„Gone Girl“ - Spannendes Vexierspiel von David Fincher

Wien (APA) - Nur wenige Regisseure beherrschen die Kunst, ihr Publikum auf falsche Fährten zu locken und vermeintliche Sicherheiten zu unter...

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Wien (APA) - Nur wenige Regisseure beherrschen die Kunst, ihr Publikum auf falsche Fährten zu locken und vermeintliche Sicherheiten zu untergraben, wie David Fincher. Der US-Amerikaner, bekannt für Filme wie „Sieben“, „Fight Club“ oder jüngst „The Social Network“ und „Zodiac“, ist ein Meister der Inszenierung. Und selbst bei einem Thriller wie „Gone Girl“ (ab 3. Oktober im Kino) geht es bei ihm immer um mehr.

Da wird der Traum einer neuen Liebe, die Ben Affleck und Rosamund Pike als die zwei jungen Autoren Nick und Amy erleben dürfen, im Zuckerwirbel einer Bäckerei in Szene gesetzt - und zugleich schimmern überall bereits die Abgründe durch, die sich am fünften Hochzeitstag schließlich unweigerlich Bahn brechen. Im Amerika von heute sind die großen Einkaufscenter geschlossen, die Jobs nach der Finanzkrise noch immer rar, die Tabletten notwendige Einschlafhilfen.

Und dennoch bemüht sich der amerikanische Mittelstand, die Fassade aufrecht zu erhalten - nicht zuletzt mittels der Institution Ehe. Nicks Leben basiert zum größten Teil auf den Ersparnissen seiner Frau, Amy wiederum hat das Leben für den äußerlichen Schein verinnerlicht. Die Fragen in der Ehe, wie Fincher ausführt, lauten längst nicht mehr: Woran denkst du und wie geht es dir? Sondern: Was haben wir uns angetan? Und was werden wir uns noch antun?

Als Amy am fünften Hochzeitstag verschwindet, ist Nick entsetzt - aber irgendwie auch erleichtert. Dass man ihm zweiteres auf Fotos ansieht, macht ihn bald zum Ziel einer medialen Hexenjagd, der sich selbst die ermittelnden Polizisten nur schwer entziehen können. Wie viel stimmt von Nicks Geschichte? Was verschweigt er? Und warum gibt es zwar unzählige Blutspuren, aber keine Leiche? Innerhalb kürzester Zeit entspinnt sich ein Vexierspiel, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Fincher darf sich auf ein starkes Ensemble verlassen: Affleck beherrscht den Strahlemann ebenso wie den müden und gezeichneten Ehemann, der zu jähzornigen Ausbrüchen neigt. Und Rosamund Pike verwandelt sich von der „Amazing Amy“, wie ihre erfolgreiche und nicht zuletzt von den Eltern gnadenlos vermarktete Kinderbuchfigur heißt, zum zweifelhaften „Gone Girl“, das die Erregungsmechanismen der US-Medien ganz genau zu bedienen weiß.

In einer gruseligen Nebenrolle tobt sich „How I Met Your Mother“-Star Neil Patrick Harris als Stalker aus, als Zwillingsschwester von Nick ist Carrie Coon ein guter Halt, als Polizistin macht Kim Dickens eine sympathische Figur. Tyler Perry wiederum darf sich als Strafverteidiger einige schwarzhumorige Lacher abholen. Finchers Thriller, der auf dem Bestseller von Autorin Gillian Flynn basiert, ist manipulativ und voller Überraschungen. Nur gegen Ende wirken manche Dinge leider recht unglaubwürdig.

(S E R V I C E - www.gonegirlmovie.com)


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