Polit-Talkshow abgesetzt - Journalistenprotest vor Belgrader Sender

Belgrad (APA) - Der Belgrader Sender B-92, der in den neunziger Jahren zum Symbol des Kampfes gegen das Regime von Slobodan Milosevic wurde ...

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Belgrad (APA) - Der Belgrader Sender B-92, der in den neunziger Jahren zum Symbol des Kampfes gegen das Regime von Slobodan Milosevic wurde und auch nach seinem Sturz im Oktober 2000 für objektive Berichterstattung stand, ist nun selbst mit Journalistenprotesten wegen politischer Druckausübung konfrontiert.

Etwa 200 Journalisten, darunter Vertreter der beiden landesweit führenden Journalistenverbände, versammelten sich am Sonntagabend vor dem Sender im Belgrader Stadtviertel Neu-Belgrad. Der Anlass war die kurzfristige Entscheidung der Geschäftsführung, die angesehene politische Talkshow „Eindruck der Woche“ abzusetzen.

Man sei „wegen der Einengung der Medienfreiheiten“ sehr besorgt, bewertete Vukasin Obradovic, Leiter des Journalistenverbandes NUNS, gegenüber der staatlichen Presseagentur Tanjug am Montag.

„So etwas hat es noch nie gegeben“, beschrieb Sendungsverantwortliche Olja Beckovic die aktuelle Mediensituation gegenüber der Tageszeitung „Blic“. Beckovic hatte die Sendung „Eindruck der Woche“ in den frühen 1990er Jahren gestartet. Seit 2004 wurde sie sonntags im Fernsehprogramm von B-92 ausgestrahlt. Nach der Sommerpause wollte die Geschäftsführung des Senders die Ausstrahlung auf den seit Jahren unter Zuschauermangel leidenden zweiten Kanal verlegen. Beckovic, die jahrelang jeden Sonntagabend die aktuellsten Geschehnisse im Land mit ihren Gästen, Politikern und Analysten, besprach, lehnte dies ab.

Der Mehrheitsbesitzer des Senders, die im Besitz eines schwedischen Investmentfonds und der griechischen Lake Bade Holding stehende Astanka Holding, wehrt sich unterdessen gegen den Vorwurf, die Sendung auf politischen Druck abgesetzt zu haben. In der serbischen Öffentlichkeit herrscht trotzdem schon seit längerer Zeit der Eindruck, dass die Redaktionspolitik führender Medien Zurufen aus dem Kabinett von Ministerpräsident Aleksandar Vucic folgt.


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