Franz Voves: „Reformpartner“ geht noch einmal in Landtagswahlkampf

Graz (APA) - Franz Voves geht in noch einen Wahlkampf als Spitzenkandidat der steirischen SPÖ - der bereits dritte, nachdem er es im ersten ...

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Graz (APA) - Franz Voves geht in noch einen Wahlkampf als Spitzenkandidat der steirischen SPÖ - der bereits dritte, nachdem er es im ersten 2005 geschafft hatte, ÖVP-LH Waltraud Klasnic von der Spitze zu verdrängen und diese Position im Wahlkampf 2010 knapp gegen eine mit allen Mitteln kämpfenden ÖVP zu verteidigen. Die Landtagswahl im Herbst 2015 wird zu einer Abstimmung über sein politisches Reformwerk.

Bis Herbst 2015 wird sich nun weisen, ob die sogenannten „Reformpartner“ Voves und sein ÖVP-Gegenüber Hermann Schützenhöfer ihre Arbeit in klingenden Wählerzuspruch ummünzen können - Stichwort Gemeindefusionen, Budget ohne Neuverschuldung, Strukturreformen in der Landesverwaltung. Nicht alles ging ohne Widerstand ab, auch in der eigenen Partei, aber gegen viele Unkenrufe hielt die „Reformpartnerschaft“ von Voves und Schützenhöfer. Die beiden Spitzenleute ihrer Parteien, im Herbst 2010 von den Wählern für ständiges Streiten abgestraft, hatten einen radikalen Neubeginn gewagt und das bisherige Hund-und-Katz-Spiel gegen einen gemeinsamen Reformkurs getauscht, der österreichweit Beachtung fand.

Die Ausgangsposition 2010 war für Voves und Schützenhöfer denkbar schlecht - das politische Klima durch fünf vorherige Jahre harter wechselseitiger Angriffe anscheinend ruiniert, wertvolle Zeit zur Budgetstabilisierung und in der politischen Arbeit vertan. Dann besann man sich, dem Vernehmen nach in einem schonungslosen Gespräch unter vier Augen: „Geht es so weiter, wird die FPÖ ohne eigenes Zutun Erste im Lande“, sagte Voves nach dem Gespräch oft. Ein Arbeitsübereinkommen mit dem Titel „Reformpartnerschaft“ sorgte wegen Eingriffen im Sozialbereich für die größten Demonstrationen in der Steiermark seit 1945. Der Widerstand ist mittlerweile bei der Opposition in und außerhalb des Landtags schwächer geworden, zu unbeirrbar ging das Duo - von den Grünen bisweilen „Reformpanzer“ genannt - vor. Freilich gab es für Voves auch Rückschläge, wie Aufbegehren eigener Bürgermeister gegen die Gemeindefusionen oder die Rücknahme des heftig bekämpften Pflegeregresses im April, etwas über ein Jahr vor der Wahl.

Die Ausgangsposition für Voves ist trotz des unbestreitbaren Erfolgs einer vierjährigen Strukturreform und einem Stopp der Neuverschuldung ab 2015 - schwierig. Zu allgemein ist die Unzufriedenheit mit der Politik, und die Bundespolitik ist nicht dazu angetan, dies zu verbessern. Der von Voves erhoffte „Schwung“ nach der Regierungsklausur in Schladming blieb aus. Dazu kommt eine FPÖ, die bei der Nationalratswahl im Herbst 2013 am ersten Platz landete und eine Stadt-SPÖ in Graz - wo die steirischen Wahlen entschieden werden - die eher unauffällig agiert. Gespannt ist das steirische Wahlpublikum nun, ob sich SPÖ und ÖVP bzw. Voves und Schützenhöfer nach dem korrekten, sachlichen Umgang der vergangenen vier Jahre nun wirklich im letzten Jahr der Legislaturperiode „sichtbar“ voneinander unterscheiden. Gleichzeitig dürfte ihm die Fortsetzung der „Reformen“ zu wichtig gewesen sein, um sie aus der Hand zu geben. Andererseits hatten sich Kandidaten für den Spitzenplatz parteiintern auch nicht aufgedrängt.

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Voves war 2002 als Quereinsteiger in die Landespolitik gekommen und hatte 2005 der 60 Jahre lang regierenden ÖVP die Mehrheit im Landtag und den Landeshauptmann abgenommen. Im Frühjahr 2009 hatte er sich mit seinem Wirtschaftsprogramm „NEW“ und seiner Forderung nach Vermögenssteuern stark gegen die Bundes-SPÖ exponiert und sich - zunächst - kalte Füße geholt. Diese Positionen aber stehen mittlerweile bei der Bundespartei nicht mehr grundsätzlich infrage. Bundesparteipolitik und Wahlen kommentiert Voves mittlerweile kaum noch, auch aus dem Vorstand der Bundes-SPÖ hat er sich zurückgezogen. Seine leichte Reizbarkeit hat der in zweiter Ehe verheiratete 61-Jährige nun einigermaßen im Griff, wenngleich ihm bei ihm wichtigen Themen bisweilen noch die Pferde durchgehen. Beobachter hatten in den vergangen Jahren öfters den Eindruck, Voves überlege einen vorzeitigen Rückzug.

Geboren am 28. Februar 1953 in Graz, war die Jugend von Voves vom Sport geprägt: Beim „Arbeiter Turn- und Sportverein Eggenberg“ (ATSE) wagte der Sohn eines Puch-Arbeiters und kommunistischen Betriebsrates - eine Herkunft, die er gerne betont - die ersten Schritte aufs Eis. Mit seinem Verein wurde er zweimal österreichischer Eishockey-Meister, spielte als Mittelstürmer im Nationalteam bei sieben Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976. Nach der Matura studierte Voves Betriebswirtschaft, schloss 1978 ab und begann in einem Grazer Steuerberaterbüro zu arbeiten. 1979 wechselte er zur Merkur-Versicherung, wo er 1989 in den Vorstand aufstieg. Als Quereinsteiger holte der damalige LHStv. und Parteichef Peter Schachner-Blazizek ihn an die Spitze der steirischen Sozialdemokraten. Im Oktober 2005 drehte er die Mehrheitsverhältnisse im Land um und wurde der erste Sozialdemokrat, der als gewählter LH der Steiermark in die Grazer Burg einzog. Voves hat eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau Ingrid in Vasoldsberg bei Graz.


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