Zahl der Toten nach Vulkanausbruch auf 36 gestiegen

Die Suche nach weiteren Opfern musste wegen der wachsenden Gefahr für die Helfer unterbrochen werden. Mehrere Wanderer werden noch vermisst.

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Hilfskräfte auf dem Weg zum Kraterrand des Vulkans.
© APA/EPA/JAPANESE DEFENSE MINISTR

Tokio – Unter Einsatz ihres eigenen Lebens haben Hunderte Rettungskräfte am Montag die Suche nach weiteren Vermissten am Gipfel des Ontakesan-Vulkans in Japan fortgesetzt. Sie fanden fünf weitere Leichen, bevor die Konzentration der giftigen Schwefelgase in der Luft zu hoch wurde und sie ihre Arbeit abbrechen mussten. Mindestens 36 Bergwanderer überlebten somit den plötzlichen Ausbruch am Samstag nicht.

Obwohl der 3.067 Meter hohe Vulkan weiter Gas- und Dampfwolken ausstieß, durchkämmten Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten fast den gesamten Montag über das von zentimeterhoher Asche bedeckte Unglücksgebiet, Hubschrauber unterstützten die Suche aus der Luft. Erst nach Stunden gaben sie auf, weil die Situation wie schon am Sonntag für sie selbst zu gefährlich wurde.

Schwere Bedingungen für Helfer

„Ich sah bis zu einen Meter große Lava- und Felsbrocken, die offenbar bei dem Ausbruch durch die Luft geschleudert wurden“, berichtete ein Armeevertreter. Nach seinen Angaben müssen sich die Helfer immer wieder durch Asche- und Geröllhaufen graben - zusätzlich behindert von ihren Helmen, Schutzbrillen, Schutzwesten und Atemmasken.

Der Ontakesan war Samstagmittag ohne Vorwarnung ausgebrochen. Hunderte Wanderer, die von seinem Gipfel aus die spektakuläre Aussicht zum Herbstanfang genießen wollten, wurden von einem plötzlichen Asche- und Steinregen überrascht. Die meisten konnten sich noch gerade in die umliegenden Schutzhütten retten oder ins Tal hinabsteigen, 60 wurden laut den Behörden verletzt. Wie viele Wanderer insgesamt den Ausbruch nicht überlebten, blieb am Montag unklar.

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Für die Angehörigen der auf dem Gipfel zurückgebliebenen Opfer wurde das lange Warten zur Qual. Eltern und Freunde fanden sich in Orten am Fuße des Berges ein, darunter auch die Eltern eines elfjährigen Mädchens. Sie seien vollkommen erschöpft, glaubten aber weiter fest daran, dass ihre Tochter lebe, sagte der stellvertretende Leiter der Schule des Mädchens einem Reporter. „Wir hoffen nur, dass sie heil wieder zurückkommt“. Ein Vater, der seinen 26-jährigen Sohn ebenfalls vermisst, brach vor laufenden Kameras weinend zusammen.

„Es ist vorbei, ich sterbe“

Immer wieder schilderten Überlebende die dramatischen Minuten nach der Eruption. „Wir mussten uns durch knietiefe Asche pflügen, zwei Leute vor mir scheinen es nicht geschafft zu haben“, berichtete eine Frau dem Sendernetz Asahi. Einer der Mitarbeiter der Schutzhütten, Seiichi Sakurai, versuchte so vielen Wanderern wie möglich zu helfen - und schaffte es nicht immer: „Immer wieder ging Asche nieder. Einige wurden von ihr lebendig begraben, aber ich konnte nichts für sie tun - außer den Bergungskräften per Funk Bescheid zu geben“, sagte er dem Sender NHK.

Ein weiterer Überlebender trauerte um einen Buben, der noch aufschrie: „Ich kann nicht mehr atmen“, bevor er von einer Aschewolke verschluckt wurde. Für die Angehörigen der Vermissten ging unterdessen die quälende Ungewissheit weiter. Eine ältere Frau hatte kurz nach dem Ausbruch noch ihren Sohn am Telefon: „Er sagte mir - ‚es ist vorbei, ich sterbe‘, dann brach die Verbindung ab“, berichtete sie dem Sendernetz Asahi.

Der Ontakesan gehört zu Japans knapp 110 aktiven Vulkanen, sein letzter großer Ausbruch liegt 35 Jahre zurück. Nach Angaben von Toshitsugu Fujii, eines Vulkanologen des japanischen Wetterdienstes, sind plötzliche Dampfexplosionen wie jetzt beim Ontakesan immer wieder möglich: „Die Leute werfen uns vor, wir hätten dies wegen der Erdbeben im September vorhersehen müssen. Doch sind wir da machtlos, unser Wissen ist nun einmal begrenzt“, sagte er.

Bei einer Wasserdampfexplosion wird Grundwasser im Berg von Magma erhitzt und schießt plötzlich aus dem Vulkan heraus. Diese Art von Explosionen vorherzusagen, ist grundsätzlich schwierig. Zwar hatte die Meteorologische Behörde seit etwa Mitte des Monats vermehrte vulkanische Beben am Gipfel des Ontakesan registriert, was den umliegenden Gemeinden auch mitgeteilt wurde, wie der TV-Sender NHK meldete. Allerdings seien keine auffallenden Bewegungen der Erdkruste festgestellt worden. Als Warnstufe galt weiter die unterste Stufe. (APA/AFP/dpa)


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