Kofler muss um seine Erfindung bangen

Tüftler Andreas Kofler entwickelte in seinem Keller ein womöglich revolutionäres Schuhmodell. Am Donnerstag wird dieses der FIS vorgelegt.

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Von Susann Frank

Innsbruck –Andreas Kofler drückte der Schuh. Sowohl in der Flugphase als auch bei der Landung. Aus diesem Grund ist dem Stubaier ÖSV-Adler in der Vorbereitungsphase eine Sonderstellung in der Nationalmannschaft zugestanden worden. Während seine Kollegen sich schon zu Beginn des Sommer-Grand-Prix mit der internationalen Konkurrenz maßen, tüftelte der 30-Jährige in seiner Werkstatt an einem völlig neuen Schuhwerk. Anstatt des gängigen Lederschuhs baute der Telfer ein Hartschalenmodell. „Ich wollte in dieser Richtung schon lange etwas entwickeln, jetzt habe ich meinem inneren Drang nachgegeben“, erklärte der zweifache Team-Olympiasieger.

Diese Entscheidung wuchs in ihm nach den Vorkommnissen in der vergangenen Saison. Ein Sturz beim Saisonauftakt 2013/14 im deutschen Klingenthal warf den zwölffachen Weltcupsieger aus der Bahn. Im Herbst 2013 war er der internen Konkurrenz noch davongesprungen (österreichischer Meister sowohl auf der Normal- als auch auf der Großschanze), bei Olympia in Sotschi war der Einzel-Silbermedaillengewinner von 2006 in Turin nicht einmal im Team-Einsatz. Erst zum Saisonende schrieb er wieder mit Top-Ten-Plätzen an. „Ich wollte nicht mehr, dass das Gleiche passiert wie im letzten Jahr und ich mir im Winter schwertue“, sagte Kofler. Das neue, festere Schuhwerk soll ihm unter anderem mehr Halt bieten.

Doch statt Sicherheit zu geben, bereitete es ihm am vergangenen Wochenende Pro­bleme. Beim Heim-Grand-Prix in Hinzenbach wurde das Hartschalenmodell von den Materialkontrolleuren des Internationalen Ski-Verbandes (FIS) nicht genehmigt.

Der dreifache Team-Weltmeister musste auf sein altes Material umsteigen und verpasste prompt die Qualifikation. „Andi hatte nur mit dem neuen Material trainiert, seine Sprungleistungen sind bisher viel besser als sie in Hinzenbach waren“, erklärte ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin.

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Der Kärntner weiß, wie sehr seinem Schützling die Erfindung am Herzen liegt. Darum lässt er den Vierschanzentournee-Sieger von 2010 ein weiteres Mal ziehen. Wenn die Team-Kollegen am Donnerstag zum Sommer-Grand-Prix-Finale in Klingenthal (GER/Samstag Wettkampf) aufbrechen, stellt Kofler auf der Herbstsitzung der FIS in Zürich (SUI) sein revolutionäres Schuhmodell vor.

Im Beisein des österreichischen Delegierten Harald Haim will er das Komitee für Ausrüstung und Entwicklung davon überzeugen, sein Modell zu genehmigen. Was kein einfaches Unterfangen ist, wie Haim bestätigt. Bei einem Veto wäre die Tüftelei umsonst gewesen. Kofler müsste mit dem herkömmlichen Material Leistung bringen, um in der Nationalmannschaft dabei zu sein – auch wenn ihn der alte Schuh drückt.


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