RWE will Tochter Dea weiter rasch nach Russland abstoßen

Essen (APA/Reuters) - Der Energiekonzern RWE, in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt, will trotz neuer Hürden mit dem mill...

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Essen (APA/Reuters) - Der Energiekonzern RWE, in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt, will trotz neuer Hürden mit dem milliardenschweren Verkauf der Tochter Dea rasch Kassa machen. „Wir halten daran fest, die Transaktion noch in diesem Jahr abschließen zu wollen“, sagte eine Konzernsprecherin am Montag.

Das britische Energieministerium hüllte sich weiter in Schweigen, ob es für den Verkauf an eine Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman grünes Licht geben wird. Der Deal ist wegen der Ukraine-Krise politisch umstritten. Denkbar ist, dass RWE notfalls das Großbritannien-Geschäft von Dea separat abgibt. RWE benötigt für den Verkauf der Öl- und Gasfördertochter noch die Zustimmung aus weiteren Ländern. Der hoch verschuldete Versorger hat den Erlös von rund fünf Milliarden Euro fest eingeplant.

RWE hatte am Sonntag mitgeteilt, dass die Zustimmung aus Großbritannien für den Verkauf unsicher sei. Die Aktie gab daraufhin am Montag zeitweise um mehr als drei Prozent nach. Zwar könnte RWE das britische Geschäft aus dem Deal herausnehmen, dies sei aber weder das Ziel des Konzerns noch der Investoren, verlautete aus Kreisen der Parteien. Fridman ginge sonst auch ein großer Brocken verloren, macht die britische Gasproduktion doch etwa ein Fünftel der gesamten Menge von Dea aus. RWE dürfte bei einem separaten Verkauf Zeit verlieren. Auf Dea hatte auch die BASF -Tochter Wintershall ein Auge geworfen.

Sollte RWE am Ende nur die Zustimmung aus Großbritannien fehlen, könne der Konzern die Aktivitäten in der britischen Nordsee - hierzu gehört auch eine geringere Ölproduktion - einzeln verkaufen, erklärten die Analysten der Citigroup. Dass der Deal wegen der Vorbehalte in Großbritannien ganz scheitere, sei jedoch unwahrscheinlich. Womöglich werde es aber für einen Abschluss noch in diesem Jahr zu knapp. Dea produzierte 2013 in Großbritannien 505 Mio. Kubikmeter Gas von insgesamt 2,63 Mrd. Kubikmetern. Beim Erdöl waren es 43 Mio. von 2,32 Mrd. Kubikmetern.

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In Deutschland war ebenfalls Kritik an den Verkaufsplänen von Dea aufgekommen. Die Bundesregierung hatte dennoch im August grünes Licht dafür gegeben. Zuvor hatte bereits die EU-Kommission zugestimmt. Dea ist in über einem Dutzend Ländern aktiv, darunter neben Deutschland und Großbritannien in Norwegen, Dänemark und Ägypten. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg hält Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. 2013 fuhren die rund 1.500 Beschäftigten einen Betriebsgewinn von gut 500 Mio. Euro ein - etwa ein Zehntel des Konzernergebnisses.

RWE-Chef Peter Terium will mit dem Dea-Verkauf die Schuldenlast von 31 Mrd. Euro drücken. Dem Versorger hängen wegen der hohen Schulden die Ratingagenturen im Nacken. Die Aktionäre, darunter viele finanzschwache Kommunen in Nordrhein-Westfalen, mussten bereits für 2013 eine schmalere Dividende hinnehmen. Den Beschäftigten droht ohnehin eine Verschärfung des Sparkurses. Tausende Stellen sollen bei RWE gestrichen werden. In dieser Situation kam Terium der Verkauf von Dea wie gerufen, zumal die Tochter hohe Investitionen verschlingt, die sich meist erst nach Jahren auszahlen.

~ ISIN DE0007037129 WEB http://www.rwe.com ~ APA419 2014-09-29/15:42


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