Beim Gehalt von Gleichheit keine Spur

Die Einkommenskluft zwischen Mann und Frau ist in Osttirol groß. Die Lienzer SPÖ-Frauen fordern mehr Transparenz.

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Von Claudia Funder

Lienz –Osttirol zählt zu den zehn einkommensschwächsten Bezirken Österreichs. Trotz des ohnehin bescheidenen Lohnniveaus verdienen hier Frauen im Schnitt noch einmal um einen erklecklichen Teil weniger als ihre männlichen Kollegen, wie die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und die drei SPÖ-Gemeinderätinnen Anita Kerstein, Christina Gruber und Sieglinde Ortner gestern erklärten. Betrachtet man die Statistik der Arbeiterkammer zur Voll- und Teilzeitarbeit liege das Durchschnittseinkommen der Frauen um satte 39,5 Prozent unter jenem der Männer. Lenkt man den Blick ausschließlich auf die Vollzeitbeschäftigten, beträgt die Differenz immer noch 24,7 Prozent. Die geringsten Löhne werden, betont Blanik, in Tourismus und Handel gezahlt – Branchen, in denen überwiegend weibliche Arbeitnehmer beschäftigt sind. „Die Einkommenstransparenz muss weiterentwickelt werden“, fordert die Stadtchefin. „Zudem gilt es, Kollektivverträge auf versteckte Diskriminierung zu prüfen.“ Die SPÖ-Frauen pochen weiters auf eine bessere Anrechnung der Karenzzeiten, eine Lohnsteuersenkung sowie erneut auf ein flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuungs- und Ganztagesschulplätzen. „Allein bei der Nachmittagsbetreuung haben sich die Zahlen in Lienz in den letzten beiden Jahren verdoppelt“, gibt Blanik bekannt.

Im August waren 664 Männer und 793 Frauen beim AMS Lienz als arbeitssuchend gemeldet. „Das entspricht einer Frauenarbeitslosenquote von 8,9 Prozent in der Hauptsaison“, betont die Frauenreferentin der SPÖ Lienz, Anita Kerstein. Teils würden Angebote nicht ausgeschrieben werden, man wisse aber auch von Diskriminierungen von Frauen bei Jobvergaben.

In puncto Novelle zum Arbeitnehmerförderungsgesetz spricht sich die SPÖ dezidiert für die Beibehaltung der Fahrtkostenbeihilfe aus. „Die Streichung ist ein fatales Si­gnal der Tiroler Landesregierung“, erklärt Blanik. Laut Erhebung der Arbeiterkammer gehe hervor, dass ein Drittel aller Förderwerber in Osttirol beheimatet ist. Junge Frauen waren im Jahr 2012 die größte Gruppe. „In Hinblick auf die Gehaltsschere zwischen Mann und Frau leistet die Fahrtkostenbeihilfe auch einen Beitrag zur Entschärfung der Lage“, ergänzt Blanik.

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