

Madrid (APA) - 25 Prozent der Frauen haben ambivalente Gefühle bezüglich eines Brustkrebsscreenings per Mammografie. Das zeigen Studien, die...

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Madrid (APA) - 25 Prozent der Frauen haben ambivalente Gefühle bezüglich eines Brustkrebsscreenings per Mammografie. Das zeigen Studien, die am Montag beim europäischen Krebskongress (ESMO; bis 30 September) in Madrid präsentiert wurden. Öffentliche Diskussionen wirken sich eher negativ aus. Der österreichische Radiologie Friedrich Vorbeck: „Wer sich auf Mammascreenings einschießt, bringt den Frauen Nachteile.“

Eine aktuelle, vom dänischen Cochrane-Zentrum begonnene Debatte über Nutzen und Wirksamkeit von bevölkerungsbasierten Brustkrebsscreening-Programmen scheint zwar nur wenige Frauen erreicht zu haben, konnte die Interessierten aber eindeutig verunsichern. Das haben laut einer Aussendung des Kongresses mit rund 18.000 Teilnehmern zwei französische Studien ergeben.

Grundlage der Arbeiten war eine Befragung von 405 Frauen zwischen 40 und 75 Jahren ohne Krebsvorgeschichte drei Monate nach Beginn der Kontroverse über nationale Brustkrebsscreening-Programme, wie ein solches auch mit Anfang 2014 in Österreich gestartet worden ist. Eine Auswertung zeigte, dass nur 17 Prozent von der laufenden Diskussion gehört hatten.

Wie einer der Studienautoren, Jerome Viguier, jedoch berichtete, hat sich die Sicht auf das Screening bei diesen Frauen verändert: Sie gaben zu acht Prozent an, künftig seltener zur Mammografie zu gehen. Als besonders bedauerlich hob der Experte hervor, „dass neun Prozent außerdem erklärten, die Kontroverse würde ihre Teilnahme an anderen Krebs-Früherkennungs-Programmen beeinflussen.“

Sehr häufig haben Frauen ambivalente Gefühle, wenn es um Brustkrebs-Früherkennung geht: Sie wollen zwar auf Nummer sicher gehen, gleichzeitig fürchten sie sich davor. In der Studiengruppe fanden nur 57 Prozent der Frauen, die von der Debatte gehörte hatten, ein Brustkrebsscreening eher beruhigend als besorgniserregend, die nichtinformierten Frauen schätzten dagegen zu 77 Prozent das Screening als etwas Beruhigendes ein. Dieser Trend färbt auch ab auf die Bewertung anderer Screenings, wie Darmkrebsfrüherkennung (zu 56 Prozent versus 70 Prozent positive Einschätzung) und Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung (59 Prozent versus 72 Prozent). Viguier sieht das als „beträchtlichen Kollateralschaden“. Dabei sind die Screening-Untersuchungen auf Dickdarm- und Gebärmutterhalskrebs viel genauer und aussagekräftiger als eine einzelne Mammografie.

Eine sehr deutliche Stellungnahme gab es dazu aus Österreich. „Aus medizinischer Sicht kann niemand ernsthaft gegen Mammascreenings sein, wer sich darauf einschießt, bringt den Frauen Nachteile“, kommentierte Friedrich Vorbeck, Obmann der Bundesfachgruppe Radiologie der Österreichischen Ärztekammer, diese Ergebnisse. „Früherkennung ist preiswert, und sie ist sehr wirksam. Sie führt beim Brustkrebs, dem häufigsten Tumor bei Frauen, zu einer hohen Fünf-Jahres-Überlebensrate und zu einer hohen Heilungsrate.“

Dagegen sei ein bis zu Metastasen fortgeschrittenes Mammakarzinom nicht heilbar. Des halb sei eine durch Früherkennung möglichst davor erfolgende Operation der einzige sinnvolle Weg. Der Radiologe: „Das in Frage zu stellen, ist nur dann legitim, wenn es etwas Besseres gibt. Das ist aber nicht der Fall. Solange Frauen an Brustkrebs sterben, gibt es keine Unterversorgung mit Mammografie.“

In den USA treten sowohl die American Cancer Society als auch die American Society of Radiology sogar für jährliche Brustkrebsscreening ab 40 Jahren ein. In Österreich ist ein Intervall von zwei Jahren - vor allem zwischen 50 und 70 Jahren - vorgesehen. Vorbeck: „Das hat damit zu tun, dass die Fachgesellschaften in den USA nicht der Gesundheitspolitik verpflichtet sind. Die American Cancer Society ist außerdem keine radiologische Fachgesellschaft, sie verfolgt in Hinblick auf Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchungen keine Eigeninteressen.“


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