Luftangriffe erschweren Syrien-Strategie der USA

Damaskus (APA/Reuters) - Die von den USA geführte Allianz bringt mit ihren Luftangriffen auf die Miliz Islamischer Staat (IS) in Syrien die ...

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Damaskus (APA/Reuters) - Die von den USA geführte Allianz bringt mit ihren Luftangriffen auf die Miliz Islamischer Staat (IS) in Syrien die gemäßigten Gegner von Machthaber Bashar al-Assad in die Zwickmühle. Wegen der Berichte über zivile Opfer fürchten die vom Westen unterstützen Rebellen, den Rückhalt der Bevölkerung zu verlieren. Sie kritisieren, dass die Kampfjets einen Bogen um Stellungen der syrischen Armee fliegen.

Eine Schwächung der moderaten Assad-Gegner wäre auch für die Anti-IS-Allianz ein Problem - schließlich sollen diese als Bodentruppen agieren. Die USA und ihre Verbündeten fliegen seit einer Woche Angriffe gegen IS-Stellungen in Syrien. Nach Darstellung der dortigen Opposition starben dabei Anfang der Woche auch Zivilisten. In mehreren syrischen Städten kam es zu Protesten. Das US-Militär hat dafür nach eigenen Angaben keine Beweise, will entsprechenden Berichten aber nachgehen. Die Extremisten-Miliz IS kontrolliert weite Teile Syriens und des Nachbarlandes Irak und verbreitet mit Gräueltaten Angst und Schrecken unter den Andersgläubigen in den Ländern.

Die USA setzen vor Ort auf Gruppen wie die „13. Division“, die als Teil des losen Zusammenschlusses „Freie Syrischen Armee“ (FSA) gegen Assad kämpft. Die 1.700 Kämpfer werden von den USA unterstützt. In der Bevölkerung werden sie daher für zivile Opfer der Luftangriffe mitverantwortlich gemacht. Außerdem verstehen die Assad-Gegner in Syrien nicht, warum die US-geführte Anti-IS-Koalition die Regierungstruppen nicht ebenfalls attackiert. „Wir unterstützen die Luftschläge - aber gegen den IS und gegen das Regime in Damaskus“, sagt der Kommandant der 13. Division, Ahmed al-Seud.

Denn seit dem Beginn der Luftangriffe machen Assads Truppen Boden gut und verstärken den Druck auf die FSA-Kräfte und die Mudjaheddin-Armee, die in der Nähe von Aleppo gegen die IS-Miliz kämpfen. Die Regierungstruppen drohen die Stadt nun einzukesseln. Hinzu kommt, dass es der US-arabischen Koalition bisher nicht gelungen ist, sich mit den moderaten Rebellen auf dem Boden im Kampf gegen den IS zu koordinieren.

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„Die Kontakte sind noch immer sehr schwach“, sagt FSA-Sprecher Hussam Almarie: „Es gibt überhaupt keine Absprachen.“ Das ist überraschend, denn die USA und ihre Verbündeten, die selbst keine Bodentruppen schicken wollen, haben mehrfach die Bedeutung der moderaten Rebellen unterstrichen. So geht das US-Militär davon aus, dass 12.000 bis 15.000 Oppositionskämpfer gebraucht werden, um den IS zurückzutreiben. Teil der US-Strategie ist es außerdem, binnen eines Jahres 5.000 Rebellen in Saudi-Arabien zu trainieren - weitere sollen folgen.

Auch finanziell erfahren die moderaten Assad-Gegner bisher nicht die Unterstützung durch den Westen, auf die sie gehofft hatten. Eine der Organisationen, über die die Geldflüsse aus dem Westen geschleust werden, ist die von der FSA gegründete Hassm-Bewegung. Sie hat unter anderem für eine Ausrüstung der Rebellen mit Anti-Panzer-Raketen gesorgt. Nach eigenen Angaben reicht das Geld des Westens allerdings nicht aus, um alle 5.000 Kämpfer, die 100 Dollar Sold im Monat bekommen, mit Ausrüstung zu versorgen.

Für die moderaten syrischen Rebellen hat sich das Bündnis mit dem Westen bisher nicht ausgezahlt - und die Luftangriffe bringen sie nun in der Bevölkerung unter Druck. Das Ergebnis ist, dass die FSA und die Mudjaheddin-Armee Erklärungen veröffentlicht haben, in denen sie die Luftangriffe verurteilen. „Die Menschen sagen, die US-Koalition unterstützt Assad“, sagt Hassm-Kommandant Abu Abdullah. „Kein Wunder.“ Denn wie solle man einem Kind, das seinen Vater verloren habe, oder einer Frau, die im Gefängnis vergewaltigt worden sei, erklären, dass die Bomber der USA und ihrer Verbündeter die Stellungen Assads umfliegen?


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