Familiensynode - Vatikan will Kluft von Ideal und Praxis überwinden

Vatikanstadt (APA) - Die große Familiensynode, die am Sonntag im Vatikan beginnt, soll die Kluft zwischen dem kirchlichen Familienideal und ...

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Vatikanstadt (APA) - Die große Familiensynode, die am Sonntag im Vatikan beginnt, soll die Kluft zwischen dem kirchlichen Familienideal und der Praxis schließen. Im Vorfeld der zweiwöchigen Tagung hat der Vatikan ein 85-seitiges Arbeitspapier veröffentlicht, das die Ergebnisse der weltweiten Befragung von Gläubigen zur Familienpastoral zusammenfasst.

Im Vorwort zum „Instrumentum laboris“ hebt das Synodensekretariat hervor, dass die Kenntnis der kirchlichen Positionen zur Familie „allgemein eher spärlich“ ist, hätten doch selbst viele Katholiken, denen sie vertraut seien, Schwierigkeiten damit, sie „ganz anzunehmen“. Daher solle es einerseits „behutsame Aktualisierungen“ oder Änderungen der kirchlichen Praxis geben und andererseits eine bessere Vermittlung der traditionellen Lehre sowie eine Konzentration auf deren wesentliche Inhalte.

Konkret haben etwa für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen laut dem Dokument „einige“ Bischofskonferenzen vorgeschlagen, „den Weg zu einer zweiten oder dritten Ehe mit Bußcharakter“ zu prüfen. Vorbild könne die Praxis einiger orthodoxer Kirchen sein. Die Nichtzulassung zu den Sakramenten, wie sie die kirchliche Lehre festlege, werde von den Gläubigen nicht verstanden. Die betroffenen Katholiken weigerten sich offenbar ihre Situation als „irregulär“ anzuerkennen, so das Arbeitspapier.

Mit Blick auf die kirchliche Verurteilung der künstlichen Empfängnisverhütung wird festgehalten, dass sie heute von der „vorherrschenden Mentalität als Einmischung in das Intimleben des Paares und Einschränkung der Gewissensfreiheit empfunden“ werde. Nach dem Willen etlicher Bischofskonferenzen solle die Synode dabei helfen, „jenseits jeden Moralismus“ wieder den „tiefen anthropologischen Sinn der Moral des Ehelebens“ zu entdecken.

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Weitere Themen sind etwa Abtreibung, die Unterstützung lediger Mütter, Gewalt und sexueller Missbrauch in Familien, Konsequenzen aus den großen Migrationsbewegungen sowie die Weitergabe des Glaubens an die jungen Generationen in religionsfernem Umfeld. Viele Bischofskonferenzen fordern für die Synode zudem einen Dialog mit den Humanwissenschaften, „um eine differenziertere Sicht des Phänomens der Homosexualität entwickeln zu können“.

Widerstand gegen die kirchliche Lehre gebe es unter Katholiken „in verschiedenen Graden“, insbesondere gegen die kirchlichen Positionen zu Geburtenkontrolle, Scheidung, Wiederheirat, Homosexualität, Zusammenleben ohne Trauschein, Treue und In-vitro-Fertilisation, so das Dokument. Demgegenüber sei die prinzipielle Lehre über die Würde des menschlichen Lebens „weiter verbreitet“ und „auch im größeren Ausmaß anerkannt“.

Mit Blick auf eine Nichtigkeitserklärung von Ehen plädierten viele Bischofskonferenzen in bestimmten Fällen für die Möglichkeit, diese in bestimmten Fällen auch auf dem kirchlichen Verwaltungsweg herbeiführen zu können, anstelle des bisher erforderlichen Prozesses in zwei Instanzen, führt das Arbeitspapier aus. Bedenken gab es zugleich allerdings diesbezüglich, dass dadurch die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe verwässert werde.

Weltweit enormes Echo hatte das „Instrumentum laboris“ durch seine Entstehungsgeschichte hervorgerufen. Im November 2013 hatte der Vatikan dazu einen Katalog mit 39 Fragen zum Thema Familie, Ehe und Sexualität an die Ortskirchen aller Länder der Welt versandt - gerichtet an die Bischöfe, die gehalten waren, die Fragen bis an die Kirchenbasis weiterzugeben. In Österreich luden daraufhin in der Folge alle Diözesen die Gläubigen dazu ein, ihre Antworten zum Fragenbogen via E-Mail und Internet oder in Papierform einzusenden. 34.000 Personen nahmen daran teil, wobei der Großteil Schätzungen zufolge aus dem kirchlich-katholisch geprägten Milieu stammte.

Die Antworten, die in Österreich den Fragebogen ausgefüllt haben, übergaben die Bischöfe Ende Jänner bei ihrem Ad-Limina-Besuch in Rom und informierten zudem den Papst auch persönlich über das Ergebnis. Dieses spiegelt teils die weltweiten Antworten wider, wenngleich mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung.

Liebe und Treue, Ehe und Familie sind demnach für die heimischen Katholiken weiterhin zentrale anzustrebende Werte. Deutlich wird aus den Antworten jedoch auch, dass es der Kirche kaum gelingt, ihre Lehre zu Ehe, Familie und Sexualmoral verständlich zu vermitteln. Kirchliche Aussagen seien von einer lebensfremden Sprache gekennzeichnet, so der Tenor. Doch auch inhaltlich gibt es deutliche Diskrepanzen zur herrschenden kirchlichen Lehre.

Die überwiegende Mehrheit der Katholiken spricht sich dafür aus, dass geschiedene Personen, die wieder geheiratet haben, zu den Sakramenten der Eucharistie (Kommunion) und der Versöhnung (Beichte) zugelassen werden. Ebenso groß ist die Mehrheit jener, die das kirchliche Verbot künstlicher Verhütungsmethoden ablehnen.


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