Bernarda Fink singt beim Kirchenchor und den Berliner Philharmonikern

Klagenfurt/Wien (APA) - Im November ist die Mezzosopranistin Bernarda Fink (59) auf Europa-Tournee mit den Berliner Philharmonikern unter de...

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Klagenfurt/Wien (APA) - Im November ist die Mezzosopranistin Bernarda Fink (59) auf Europa-Tournee mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Anlass ist der 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer. Im APA-Interview erzählt die Sängerin mit Wohnsitz in Südkärnten, warum ihr wichtig ist, im lokalen Kirchenchor zu singen und warum ihr die slowenische Musikschule in Kärnten am Herzen liegt.

Zuletzt war Fink wieder einmal fern der Heimat - und zwar als Jurymitglied beim Internationaler Musikwettbewerb Köln, der am Sonntag zu Ende ging. Der erste Preis ging an den britischen Tenor Theodore Browne. „Gleichzeitig habe ich derzeit einige Stücke des großen österreichischen Komponisten Ernst Krenek für eine CD-Produktion zu lernen“, so Fink. Ab November ist sie mit den Berliner Philharmonikern unterwegs: Am Programm stehen unter anderem das Stabat Mater von Szymanovski und die 9. Symphonie von Beethoven. „Das wird für mich ein emotionales Erlebnis sein, denn der Fall des Kommunismus hat meinen Eltern nach ihrer Emigration im Jahr 1945 einen ersten Besuch in Slowenien ermöglicht“, sagte Fink.

Erst kürzlich hat die Mezzosopranistin aus den Händen von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) in Wien den Titel einer Kammersängerin verliehen bekommen. „Das ist für mich eine große, unerwartete Ehre“, sagte Fink. Gleichzeitig erinnerte sie in diesem Zusammenhang an die triste Situation der Kärntner-slowenischen Musikschule in ihrer Heimat. Denn immerhin war es Ostermayer, der im Jahr 2011 als Staatssekretär an der Lösung im Kärntner Ortstafelstreit entscheidend mitgebastelt hat. Und diese Lösung sieht unter anderm den Bestand und die Förderung der Kärntner-slowenischen Musikschule vor.

Durch eine Umstrukturierung sehe die Lage der Musikschule für das laufende Schuljahr jedoch trist aus. „Momentan schaut es so aus, dass über 30 slowenische Musiklehrer keinen Arbeitsplatz und 300 Schüler keinen zweisprachigen Unterricht an der Kärntner Musikschule haben werden. Das ist eine massive Verschlechterung. Ich bin zutiefst betroffen“, sagte Fink. Die Sängerin erklärte sich sogar bereit, „alles was ich an Erfolg, Ruhm und Titeln habe, zurückzulegen, wenn das nur ein wenig helfen würde, unseren Kindern eine sichere Musikschule zu ermöglichen“. An Ostermayer - dem sie ihre Kritik in einem persönlichen Brief geschrieben hat - appelliert sie, „keine Angst vor diesem Thema zu haben“ und den versprochenen Anteil des Bundes zu leisten.

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„Ich appelliere nicht nur an unsere Regierenden, sondern auch an die breitere Bevölkerung, weiter darüber nachzudenken, was uns alle eint und zusammen wachsen lässt, aber auch an die Schönheit des ‚Andersseins‘, an den Reichtum Kärntens. Die Muttersprache jedes Menschen ist ein unmessbarer Schatz“, sagte Fink. Wie sehr die in Argentinien geborene Tochter eines 1945 emigrierten slowenischen Juristen ihrer Muttersprache verbunden ist, beweist sie, wenn sie in Kärnten in ihrem Haus in Suetschach (Gemeinde Feistritz, Bezirk Klagenfurt Land) ist. Dann singt sie beim lokalen Kirchenchor mit oder gibt auch immer wieder kleinere Konzerte in der unmittelbaren Umgebung.

„Es ist so erfrischend, nach solistischen Auftritten und internationalen Reisen, sich wieder als Teil einer Dorf-Gemeinde zu fühlen, das gibt mir festen Boden unter den Füßen“, erklärte Fink. Und immerhin hat sie ja auch in Chören der slowenischen Gemeinde in Argentinien zu singen begonnen. „Ein Chor hieß sogar ‚Karantanija‘ (Kärnten, Anm.). Erst viel später kam die Oper und der professionelle Gesang“, erzählte Fink.

In Österreich war sie zuletzt 2009 in Händels „Theodora“ bei den Salzburger Festspielen und 2005 sowie 2006 als Cecilio in Mozarts Oper „Lucio Silla“ im Theater an der Wien zu sehen, wo Nikolaus Harnoncourt am Pult stand. Ihr künstlerisches Zuhause ist aber praktisch in allen Opernhäusern der Welt zu finden. „Ich habe viele Opernauftritte hinter mir, wie an der Pariser Oper Champs Elysee unter der damaligen Leitung von Dominique Meyer, bei den Salzburger Festspielen, in Opernhäusern in Madrid, Genf, Amsterdam, Sydney, Buenos Aires, usw.“, erzählte die Mezzosopranistin. Die Wiener Staatsoper fehlt allerdings noch auf ihrer langen Liste. „Meine Karriere ist noch nicht zu Ende und zu einem Auftritt an der Wiener Staatsoper kann es ja durchaus noch kommen“, meinte die Künstlerin. Fink ist mit dem Kärntner Spitzendiplomaten Valentin Inzko verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

(Das Gespräch führte Ferdinand Hafner/APA)


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