Gewerbe und Handwerk macht Konjunkturflaute zu schaffen

Wien (APA) - Handwerk und Gewerbe kämpfen mit der Flaute. Die Konjunkturlage für die Unternehmen sei so eingetrübt wie schon lange nicht meh...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Handwerk und Gewerbe kämpfen mit der Flaute. Die Konjunkturlage für die Unternehmen sei so eingetrübt wie schon lange nicht mehr, so die Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer. Umsätze und Auftragseingänge seien im Halbjahr gesunken, die Stimmung habe sich im dritten Quartal weiter verschlechtert. Nötig seien Konjunkturmaßnahmen, darunter eine Ausweitung des Handwerkerbonus.

Die Umsätze und Auftragseingänge seien im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent gesunken, heißt es in einer Pressemitteilung von heute, Dienstag. Das Stimmungsbarometer habe sich im dritten Quartal verschlechtert. Betriebe mit schlechter Geschäftslage fänden sich im Bereich Bau, in den chemischen Gewerben, bei Konditoren, Kfz-Technikern und Installateuren. Für das vierte Quartal erwarten nun 14 Prozent (Vorjahr: 17 Prozent) der Betriebe steigende Auftragseingänge bzw. Umsätze, geht aus dem Konjunkturbericht hervor. 62 (66) Prozent erwarten keine Veränderung und 24 (17) Prozent rechnen mit Rückgängen.

„Trotz dieser widrigen Umstände und pessimistischen Einschätzungen wird das Gewerbe und Handwerk seinen Beschäftigtenstand halten“, so Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria. „Die Position als Arbeitgeber Nummer 1 ist dadurch nicht gefährdet.“

Betont wird die Notwendigkeit von Konjunkturmaßnahmen. Gewerbe und Handwerk unterstützen die nun von der Regierung beschlossenen Maßnahmen, vor allem die angekündigte Erhöhung der öffentlichen Investitionen um 7 Prozent, so Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster. Unterstützt werden sollten zudem alle Modelle, die sich über die Laufzeit der Investitionen auch für die öffentliche Hand rechneten bzw. mehr Steuern und Sozialversicherungsbeiträge brächten.

Beim Handwerkerbonus wird eine Verdoppelung der Förderhöhe von bis zu 600 auf 1.200 Euro gefordert. Zudem sollten die Budgetdeckelung beseitigt und die Anwendung auf Leistungen im Neubau und im Außenbereich erweitert werden. Der seit 1. Juli geltende Handwerkerbonus sei gut angelaufen. Bis 22. September wurden rund 8.300 Projekte eingereicht. Davon sind rund 4.600 genehmigt. Die Förderauszahlung für die eingereichten Projekte wird mit rund 3,3 Mio. Euro beziffert, davon entfallen 1,9 Mio. Euro auf die genehmigten Projekte. Insgesamt hat die Regierung für heuer bis zu 10 Mio. Euro und für 2015 bis zu 20 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Mit einem Ausschöpfen des Fördervolumens sei nach der Anlaufzeit zu rechnen.

Für Bau-Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel bedarf es zum Hintanhalten von Wettbewerbsverzerrungen „der gesetzlichen Verankerung des verpflichtenden Bestbieterprinzips und weiterer Maßnahmen aus dem Forderungskatalog der ‚Faire Vergaben‘-Initiative. Gefordert werden unter anderem auch eine Verlängerung der Gültigkeit der Schwellenwerte-Verordnung, Transparenz im Bereich der Subunternehmervergabe und Prüfung der Angemessenheit der Angebote.

Zudem wolle man aufzeigen, dass die Regierung mit gezielten Investitionen in Wohnraum und bauliche Infrastruktur ein Mehrfaches an Steuereinnahmen lukrieren könne, so Frömmel. Einige Modell wie beispielsweise seniorengerechte Sanierungsmaßnahmen fänden sich bereits im Regierungsprogramm und müssten dringend umgesetzt werden.

Zu den sich selbst finanzierenden Modellen zählt die Bundessparte beispielsweise auch die Thermische Sanierung, bei der mit 100 Mio. Euro staatlicher Förderung ein Sanierungsvolumen im Inland von mindestens 650 Mio. Euro ausgelöst werde. Bei der Wohnbauinfrastruktur würden laut heutiger Presseinformation Infrastrukturinvestitionen von 1 Mrd. Euro rund 5 Mrd. Euro private Siedlungsinvestitionen auslösen. Langfristig entstünden durch eine Infrastrukturmilliarde 30.000 Wohnungen, 20.000 Dauerarbeitsplätze, sowie pro Jahr 50 Mio. Euro direkte Gemeindeeinnahmen, 80 Mio. Euro Lohnsteueraufkommen, 300 Mio. Euro Sozialversicherungseinnahmen und 20 Mio. Euro Umsatzsteuer aus Vermietung.

~ WEB http://wko.at ~ APA292 2014-09-30/12:29


Kommentieren