Aufregung um Problemschüler

Weil Betreuung fehlt: Renitente Schüler kommen in Turnsaal und werden dort beaufsichtigt.

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Innsbruck – In Tirol steigt die Zahl der verhaltensauffälligen Schüler, das sozialpädagogische Beratungs- und Betreuungsangebot hinkt dieser Entwicklung jedoch hinten nach. Gestern erhielt die Diskussion über mehr Schulsozialarbeit und Betreuungspersonal neuen politischen Zündstoff. Und die Aufregung dürfte in den nächsten Tagen anhalten.

Mehr dazu:

Problemschüler kommen in den Turnsaal: http://bit.ly/1CCAzHa

Weil nämlich an vielen Schulen professionelle Unterstützung fehlt, werden Problemschüler im Alter von zehn bis 14 Jahren, die den Unterricht blockieren und ständig stören, einfach in den Turnsaal verbannt und dort bis zum Schulschluss beaufsichtigt. „Damit wird zwar der Aufsichts- und Schulpflicht Genüge getan, aber das Problem nicht gelöst“, berichtet die Psychologin und Psychotherapeutin Isabella Gruber (Liste Fritz).

Gruber fordert deshalb mehr professionelle Unterstützung und Betreuung für Schüler, Lehrer und Eltern in Form von Schulsozialarbeit. „Natürlich geht es dabei auch um Prävention.“ Das Land solle hier seiner Verpflichtung endlich nachkommen, statt Hunderttausende Euro in Beton und Werbekampagnen zu investieren.

Derzeit wird Schulsozialarbeit lediglich an acht Schul­standorten in Imst, Innsbruck und Jenbach angeboten. Die Zahlen bestätigen allerdings den Handlungsbedarf: Allein 2013/2014 wurden an den acht Schulen 1090 Schülerinnen und Schüler betreut.

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Bildungs-LR Beate Palfrader (VP) ortet ebenfalls Nachholbedarf, nimmt aber den Bund in die Pflicht. „Es benötigt mehr geschultes Personal für Sonderpädagogik und Schulsozialarbeit. 4,5 Prozent der Schüler benötigen besondere Betreuung, der Bund zahlt aber nur 2,7 Prozent.“ Das Land finanziere ohnehin bereits 100 Planstellen.

Sozial-LR Christine Baur (Grüne) formuliert die „flächendeckende Schulsozialarbeit“ als Zielvorgabe. „Hier ist vor allem der Bund total gefordert.“ Er könne seine Verantwortung nicht einfach in die Sozialbudgets auslagern. (pn)


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