Sondersynode beginnt im Vatikan: Bischöfe beraten über Familie

Vatikanstadt (APA) - Zukunft der Familie, Homo-Ehen und wiederverheiratete Geschiedene sind einige heikle Punkte, über die Bischöfe der kath...

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Vatikanstadt (APA) - Zukunft der Familie, Homo-Ehen und wiederverheiratete Geschiedene sind einige heikle Punkte, über die Bischöfe der katholischen Kirche ab kommendem Sonntag auf einer Sondersynode über Familienseelsorge beraten. 250 Repräsentanten aller Ortskirchen werden zwei Wochen lang über „die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“ diskutieren.

Österreich ist durch den Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, vertreten. Die Familiensynode war vom Papst im vergangenen Herbst nach Gesprächen mit seinen acht Berater-Kardinälen einberufen worden. Die Kluft zwischen kirchlichem Familienideal und Praxis steht im Zentrum des Arbeitspapiers, das der Vatikan im Vorfeld der Bischofssynode auf Basis einer weltweiten Befragung erstellt hat. Das im Juni präsentierte „Instrumentum laboris“ stellt die Herausforderungen für die Kirche mit Blick auf die Familie im 21. Jahrhundert dar. Dafür hat der Heilige Stuhl auch die im Vorjahr verschickten Fragebögen zur Familie ausgewertet.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Patchworkfamilien, künstliche Empfängnisverhütung und die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen stehen zur Diskussion an. Zudem werden im Dokument konkrete Vorschläge für eine Vereinfachung von Ehenichtigkeitsprozessen gemacht. Weitere Themen sind etwa Abtreibung, die Unterstützung lediger Mütter, Gewalt und sexueller Missbrauch in Familien, Konsequenzen aus den großen Migrationsbewegungen sowie die Weitergabe des Glaubens an die jungen Generationen in religionsfernem Umfeld.

Das 85-seitige Dokument, inhaltlicher Leitfaden für die zweiwöchigen Bischofsberatungen, soll eine weltweite Bestandsaufnahme der Lebenspraxis von Katholiken und der Herausforderungen für die Kirche bieten, hebt das Synodensekretariat im Vorwort hervor. Heute empfänden zahlreiche Gläubige die „moralische Wertung der unterschiedlichen Methoden der Geburtenregelung“ als eine Einmischung in das Intimleben, hält das Papier offen fest. Als Konsequenz plädieren Bischöfe zu einem Teil für „behutsame Aktualisierungen“ oder Änderungen der kirchlichen Praxis.

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Der Wortlaut der Stellungnahmen während der zweiwöchigen Diskussionen wird nach Vatikan-Angaben nicht veröffentlicht. Geplant ist jedoch täglich eine Pressekonferenz, um über den Fortgang der Beratungen zu unterrichten. Zudem veröffentlicht das vatikanische Presseamt Zusammenfassungen des Tages. Die Bischöfe dürfen sich jeweils nur zu dem Thema äußern, das auf der Tagesordnung stehe, erklärte der Sekretär der Synode. Eine vertiefende Erörterung soll anschließend in kleineren Gruppen erfolgen.

Zum Abschluss der Synode werde ein zusammenfassender Text erarbeitet, der den Teilnehmern zur Abstimmung vorgelegt und anschließend dem Papst überreicht werde, erläuterte der Sekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri. Über dessen Veröffentlichung entscheide Franziskus. Ein abschließendes Dokument werde erst nach der ordentlichen Bischofssynode zum gleichen Thema im Herbst 2015 erarbeitet.

Die Sonderbischofssynode beginnt in einer nicht einfachen Phase für Papst Franziskus. Am kommenden Dienstag erscheint in Italien und in den USA das Werk „Das Verbleiben in der Wahrheit Christi: Ehe und Kommunion in der katholischen Kirche“. Darin behaupten fünf Kardinäle, dass die katholische Lehre keinen Spielraum für Änderungen im kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen lasse. Eine Zulassung dieser Personengruppe zur Kommunion sei nicht möglich, weil sie dem Dogma von der absoluten Unauflöslichkeit der Ehe widerspreche. Das Buch der fünf Kardinäle gilt als eine erste öffentliche Stellungnahme gegen den offenen Kurs von Papst Franziskus.


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