Blaue Stunden: Kunsthalle Wien widmet sich einer omnipräsenten Farbe

Wien (APA) - Blau ist eine warme Farbe, hieß 2013 der Gewinner der Filmfestspiele in Cannes. Für den britischen Konzeptkünstler Liam Gillick...

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Wien (APA) - Blau ist eine warme Farbe, hieß 2013 der Gewinner der Filmfestspiele in Cannes. Für den britischen Konzeptkünstler Liam Gillick steht Blau für das Böse, weil es sich so gut für Manipulationen eigne. 80 Prozent der Bevölkerung nennen Blau dagegen ihre Lieblingsfarbe, sagte Nicolaus Schafhausen am Dienstag in der Kunsthalle Wien. Dort ist der Farbe ab morgen, Mittwoch, eine eigene Schau gewidmet.

Interessant ist für Amira Sad von der Londoner Serpentine Gallery, die die Gruppenausstellung „Blue Times“ gemeinsam mit Kunsthallenchef Schafhausen kuratiert hat, nicht zuletzt der politische Bedeutungswandel, den die Farbe im Laufe der Zeit durchgemacht hat: Ursprünglich mit dem Royalen und Heiligen assoziiert, sei Blau mittlerweile doch - nicht zuletzt aufgrund von Jeans und Fabrikjobs („blue collar“) - die klassische Arbeiterfarbe.

Genau an diesem Punkt hätte die 36 internationale Positionen umfassende Schau besonders spannend werden können, steht Blau heute doch auch für politische Heilsversprechen an eine benachteiligte Gesellschaftsgruppe, für Versprechen von Freiheit, Überlegenheit und den großen Traum, den etwa Ryan Gander in seinem Clip „Imagineering“ nachbildet. Aber nicht nur die rechtspopulistischen Parteien, auch die EU hat sich eine - wenn auch nicht immer gleich blaue - Flagge gegeben, wie Remco Torenbosch zeigt.

Dieses politische Spannungsfeld wird im obersten Stockwerk der Kunsthalle zwar aufgemacht, letztendlich bleibt es aber nur ein Aspekt einer Ausstellung, die sich in schier unzählige Teilaspekte aufgliedert: Blau in der Mode, in Inschriften, in der Malerei, auf Platten- und Buchcover, als Wasserflaschen- und Tuch-Design. Natürlich dürfen auch die prominenten Vertreter wie Yves Klein oder Derek Jarman hier mit ihren ikonischen Werken nicht fehlen.

Dass die Farbe auch für Harmonie, Zufriedenheit, Ruhe und Passivität stehen kann (wie die deutsche Sprache mit Begriffen wie der blauen Stunde oder dem „blau machen“ nahelegt) oder heute angesichts der Exekutive oder den UNO-Blauhelmen auch deutlicher mit einem Durchgreifen und bestimmten Handeln assoziiert wird, wird angedeutet. Im „Blauen Salon“ sollen zudem Bücher, Filme und Musik eine direktere Auseinandersetzung des Publikums mit dem Thema ermöglichen.

Auch wenn die Ausstellung, die bis 11. Jänner 2015 läuft, insgesamt sehr konzeptuell ausgerichtet ist, so lässt sich spätestens im Hof des Museumsquartiers dann doch die geschärfte Wahrnehmung für die Farbe überprüfen: die blauen Hofmöbel stechen besonders ins Auge, die Arbeiter in ihren Blaumännern, die blauen Jacken und Taschen der Passanten. Hier lässt es sich schwer des Eindrucks erwehren, dass wir tatsächlich in „Blue Times“ leben.

(S E R V I C E - http://kunsthallewien.at)


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